Tag 2: Erster Spaziergang, erstes Bürsten

5. Juli 2010

Der weitere Sonntag verlief von ein paar Unterordnungsübungen abgesehen ruhig. Einzige größere Aktion war das erste Bürsten. Und dies verlief sehr gut! Hexe ließ sich anstandslos vollständig bürsten. Von Falko war ich da ganz was anderes gewohnt! Es dauerte damals knapp eine Woche, bis ich ihn einmal am Stück hatte bürsten können.

Falko war, bevor er zur Blindenführhundschule kam, ein Sporthund unter vielen. Er sollte zum Schutzhund ausgebildet werden, zeigte aber keinerlei Interesse, irgendwen zu beißen. Erst Frau Grün wurde seine erste echte Bezugsperson, und ich dann die zweite. Falko litt auch lange nach der Einarbeit an Verlustängsten und konnte schlecht allein bleiben. Sein Vertrauen musste richtig hart erworben werden. Wer uns kennt, weiß, dass da kein Blatt zwischen uns passt.

Hexe ist da etwas offener und geht nach ein paarmal Nachfragen davon aus, dass das so seine Richtigkeit hat. Beim Bürsten, rdas sie von Welpenbeinen an kennt, beim gesamten Aufbau der Bindung herrscht ein anderer “Ton”.

Das hat man auch beim Spaziergang und dem Ersten Gang zum Brötchenholen gemerkt. Das Führen fand heute noch an der Leine statt, noch nicht im Geschirr. Sie traute sich, mich abzudrängen, sie lief sehr souverän einen ihr bekannten Weg. Sie stellte sich schnell auf mich ein, und ich muss mich an eine viel grazilere Führweise gewöhnen. ;-) Auch im Freilauf klappte es schon echt prima. Das Herankommen ging von einem Mal abgesehen ganz prompt.

Update 2 Stunden später waren wir noch einmal spazieren und haben Unterordnungsübungen gemacht. Sehr erfolgreich, aber jetzt ist Hexe etwas geplättet. :-)

Und noch etwas: Als Hexe mich heute morgen führte, ging Falko bei Frau Grün an der Leine und machte einen sehr entspannten Aeindruck. Von Eifersucht keine Spur! :-D

Einarbeit mit Hexe geht los

4. Juli 2010

Am gestrigen 03.07. war es soweit: Falko und ich brachen zur Blindenführhundschule Grün auf, um die Einarbeit mit Falkos Nachfolgerin Hexe zu beginnen.

Die Zugfahrt selbst verlief sehr ruhig und klimatisiert, was angesichts von Außentemperaturen schon morgens um die 30 Grad Celsius sehr angenehm war.

Am Bahnhof in Mannheim holte uns die Trainerin ab, allerdings ohne Hexe, weil der die Fahrt im heißen Auto nicht zugemutet werden sollte, wenn es nicht unbedingt nötig tat. Und das tat es ja nicht, weil noch kein Training stattfinden sollte.

Bei der Ankunft waren Hexe und Falko sofort aneinander interessiert, und Hexe begrüßte mich auch sehr freudig.

Beim Auspacken waren Falko, Hexe und ich dann das erste Mal allein. Sie war sehr interessiert an dem, was ich tat, und als ich Falkos Geschirr in die Hand nahm, um es irgendwoanders zu plazieren, stupste sie es mehrmals an, so als wollte sie sagen: “Hey, damit kann ich auch was anfangen, zieh es mir doch an!” Dazu muss erwähnt werden, dass Falko und ich vor zwei Wochen zum Kennenlernen hier waren und Hexe und ich einen Probelauf absolvierten, sie mich also auch schon mit einem Führgeschirr verknüpfen kann.

Die erste Nacht verlief sehr ruhig. Es war ziemlich warm, aber die beiden kuschelten sich im Zimmer gemütlich auf Decke bzw. Hundematratze, und es wurde dann auch durchgeschlafen. Morgens kam Hexe dann ein, zweimal an, um zu gucken, ob ich schon wach war, und gab Köpfchen zur Begrüßung.

Hexe ist ein sehr ausgeglichener Hund mit einem freundlichen Wesen, neugierig, und wenn es angebracht ist, auch schön verspielt (sie ist ja im März erst zwei Jahre alt geworden), aber auch sehr arbeitsfreudig und war beim Probelauf mit dem nötigen Ernst bei der Sache.

Heute werden wir die Beziehung weiter vertiefen. Sie ist sehr interessiert an allem, was ich mache, läuft mir viel hinterher und guckt mir auf die Finger. :-)

Demnächst mehr an dieser Stelle!

Gedanken zu unnötigem Papierwust im Jahre 2010

28. Juni 2010

Wir schreiben den 28.06.2010. E-Mail ist seit über 10 Jahren fester Bestandteil des Arbeitsleben und auch im privaten Bereich seit Jahren nicht mehr wegzudenken. Twitter, Facebook und andere Social Networks haben die Austauschmöglichkeiten der Menschen weltweit revolutioniert. Man kann heute Bahntickets per Handy lösen und abscannen lassen. Flugtickets werden schon seit geraumer Zeit vorwiegend online verkauft.

Und dann gibt es da so Organisationen wie Verwaltungsorgane, Vereine, Parteien o. ä., die auch im jahr 2010 einen Papierwust produzieren, der jedem umweltbewussten Bürger jedesmal die Tränen in die Augen treibt, wenn sie/er einen Umschlag öffnet, nur um eine Mitteilung vorzufinden, deren Inhalt auch problemlos per E-Mail hätte mitgeteilt werden können. Der Umschlag wandert ins Altpapier, die Mitteilung in der Regel auch, und beides muss recycelt werden.

Genauso ging es mir heute beim Bearbeiten der Einladung zur Jahresdelegiertenversammlung meines lokalen Sportvereins, der Turn- und Sportgemeinschaft Bergedorf. Ich bin als Delegierter der Judosparte mit eingeladen. Der Umschlag enthielt 8, in Worten acht, Din-A4-Blätter mit Infos zur Versammlung. Es musste nichts ausgefüllt werden, es war reiner Informationsgehalt. Und da der Brief acht Bögen Papier enthielt, kann man davon ausgehen, dass er mehr Porto als ein Standardbrief gekostet hat. Wieviele Delegierte da heute Abend aufschlagen werden, weiß ich nicht, ich gehe aber mal von mindestens 50 aus. Die TSG ist eine große Gemeinschaft.

Diese Schreiben wurden natürlich am Computer, also digital erstellt und dann ausgedruckt. Die Bögen enthielten jedoch nichts, was nicht auch per E-Mail hätte übertragen werden können.

Und wenn ich mir jetzt vorstelle, dass ja jedes Gesetzesvorhaben in Bund und Ländern auf Papier gewälzt wird, weil ja z. B. iPads im Bundestag verboten sind und jeder Verein, jeder Ortsverein einer Partei, jede behördliche Mitteilung so an millionen “Betroffene” verschickt wird, und wenn ich das dann aus Deutschland auf den Rest der Welt projiziere, wird mir schlecht.

Seit Jahrzehnten wird über das papierlose Büro gesprochen. Die Realität ist, dieses gibt es auch im jahr 2010 noch nicht. Stattdessen wird die Umwelt weiter mit Papiermüll belastet.

Von den Vorteilen, die digitale Übermittlung aller relevanten Informationen für Menschen mit verschiedenen Behinderungen mit sich brächten, habe ich ja noch gar nicht mal angefangen zu schreiben. Ich musste diese acht Seiten der Einladung ja erstmal scannen und erkennen lassen. Das hat bestimmt hochgerechnet eine Viertelstunde gebraucht. Und ich muss mit den Ungenauigkeiten und teilweise verrissenen Tabellen leben, die die Zeichenerkennung bei der Layoutanalyse zwangsläufig mit sich bringt. Wil lich ganz sicher gehen, muss ich so einen Erkennvorgang zwei bis dreimal durchführen lassen oder sogar eine sehende Person fragen. Und am Ende werden diese acht seiten im Altpapier landen, denn nach der Delegiertenversammlung sind die Inhalte nicht mehr relevant für den einzelnen Delegierten. Für mich jedenfalls nicht.

Blind ist nicht gleich blind

21. April 2010

Gestern entspann sich auf Twitter eine Diskussion, nachdem Heiko Kunert diesen Artikel getwittert hatte. Die zentrale Frage war, was Farben für Blinde bedeuten.

Und es wurde, nicht zuletzt durch einen Passus im Artikel selbst, klar, dass blind nicht zwangsläufig gleich blind ist. Der im Artikel benannte Alf Michael Conrad und Heiko konnten mal sehen, ich hingegen bin geburtsblind, d. h., ich bin schon blind geboren. Heiko und Alf Michael haben eine aktive Erinnerung an Farben, ich hingegen habe Farben nie gesehen. Ich muss die Bedeutung verschiedener Farben lernen wie Vokabeln einer Fremdsprache. Ich habe mir also irgendwann mal erklären lassen, dass rot auf Sehende sowohl wärmend als auch warnend wirkt (das wärmende Gefühl beim Betrachten eines Sonnenuntergangs, aber das warnende Rot einer Ampel). Blau hingegen wird als kalt empfunden. Mit grün verbinde ich den Geruch frisch gemähten Grases. Und ich wurde gerade neulich gebeten, dass ich meinen hoffentlich demnächst durch eine Prüfung erlangten orange-grünen Judogürtel bitteschön nicht zu lange tragen soll, da diese Farbkombination sehr “stechend” sei. :)

Wenn aber jemand Heiko gegenüber bestimmte Farben erwähnt, so kann er diese ganz anders einsortieren, er hat eine Erinnerung daran, wie die Farbe aussieht. Und er kennt auch Farbkombinationen. Ich hingegen muss mir merken, dass bestimmte Kombinationen von Kleidung eventuell etwas “schreien” könnten.

Aber auch bei Geburtsblinden gibt es unterschiedliche Abstufungen. Meine Blindheit ist eine Retinitis Congenita Leber, die im allgemeinen dem Blinden ein Hell-Dunkel-Sehen lässt. So auch mir. Andere Geburtsblinde erlangten ihre Blindheit eventuell durch eine zu hohe Sauerstoffversorgung beim Aufenthalt im Brutkasten (Frühgeburt). In solchen Fällen ist das Hell-Dunkel-Sehen in der Regel nicht vorhanden.

Ich sehe also, ob es Tag oder Nacht ist. Ich sehe auch den Unterschied zwischen Kunstlicht und natürlichem Licht. Ich nehme auch unterschiedliche Intensitäten von Licht wahr, also z. B. ob der Himmel wolkenverhangen ist oder die Sonne ungehindert vom blauen Himmel strahlt. Auch die Wirkung eines Dimmers ist mir bekannt. Ich mache mir in der Regel sogar abends Licht an, wenn es draußen dunkel geworden ist.

Aber ich sehe keine Farben. Ich sehe also, dass da Licht ist, aber nicht, auf welcher Wellenlänge es “sendet”. Auch reicht die Hell-Dunkel-Wahrnehmung nicht zum Erkennen von Gegenständen oder ähnlichem, so dass sie mir bei der Orientierung und Bewältigung von Wegen überhaupt nicht hilft.

Und bevor jemand fragt: nein, ich kann Farben nicht erfühlen! :)

In der Diskussion ging es später auch noch um alltägliche Floskeln wie “siehste?” oder “ich gucke mir einen Film an”. Ich selbst bin der Meinung, dass es der Integration nicht gerade zuträglich ist, die Sprache nur wegen der Blindheit zu verbiegen. Ich sage genauso, dass ich mir einen Film im Kino oder Fernsehen angucke. Im Gegenteil: Es klingt selbst für meine Ohren komisch und ungelenk, wenn ich sagen würde, ich höre mir einen Film an. Technisch gesehen stimmt das zwar, aber es klingt trotzdem nicht richtig! :)

es kommt oft vor, dass Sehende sich darüber wundern. Sie erwarten automatisch, dass wir, nur weil wir nicht sehen können, gleich eine andere Sprache sprechen. Es gibt mit Sicherheit Blinde, die dies aus meiner Meinung nach übereifrigem Aktionismus tun. Ich selbst gehöre nicht dazu und fühle mich in Gegenwart auch nicht erfahrener Sehender wesentlich “zugänglicher” so. Ich sehe es sogar so, dass, wenn jemand nur wegen meiner Blindheit Floskeln wie “Siehste?” vermeidet, mich diese Person ausgrenzt. Und so etwas spreche ich dann auch an!

Also, wir sind längst nicht so “gut” in Abstufungen wie unsere sehbehinderten Mitmenschen, wo es ja hunderte unterschiedlicher Sehschwächen gibt, aber auch wir Blinden sind nicht alle gleich! ;)

Sexualbegleitung – eine Verhöhnung der potent(iell)en Kundschaft

17. April 2010

Über diesen Tweet von Reinhard Leitner aus Wien bin ich heute Morgen auf ein Thema in wiend.at-Forum gestoßen, zu dem ich selbst etwas beitragen wollte.

Nachdem ich meinen Beitrag geschrieben hatte, stöberte ich noch etwas weiter in der Forumsabteilung “Behinderung und Sexualität” und fand diesen Beitrag mit dem Titel “Warum sind die Sexualbegleitungsangebote so unerotisch?”.

Der Begriff “Sexualbegleitung” war mir bis dato noch nicht über den Weg gelaufen. Ich befragte “Tante Google” und stieß auf die Seite sexualbegleitung.org und die offenbar eng damit verknüpfte Seite des Instituts zur Selbstbestimmung Behinderter.

Und was ich hier lesen muss, entsetzt und macht wütend! Da gibt es so Absätze wie diesen hier:

Sexualbegleitung unterscheidet sich von der klassischen Prostitution in folgenden Aspekten:
Sexualbegleitung ISBB wird im Kontext psychotherapeutischer Reflektion der MitarbeiterInnen geleistet. Ausbildung und Supervision stärken die Sexualbegleiterinnen und Sexualbegleiter im ISBB.
SexualbegleiterInnen ISBB nehmen Honorar für eine zwischenmenschliche Begegnung, die offen ist für sexuelle Kommunikation verschiedenster Art. Ziel bleibt die reflektierte Persönlichkeitsentwicklung des Kunden bzw. der Kundin.
SexualbegleiterInnen ISBB sind frei von kulturellen Hilfereflexen, die den behinderten Menschen per se als hilfsbedürftig ansehen und sich selbst als zur Hilfe verpflichtet. Ohne Auftrag des Kunden handeln SexualbegleiterInnen nicht für ihn und nehmen ihn daher ernst.
SexualbegleiterInnen ISBB würden niemals einen Kunden wegen irgendeiner körperlichen oder geistigen Einschränkung ablehnen.
SexualbegleiterInnen ISBB sind verpflichtet zur ehrlichen Kommunikation Ratsuchenden gegenüber. Das bedeutet auch manchmal, dem Kunden (in aller Wertschätzung) unangenehme Rückmeldungen zu geben, als Förderung seiner Chancen, sich außerhalb der Sexualbegleitung sexuelle und partnerschaftliche Beziehungen aufzubauen.

Allein betonen zu müssen, dass SexualbegleiterInnen zur “ehrlichen Kommunikation Ratsuchenden gegenüber” verpflichtet sind, ist ein blanker Hohn! Das wäre ungefähr genauso wie wenn ein Unternehmen, das nur drauf aus ist, seine Kunden übers Ohr zu hauen, sich als “seriöses Unternehmen” bezeichnet. Man kann also davon ausgehen, dass die Kommunikation darauf ausgerichtet ist, den behinderten Kunden Honig um den Bart zu schmieren, ihnen das Gefühl zu geben, ihnen würde sonstwie qualifiziert geholfen, nur um ordentlich abzukassieren. €100 pro Stunde pauschal, plus Anfahrtskosten werden auf den Seiten genannt.

An anderer Stelle wird erwähnt:

Zur Vermittlung nutzen wir die Lehren und Anleitungen aus der tantrischen Tradition. Rituale sind uns wichtig, auch um deutlich zu machen, dass die Begegnung mit uns anders ist als der Alltag.

Es ist die Unehrlichkeit, die mich so wütend macht. Ein Escort-Service sollte auch als solcher bezeichnet werden. Denn nichts anderes ist es, was sich hinter dem mit allerlei sozialpädagogischem Geschwafel verschleierten Angebot von www.sexualbegleitung.org verbirgt:

  • Ein Escort-Service
  • ein mobiler Puff
  • Auslebung eines Fetisch gegen Bezahlung

Es ist nichts verwerfliches daran, sexuelle Dienstleistungen anzubieten und zu erwähnen, dass man auch auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen eingerichtet ist, wie man dies in der Beschreibung des stationären Bordells – ähem entschuldigung – Gäste-/Tagungshauses nachlesen kann.

Verwerflich ist der Versuch, die potent(iell)e Zielgruppe für dumm verkaufen zu wollen, indem das Kind nicht beim Namen genannt wird. Dies stellt ein entmündigendes Verhalten gegenüber den Menschen mit Behinderungen dar, das durch nichts zu rechtfertigen ist.

Für diese offensichtliche Verschleierungstaktik fällt mir nur ein Grund ein: Die Möglichkeit, Förderungen von staatlicher Seite zu bekommen, vermutlich sogar noch mit Verweisen auf das Antidiskriminierungsgesetz.

Eine so offensichtlich ausbeuterische und entmündigende Geschäftspraktik ist in höchstem Grade unanständig, weil sie mit einem natürlichen Bedürfnis von Menschen mit Behinderung nach Nähe, Zärtlichkeit und sexueller Befriedigung spielt als wäre es das mehr oder weniger abstrakte Kapital eines Aktionärs. Pfui Deibel!

Sir Paul McCartney rockte Hamburg

3. Dezember 2009

Am gestrigen Abend sind meine Frau und ich spontan zu Sir Paul McCartneys Auftakt seiner Europatournee in die Color Line Arena Hamburg gefahren. Die Color Line Arena wirbt damit, dass sie auch für Rollstuhlfahrer einen Parkplatz und einen barrierefreien Zugang hat. Prima, dachten wir, dann kann ja nix schiefgehen.

Als wir aber ankamen, trafen drei Großereignisse aufeinander: Das Konzert, eine Großdemo gegen irgendwas, und ein Champions-League-Spiel des HSV im benachbarten Stadion. Die Folge waren hoffnungslos überforderte Parkplatzwächter, die uns in die falsche Richtung, nämlich auf den Rolliparkplatz des Stadions, schickten. Von dort gibt es eigentlich eine Durchfahrtmöglichkeit zum Parkplatz der Arena. Diese war jedoch wegen des Fußballspiels unsinnigerweise gesperrt, so dass der im Internet beschriebene Weg nicht befahrbar war. Das wusste aber auch keiner, und so mussten wir vom Rolliparkplatz des Stadions außen um die Arena herumlaufen bzw. rollen. Durch eine Horde schon vor dem Spiel reichlich alkoholisierter Fußballfans war das nicht wirklich lustig. Denn keiner guckte, und wir mussten mehr als einmal kräftig die Stimme erheben, um überhaupt weiterkommen zu können.

Vor der Color Line Arena erwartete uns dann das nächste Disaster: Wegen der Menge an leute waren die Beschilderungen zur Abendkasse (wir waren spontan unterwegs!) verborgen hinter diversen Hinterteilen, die meiner Frau die Sicht versperrten. Wir sind dann also erst einmal die Rollirampe zum Eingang der Arena hoch. Und hier das nächste Ding: “Barrierefrei” heißt in Deutschland, dass keine Steigerung mit mehr als 6% zu erwarten ist. Diese Rampe ist aber in Teilen steiler als unsere Auffahrt, und die hat 12%.

Als wir also oben ankamen, sollten wir postwendend die Rampe wieder runter, weil es die Karten ja nur unten, hinter den diversen Passantenhinterteilen, an der Abendkasse gibt. Nach den Strapazen (die Autofahrt an sich, die sonst 37 Minuten dauert, hatte uns schon 1 3/4 Stunden gekostet) ist uns echt die Hutschnur geplatzt. Eine sehr nette Mitarbeiterin des Eingangsbereichs sorgte dann dafür, dass die Abendkasse Karten für uns bereithält. Sie stand auch bereit, meiner Frau die Rampe wieder hinaufzuschieben. Die Frau hat echt toll reagiert!

Wir waren eigentlich schon viel zu spät dran, aber das Konzert hatte noch nicht angefangen. Sie hatten wohl gemerkt, dass das ganze logistisch doch etwas unsinnig war, was sie da veranstalteten, und wollten nun dafür sorgen, dass die Fußballfans und die Konzertbesucher nicht auch gleichzeitig Veranstaltungsende hatten.

Mit etwa einer Stunde Verspätung betrat um ca. 21 Uhr Sir Paul McCartney die Bühne und haute uns zunächst mal ein Magical Mystery Tour und ein Drive My Car, beides Beatles-Klassiker, um die Ohren. Danach folgten einige Stücke aus seinem neuesten Album The Final, und obwohl die Band alles gab und gerade der Schlagzeuger richtig toll aufdrehte, wollte zunächst der Funke nicht recht überspringen. Einige Leute waren offensichtlich sehr verärgert über die Verzögerung gewesen.

Erst als Sir Paul sich ans Klavier setzte und The Long And Winding Road anstimmte, hatte er uns eingefangen. Aber von da an ließen wir ihn auch nicht mehr los! :)

Besonders persönliche Momente gab es, als er das erste Mal zur akustischen Gitarre griff und Bladkbird anstimmte und dazu erklärte, dass der Song als Reaktion auf die Unruhen in den Südstaaten der USA in den 60er Jahren entstand. Es folgte ein Song für John Lennon, den er auch nur mit akustischer Gitarre spielte. Einige Zeit später griff er zu einer Ukulele und spielte Something für George Harrison.

Im weiteren Verlauf folgten Beatles-Klassiker und Stücke aus seiner Solo-Karriere wie Man On The Run und auch noch ein paar neue Stücke. Unter anderem sang er einen Song, den er für den neuen Film von Robert Deniro komponiert hat, gestern zum ersten mal live. Ein wunderschöner Soundtrack!

Den Abschluss des Hauptteils bildete Hey Jude. Doch damit war das Feuerwerk noch nicht zu ende, was hier abgebrannt wurde! Sechs Zugaben in zwei Dreierblöcken kamen noch dazu! Day Tripper, Lady Madonna, und Get Back bildeten den ersten Block. Yesterday, Helter Skelter und die Reprise von Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band bildeten dann die “Rausschmeißer”.

Ich verneige mich in Ehrfurcht vor dem Künstler! Das, was er mit seiner vierköpfigen Band da gestern geboten hat, waren drei Stunden beste handgemachte Rockmusik. Die Stimme ist kräftig und spannungsgeladen wie eh und je, überhaupt keine Alterserscheinungen. Es wurde kein Stück transponiert. Wenn ich mit 67 noch so eine Stimme habe, werde ich sehr dankbar sein! Das Feuerwerk, dass er buchstäblich (und im Falle von Live And Let Die auch tatsächlich) abgebrannt hat, war eine sehr angemessene Entschädigung für die Strapazen vorher!

Ich kann nur jedem empfehlen, der ein gutes Konzert besuchen will, zu schauen, ob es noch Karten für eines der weiteren Konzerte in Deutschland gibt. Kleiner Tipp: In Köln wird meines Wissens nach ein Zusatzkonzert gegeben. Es lohnt sich!

Hallo Welt!

1. Oktober 2009

So, nachdem die Bundestagswahl nun gründlich vergeigt wurde und es an der Zeit ist, der zukünftigen Bundesregierung ganz genau auf die Finger zu schauen und ggf. auch zu klopfen, fand ich es an der Zeit, ein privates, nicht-technisches Blog zu starten. Auf Twitter kann man ja nicht immer alle Gedanken in 140 Zeichen packen.

Herzlich willkommen also zu meinem dritten Blog! :)

Im Unterschied zu den beiden technischen Blogs darf sich in diesem Blog gern registriert werden. Dies garantiert eine bevorzugte Freischaltung von Kommentaren, und diese sind natürlich immer erwünscht!

Ich werde hier aber nicht nur über Politik, sondern auch über Freizeitaktivitäten anderer Art und was mich sonst noch außerhalb von Webseiten, Accessibility o. ä. bewegt, bloggen. Das ist eine Drohung! :)

Also, viel Spaß beim Mitlesen und Kommentieren!