Diskriminierung aus den eigenen Reihen ist die schlimmste

Auf Twitter entspann sich heute eine der ekelhaftesten Diskussionen, die ich in diesem Medium jemals erlebt habe. Ennomane war zu Gast bei ZIBB und berichtete über den Erhalt eines Cochlea-Implantats. Er verlor im jugendlichen Alter sein Hörvermögen und hat durch das CI einen Teil davon jetzt, ca. 20 Jahre später, zurückerlangt.

Als Reaktion darauf warf EinAugenschmaus ihm vor, er hätte sich in diesem Beitrag als gehörlos bezeichnet, obwohl er das laut (ihrer) Definition gar nicht sei, weil er nicht von Geburt an gehörlos sei. “Spätertaubt” oder “schwerhörig” wären angemessen gewesen, “gehörlos” jedoch auf gar keinen Fall.

Das war nicht das erste Mal, dass ich solche oder ähnlich geartete Aussagen von EinAugenschmaus lesen musste. Diese scheinbare Einteilung in Gehörlose erster und zweiter Klasse erschreckt mich zutiefst.

Würde ich diese Aussage auf das Thema Blindheit übertragen, hieße das, dass ich, der ich geburtsblind bin, ein “besserer” Blinder wäre als mein bester Freund, der im Alter von 18 Jahren sein Augenlicht verlor. Dabei bin ich es, der eine Hell-Dunkel-Wahrnehmung hat, der Freund hingegen gar kein Lichtempfinden mehr hat, da er zwei Glasaugen trägt. Darf er sich, oder darf ich mich dann nicht als “blind” bezeichnen? Der Effekt ist der gleiche: Wir können beide keine Farben sehen, keine Gegenstände, kein Auto fahren, keine Straßen- oder Hausnummernschilder lesen usw.

Der Freund musste die Brailleschrift nach seiner Erblindung erlernen, ich erlernte sie in der Grundschule. Diese Schrift ist eine eigene Schriftsprache, die aber auch von Sehenden erlernt werden kann. Genauso kann Gebärdensprache von im Laufe des Lebens ertaubten Menschen und Hörenden gleichermaßen erlernt werden. Selbst ich beherrsche einige wenige rudimentäre Gebärden, z. B. meinen Namen. Ist der eine dann gehörloser als der andere, nur weil der andere zufällig einen Teil seines Lebens hören konnte?

Genauso könnte man fragen, ob nur Männer, die sich regelmäßig in einen Fummel schmeißen, Anzugträger oder Lederkerle als einzige das “Recht” haben, sich als schwul zu bezeichnen. Ist nur derjenige “richtig” schwul, der auf BDSM-Praktiken steht? Ist nur die Frau “richtig” lesbisch, die in ihrem Leben noch nie eine Erfahrung mit einem Mann gemacht hat oder – Gott bewahre – gar Mutter eines oder mehrerer Kinder ist?

Ist nur derjenige ein echter Rollstuhlfahrer, der einen Querschnitt hat, derjenige, der aufgrund einer Spastik im Rollstuhl sitzt, sich aber notfalls ein paar Meter auf den Beinen oder dem Hintern ohne Rollstuhl fortbewegen kann, aber nicht?

Mir würden sicherlich noch zig Beispiele mehr einfallen. Ich stoppe aber hier. ich denke, die Absurdität dieser anscheinenden Einteilung dürfte jedem klar geworden sein.

Solange eine “Community”, eine “Randgruppe” Mitglieder hat, die eine solche diskriminierende Einteilung vornehmen, braucht sie keine Diskriminierung von außen, denn die schlimmste aller Diskriminierungen kommt von innen. Der weitläufige Spruch “Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr” passt hier ziemlich gut.

Und es erschreckt mich. Es erschreckt mich zu sehen, wie durchaus nicht wenig prominente Mitglieder einer “Community” ihrer eigenen Sache so schaden können. Denn wer soll die Anliegen einer solchen “Community” ernst nehmen, wenn innerhalb derselben Mitgliedern so ins Knie geschossen wird?

Das Cochlea-Implantat ist in der Gruppe der Gehörlosen nicht unumstritten. Die einen meinen, wenn es eine Chance gibt, in der Umwelt, die nun mal von Hörenden dominiert wird, besser zurecht zu kommen, sollte man sie nutzen. Die anderen besingen die apokalyptische Vision des Untergangs der eigenen, besonderen Kultur. Es gibt sogar gehörlose Eltern, die ihrem ebenfalls gehörlosen Kind ein CI verweigern mit der Begründung, das würde das Kind mit der Kultur der Hörenden “vergiften”.

Das wäre ungefähr so, als würde ich mir, der ich mit einem Blindenführhund unterwegs bin, anmaßen zu sagen, wer stattdessen einen weißen Stock als Mobilitätshilfe verwendet, wäre ein “schlechterer Blinder”. Ich fluche zwar ab und an wie ein Rohrspatz, wenn ich mal mit Stock unterwegs sein muss, weil sich dies für mich tatsächlich wie eine eingeschränkte Mobilität anfühlt. Das ist aber mein rein persönliches Empfinden und bedeutet nicht, dass ich die Orientierung per Stock per se als zweitklassig einstufen würde.

Diese ganze Geschichte hinterlässt bei mir einen sehr bitteren Nachgeschmack. ich sitze fassungslos vorm Rechner und denke mir, ich bin im falschen Film!

Ich wünsche mir, dass die Communities geschlossen für ihre Sache einstehen, anstatt sich intern gegenseitig wegen eventuell unterschiedlicher Lebensentwürfe im einen oder anderen Punkt zu behakeln. Denn die großen Ziele, seien es Untertitel oder Gebärdensprach-Erweiterungen für Gehörlose, Audiodeskription oder “kein Shared Space in Städten” für Blinde, oder die vollständige Gleichstellung mit der Ehe von Schwulen und Lesben, kommen allen Mitgliedern der Gemeinschaft zugute, egal ob sie von Geburt an gehörlos sind oder es im lauf ihres Lebens wurden, mit Blindenführhund oder Stock unterwegs sind, schon als Teenager ihr Coming Out hatten oder erst mit 40 oder 50, nachdem schon eine heterosexuelle Ehe geführt wurde, aus der Kinder stammen.

Die Akzeptanz, Integration und Inklusion fängt in den eigenen “vier Wänden” an und nicht beim Politiker an der nächsten Ecke!

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Offline gegen Online, oder: “Ich verstehe das Internet nicht.”

Es ist Sonntag, und es wurden mir heute gleich zwei höchst alarmierende Beispiele in die Timeline bei Twitter gespült, die eindrücklich zeigen, dass nicht nur unsere Politiker, sondern auch die “schreibende Zunft”, nämlich die Journaille, zu einem erschreckend großen Anteil das Internet und was es in unser aller Leben heute bedeutet, schlicht noch nicht verstanden haben.

Das erste Beispiel ist dieser Artikel aus der FAS, der sehr beeindruckend zeigt, dass selbst viele im Internet publizierte Journalisten offensichtlich noch nicht verstanden haben, dass es nicht die “reale” und die “virtuelle” Welt gibt, wobei die “reale” die Welt außerhalb des Internets darstellt und die “virtuelle” eben genau die im Internet. Die Autorinnen haben nicht verstanden, dass es da keine zwei Welten gibt, sondern dass das Internet Bestandteil dieser unserer Welt ist und nicht ein davon hermetisch abgetrennter Raum, der die Außenwelt nicht beeinflusst, und umgekehrt. Dabei liest sich der Artikel gar nicht schlecht, wenn man den Eingangssatz überliest. Dieser Eingangssatz ist es jedoch, mit dem die Qualität des gesamten Artikels schlicht und einfach verdampft und die restlichen Aussagen wirkungslos werden lässt. Es wird nämlich in diesem ersten Satz genau diese “Trennung” vollzogen.

Dabei ist das Internet als Bestandteil unserer Welt, und damit auch die durch diese Technik erfundenen sozialen Netzwerke, eine dermaßene Lebenserleichterung für viele Menschen, dass sie wegzudiskutieren oder in eine “virtuelle Welt” zu verschieben einem Entzug seiner Legitimation gleichkommt. Menschen, die Opfer häuslicher Gewalt oder von Missbrauch werden, können sich im Internet Hilfe holen. Menschen mit Asperger-Syndrom oder Gehörlose, die gemeinsam haben, dass für sie i.d.r. das Telefonieren eine sehr große Hürde darstellt, haben hier die Möglichkeit, in einer für sie komfortablen oder überhaupt möglichen Form mit anderen zu kommunizieren, um dann diese sozialen Kontakte auf eine persönliche Ebene zu transferieren. Blinde haben durch die Möglichkeiten der Inhaltszugänglichkeit einen Zugang zu tagesaktuellen Nachrichten mit Hintergrundinformationen wie nie zuvor. Sie können auch zum ersten mal ihre Bankgeschäfte vollständig selbstständig tätigen, ohne auf die Hilfe einer sehenden Person angewiesen zu sein.

Und dies sind nur einige Beispiele, wie das Internet mit seinen verschiedenen Angeboten die Welt vieler Menschen um eine Möglichkeit reicher gemacht hat, sich zu verständigen oder andere Dinge zu erledigen, die direkten Einfluss auf ihr Leben haben.

Und dies bringt mich zum zweiten Beispiel. Dies wurde mir durch einen Artikel bei Zeit Online zugespielt. Der Artikel zeigt sehr deutlich, wie sehr viele sehr einflussreiche Pressemenschen das Internet und dessen Möglichkeiten immer noch nicht verstanden haben. Indem nämlich Print- und Online-Ausgaben, hier am Beispiel Spiegel und Spiegel Online, gegeneinander anstatt auf wirklich vernünftige Weise miteinander arbeiten.

Die Print-Ausgaben umfassen in der Regel auch die sogenannten iPad-Ausgaben. Diese bestehen im Regelfall aus aus Adobe InDesign herausgerotzten PDFs, die “wunderschön” die Papierausgabe widerspiegeln, in Puncto Benutzbarkeit, Durchsuchbarkeit und Barrierefreiheit jedoch absolut versagen.

Die Online-Ausgaben bestehen oft aus gekürzten Artikeln, damit der Leser sich die Printausgabe noch kauft, um mehr Hintergrundinformationen zu bekommen. Artikel aus der Printausgabe dürfen dann erst verzögert online auftauchen, mindestens zwei bis vier Wochen nach Erscheinen der gedruckten Version, und im Archiv. Zu diesem Zeitpunkt ist ein Artikel bzw. dessen Aktualität soweit weg, dass dieser Transfer nur noch bei Recherchefällen ins Gewicht fällt

Dabei ist die Debatte um “Offline gegen Online” eine Stellvertreterdebatte, denn im Kern geht es doch darum, qualitativ hochwertigen Journalismus ordentlich zu entlohnen. Und hier kommt der Konsument ins Spiel. Ich gehe mal von mir aus. Dazu ein kleiner Griff in die Geschichte: Ich habe den Spiegel Anfang des Jahrtausends für mehrere Jahre abonniert. Dies geschah – oh wunder – in digitaler Form. Ich bekam die wöchentliche Ausgabe als Datei im SGML-Format und konnte sie dann mittels einer proprietären Software auf ein Braille-Lesegerät namens Handy Tech Buchwurm laden. Hier konnte ich dann in Artikeln navigieren, Überschriften und Sparten einer Ausgabe durchblättern usw. Doch die meisten Ausgaben enthielten zwischen 60 und 70 Prozent Artikel, die mich nicht oder nur wenig interessierten. Ich musste jedoch immer den vollen Preis bezahlen. Ob das Angebot heute noch besteht, weiß ich nicht, das entsprechende Lesegerät kann ich wegen meines Umstiege auf den Mac schon seit längerem nicht mehr mit neuen Daten “befeuern” und habe das Abo schon vor langer Zeit wieder gekündigt.

Das Interesse an qualitativ hochwertigen Artikeln und die Bereitschaft, dafür zu bezahlen, sind jedoch weiterhin vorhanden. Die Hürden, an eine für mich lesbare Ausgabe dieser Artikel zu kommen, ist jedoch so hoch, dass ich mir die Mühe nicht mache, weil der Aufwand für einen, zwei Artikel pro Woche schlicht zu hoch ist.

Anders wäre es, wenn der Spiegel bzw. Spiegel Online oder auch andere Angebote sich so vernünftig verzahnen würden, dass ein reibungsloser Zusammenschluss dieser beiden sich angeblich widersprechenden Medien erfolgt. Bei dem, was heute Spiegel Online ist, könnte ein Artikel stehen, der die wesentlichen Fakten und einige Hintergrundinfos beinhaltet. Will man den vollständigen Artikel, der nur in einer Printausgabe des Spiegel stehen würde, lesen, muss man dafür einen Obolus entrichten. Würde so ein Angebot z. B. für Tablets wie das iPad geschaffen, könnte man die SPON-Artikel direkt in der App konsumieren und die weiterführenden Artikel dann per In-App-Kauf dazuerwerben. Vorausgesetzt, das Angebot besteht nicht wieder aus aus InDesign herausgerotzten Grafik-PDFs. ;-)

Will man es dann richtig gut machen, ermöglicht man die Verzahnung der verwendeten E-Mail-Adresse/Apple ID mit einem Konto bei spiegel.de, in dem diese gekauften Artikel dann auch zugänglich sind, um sie z. B. am Notebook auch lesen zu können. Aber die o. g. Variante würde zumindest mir reichen und mich dazu animieren, den Qualitätsjournalismus, den es in Deutschland durchaus noch gibt, zu honorieren, indem ich mir Artikel, die mich interessieren, tatsächlich kaufe.

Es gibt übrigens Beispiele digitaler Abonnements, wie das von der Taz, welche komplett barrierefrei funktionieren. So kann man, bezieht man die Taz im ePub-Format, die Artikel wunderbar durchblättern und lesen, dadurch, dass es sich um vernünftige Textausgaben handelt, sogar für Menschen mit Behinderungen komplett barrierefrei.

Meine Hoffnung ist, dass dieser “Kulturkampf” endlich mal aufhört und sich die Verantwortlichen vernünftig zusammensetzen und sich mal trauen, komplett neue Geschäftsmodelle zu erdenken, die dem Interesse, dass Qualitätsjournalismus vom Konsumenten angemessen honoriert wird, gerecht wird und gleichzeitig dem Konsumenten ermöglicht, dies auch zu tun! Traut euch was, und denkt nicht andauernd, dass sich im Internet nur Menschen tummeln, die alles umsonst haben wollen. Dem ist nicht so! Sie sind es nur leid, sich Papierausgaben zu kaufen, die die Umwelt belasten und umständlich zu handhaben sind!

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Wer verstehen kann, ist klar im Vorteil, gerade als Autor

Es kommt wirklich sehr selten vor, dass man mich absolut sprachlos kriegt. Bei diesem Beitrag des Tatort-Autors und -Regisseurs Niki Stein in der FAZ war ich es. Ich bin einfach fassungslos darüber, wie ein Mensch, dessen Hauptbetätigungsfeld das geschriebene Wort ist, so konsequent lesen und nicht verstehen kann, wie es Herr Stein so eindrucksvoll demonstriert!

Vorweg eines: Ich bin kein Mitglied der Piratenpartei und stehe daher auch nicht für ihr Wahlprogramm gerade. ich bin jedoch jemand, der sich als “Digital native” bezeichnet und der der Piratenpartei sehr viel Sympathien entgegenbringt, ja sich sogar vorstellen kann, bei der nächsten Wahl, für die sie zugelassen sind, an entsprechender Stelle auf dem Wahlzettel sein Kreuz zu machen.

Der Holzweg, auf dem sich Herr Stein befindet, wird schon beim ersten Zitat aus dem Programm betreten und konsequenterweise auch bis zum Ende nicht mehr verlassen. Herr Stein zitiert zunächst aus dem Programm:

Auf der Homepage der Piratenpartei steht unter dem Stichwort Transparenz: „Die fundamentale Chance des digitalen Zeitalters ist die Möglichkeit, Information ohne Kosten beliebig zu reproduzieren und zur Verfügung zu stellen. Die tradierten Wege, die Produzenten von Wissen und Kultur in Abhängigkeit von der Zahl der Kopien ihrer Arbeit zu entlohnen, sind dadurch ad absurdum geführt. Der Versuch, sie 1:1 in die Welt der Computer zu übertragen, benötigt einen Überwachungsstaat und müsste elementare Freiheiten jeden Bürgers beschneiden. Werden hingegen die Möglichkeiten der ständigen Verfügbarkeit und beliebigen Reproduktion des gesammelten Wissens der Menschheit genutzt, erhöht dies die Produktivität von Arbeitern der Informationsgesellschaft. Die größere Wiederverwertbarkeit steigert gleichzeitig die Effizienz des Schaffungsprozesses.“

Er führt dazu dann aus:

Ich versuche zu verstehen: Weil man theoretisch das von mir geschaffene Produkt Film im Internet beliebig oft reproduzieren und ohne Kosten zur Verfügung stellen kann, darf man mich dafür nicht entlohnen. Denn das Bezahlen der Nutzung würde einen Überwachungsapparat generieren, der die Freiheit des Einzelnen beschneidet.

Mit keinem Wort wurde gesagt, ihm als Urheber eines kulturellen Werkes solle nichts dafür gezahlt werden, dass ein von ihm geschaffenes Werk im Internet zur freien Verfügung stehen soll. Es werden hingegen dringend nötige Umdenkprozesse angestoßen, was die Geschäftsmodelle von Kulturschaffenden, Verwertern und Konsumenten angeht. Nur ist Herr Stein so dermaßen in seiner nicht nur auf einem Fuß hinkenden Kaufhausanalogie, die aus mehreren Gründen überhaupt nicht in den Schuh passt, der ihr angezogen werden soll, gefangen, dass er dies nicht versteht. Urheber sollen entlohnt werden! Das wird oben mit keinem Wort in Frage gestellt. Das Modell muss jedoch ein anderes werden, will man nicht weiterhin gegen das für Urheber, Verwerter und Konsumenten gleichermaßen schädliche Raubkopieren vorgehen. Eine angemessen hohe Entlohnung für das Erschaffen des Werkes und vernünftige, auf das Internet angepasste Verwertungsmodelle müssen für die Drehbuch- und Filmindustrie geschaffen werden, wie es sie ähnlich für Komponisten, Produzenten und Interpreten bei der Musik schon gibt. Apples iTunes Match ist ein mögliches Geschäftsmodell, wo man einmal jährlich als Konsument dafür zahlt, dass man seine Mediathek auf allen registrierten Geräten verfügbar hat und seine eventuell auch mit “sicherheitskopierten” Inhalten versehene Mediathek auf eine komplett legale Basis stellt. Wäre das Vermarkten von Tatort-Episoden z. B. über Youtube oder andere Kanäle und die daraus resultierenden Einnahmen durch den Inhaltsanbieter gängige Geschäftspraxis, könnten heute für Filme, die schon in den 70er oder 80er Jahren gezeigt wurden und heute im regulären Fernsehprogramm nicht wiederholt werden, wieder Einnahmen erzielt werden. Liebhaber gibt es nämlich genügend!

Ich erspare mir und meinen Lesern jetzt mal weitere Zitate aus dem ewig langen Beitrag, die alle ihre Ursache und Schlussfolgerung in dem oben nicht verstandenen Passus haben.

Aber auf eine Sache muss ich noch eingehen, weil sie so prominent hervorgehoben wurde:

Und in dem heißt es dann, dass „Tatort“-Autoren für einen Film 25.000 Euro bekommen. Die Zahl stimmt. Was man aber wissen sollte, ist, dass ein Autor ein halbes Jahr an so einem „Tatort“-Krimi arbeitet. Dass er, wenn er Glück hat, jedes Jahr einen solchen Auftrag bekommt. Und dass er damit rechnen muss, von heute auf morgen nicht mehr gefragt zu sein. Er muss Rücklagen bilden, vielleicht Kinder versorgen, in Krankenkassen einzahlen, Steuern abführen, GEZ-Gebühren entrichten, kurz: Er muss von seiner Arbeit leben.

Erstens: Als frei schaffender Künstler ist Herr Stein mit diesem Risiko nicht allein. Dafür gibt es ja so Einrichtungen wie die Künstlersozialkasse usw.

Zweitens: Wenn er als Selbstständiger sein Geschäftsmodell auf genau eine Tätigkeit, nämlich das Schreiben von Tatort-Drehbüchern ausrichtet, ist das sein Problem, nicht das der Konsumenten.

Drittens: Ein halbes Jahr für ein Drehbuch? Die letzten Zehn Tatorte, die ich gesehen habe, durchweg Erstausstrahlungen, waren alles Beziehungstaten. Ohne Ausnahme. Kalter Kaffee einmal mit Süßstoff, einmal mit Zucker aufgerührt. Oder hat Herr Stein hauptsächlich für die Hamburger Tatorte seit Ende 2008 verantwortlich gezeichnet? Dann ließe sich das eventuell noch damit erklären, dass nicht nur die Zuschauer durch die willkürlich zusammengeschnittenen Szenen und Zeitsprünge nicht durchblicken, sondern auch der Autor schon beim Schreiben von seiner Kreativität völlig überfordert war. nachdem nach einem Monat dann die Story stand, Leiche am Anfang, Täter am Ende, wurden die restlichen fünf Monate damit verbracht, die Zeitschnipsel zu mischen wie Spielkarten?

Ja, das war jetzt polemisch, und das sollte es auch sein. Ich weiß von mehreren Autoren, nicht nur von Drehbüchern, sondern auch von Belletristik, dass sie immer mehr als ein Standbein haben. Dass gehört zu einer vernünftigen Geschäftsplanung. Das als Argument anzuführen, um in dieser unqualifizierten Weise gegen die Piratenpartei zu wettern, ohne verstanden zu haben, was Herr Stein gelesen hat, ist populistisch und lame.

Und noch eine Bemerkung zum Schluss: Diesen Beitrag von Herrn Stein las ich in diesem ach so bösen Internetz. Ich zahlte keinen Cent dafür, aber Herr Stein bekommt von der VG Wort ja auf jeden Fall einen Verrechnungsscheck dafür. Nicht nur für die Printausgabe, sondern auch durch die Werbeeinblendungen, die garantiert auf der Seite zu sehen waren. Ich bin jedenfalls froh, mit dem Altpapier dieser FAZ-Ausgabe nicht die Umwelt belasten zu müssen.

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Was Europa braucht ist die Umwandlung in einen föderalistischen Staat

Inspiriert von diesem Zeit-Artikel und dem einen oder anderen Gespräch, das ich in den letzten Wochen mit dem einen oder anderen Freund geführt habe, möchte ich gern ein paar Gedanken mit euch teilen.

 

Ich stelle mir schon länger die Frage, wie dieses Gebilde Europa weiter funktionieren soll. Dabei blicke ich auf das Zeitgeschehen als gut informierter Bürger, aber politischer Laie. Und es ist ja für alle sehr offensichtlich, dass das aktuelle System nicht funktioniert. Der ESM ist in mehreren Ländern verfassungsrechtlich mindestens bedenklich, wenn nicht sogar verfassungswidrig. Der EFSF ist ein Flickwerk, das an einer Stelle Löcher stopft und nicht verhindern kann, dass an anderer noch viel größere aufreißen.

 

Ein weiteres Problem ist, dass das Kuddelmuddel an europäischen Organen sich mit den Ländern ständig über Zuständigkeiten und Befugnisse in den Haaren liegt. Das EU-Parlament ist passiver Abnicker, in dem die eine oder andere gute Rede gehalten wird, die aber ohne Folgen bleibt, und der eine oder andere Skandal passiert, wenn mal wieder ein durchgeknallter inzwischen zurückgetretener Ministerpräsident und Medien-Multi seine Ausraster kriegt. Die EU-Kommission gibt alle möglichen Richtlinien vor, die gar nicht wirklich demokratisch entschieden werden, weil sie keine offizielle Regierung ist und das EU-Parlament keine gesetzgebende Gewalt hat. Die Verträge der verschiedenen Epochen sorgen dafür, dass die Mitgliedsländer diese Vorgaben dennoch umsetzen müssen.

 

Das alles ist so ein Flickwerk, dass es einem die Nackenhaare hochstellt! Und dieses Gebilde, das aus über 50 Jahren wachsender Gemeinschaft entstanden ist, soll mit der Euro-, Schulden- und Finanzkrise klarkommen? Das muss schiefgehen!

 

Die einzige Lösung, die ich sehe, ist die, dass sich Europa umwandeln muss. Und zwar in die Vereinigten Staaten von Europa. Europa braucht, wie Westerwelle und einige andere Außenminister richtig erkennen, einen Präsidenten, eine echte Regierung mit Ministern, nicht Kommissaren, und einem Parlament, das echte gesetzgebende Gewalt hat. Die einzelnen Mitgliedsstaaten müssen sich dem unterordnen. Europa muss, um weiter erfolgreich zu sein, in der Außen-, Wirtschafts- und Finanzpolitik nach außen hin als eine Entität auftreten. Nach innen hin braucht es eine einheitliche Innen- und Sicherheitspolitik, auf lange Sicht auch angeglichene Bildungsstandards.

 

Und es braucht eine offizielle Amtssprache. Idealerweise wäre dies eine Sprache, die niemandes Eitelkeiten verletzt, wie Esperanto o. ä., oder eine ganz neu entstehende Euro-Sprache, aber es müsste wohl auf eine in sehr vielen Ländern verbreitete und gelehrte Sprache wie z. B. englisch hinauslaufen.

 

Ob der letzte Punkt durchzusetzen ist, ist fraglich. Alles andere muss mit dem entsprechenden Willen und der nötigen Entschlossenheit in nicht allzu ferner Zukunft passieren, sonst droht Europa wirklich zu scheitern. Und das wäre das schlimmste, was uns allen passieren könnte!

 

Die Außenminister sollten also auf ihren informellen Treffen den Mut haben, über eine europäische Verfassung, die ja primär nur auf dem Papier existieren würde, hinaus zu denken und tatsächlich darüber nachzudenken, auf welche Weise die Gründung so eines vereinten europäischen Staates möglich wäre.

 

Ob sie diesen Mut haben werden? Man darf stark dran zweifeln, aber man mag auch hoffen und träumen. So wenig ich von der FDP halte, so richtig finde ich in diesem Fall Westerwelles Initiative. Endlich tut er mal etwas, wofür ein Außenminister da ist, und gibt Impulse! :-) Ich hoffe nur, dass diese Impulse nicht einfach verpuffen und diesmal eine Verfassung gefunden wird, der alle 27 Mitgliedsstaaten zustimmen können. Vielleicht wird’s ja eine Zustimmung zum Beitritt zu den United States Of Europe (USE)!

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Dritter Toronto-Besuch

Nach dem November letzten Jahres und dem Juli diesen Jahres sind Hexe und ich seit Samstag das dritte Mal in Toronto in Kanada. Und es fühlt sich inzwischen fast so an wie ein Nach-hause-Kommen. Wir sind jetzt das zweite Mal im Hilton Garden Inn Downtown Toronto. Das neue Büro von Mozilla Kanada liegt in der nächsten Querstraße, der Adelaide Street, ist also wirklich in einer Minute Fußweg zu erreichen.

Als wir ankamen, zeigte sich gleich wieder die Stärke eines Blindenführhundes in bekannter und neuer Umgebung. Hexe erkannte sofort die Umgebung wieder, fand ohne Zögern den Eingang zum Hotel, die Rezeption und die Fahrstühle. Da wir ein anderes Zimmer bewohnen, musste sie natürlich kurz lernen, welche Tür jetzt die richtige ist, das war aber beim zweiten Mal auch schon kein Thema mehr.

Und auch den weg zum Gassi-Park zwei Straßen weiter fand sie auf Anhieb. Sie machte schon am Hotelausgang den richtigen Richtungswechsel, fand die Ampel, die über die King Street führt, und bog auch richtig auf die Wellington Street ab.

Im Park war sie natürlich wieder von den hier viel größeren Eichhörnchen fasziniert, die frech überall herumstreunten und dann auf die Bäume flüchteten, nur um sie und auch andere Hunde von dort oben herausfordernd anzustarren. Die sind hier fast so frech wie in deutschen Großstädten die Tauben!

Auch heute morgen beim Frühstück gab es eine Wiedererkennung der Umgebung, und auch mehrere Mitarbeiter erinnerten sich an uns. Der Kellner wusste sogar noch, wie ich meinen Kaffee am liebsten trinke!

Heute Abend werde ich in dem gleichen italienischen Restaurant essen, in dem wir auch vor einem Jahr schon waren, und ich freue mich sehr drauf!

Dieser dritte Toronto-Besuch fühlt sich wirklich schon fast an wie ein zweites Zuhause. Man kennt die Umgebung mittlerweile, ich komme mit der Mentalität gut klar, und Hexe macht durch ihr sehr souveränes Verhalten und ihre Leichtigkeit beim Führen auch eine ganze Menge aus. Auch sie fühlt sich sehr wohl hier.

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Besuch in der AGO(Art Gallery of Ontario)

Während meines Aufenthalts in Toronto vom 13. bis 19. November besuchte ich unter anderem auch die Art Gallery of Ontario, welche unter anderem multisensorische Führungen für Menschen mit Behinderungen anbietet.

Zu so einer Tour brachen Jennison Asuncion und ich am Donnerstag, den 18.11., auf. Unsere Tour Guides Jessica und Doris nahmen uns im Foyer in Empfang und führten uns über die geschwungene Rampe in den 1. Stock. Allein diese Rampe war schon ein Erlebnis: Das Geländer war aus sehr reichem Holz gebaut, das sich schon sehr edel anfühlte. Die Rampe wechselt mehrmals die Richtung.

Die Führung begann mit einem Besuch der Sammlung von Ken Thomson. Wir bekamen Glasviolen in die Hand, die aus mehreren Schichten bestehen, wovon die innere Schicht bemalt ist. Die Gefäße enthalten Geruchsproben und wurden unter den reichen Orientalen zu ihren Hochzeiten wohl auch gern als Schnupffläschchen verwendet. ;-)

Als nächstes besuchten wir die Canadian collection, eine Sammlung von Werken kanadischer Künstler. Wir beschäftigten uns hier mit einem Bild des Malers Lawren Harris, einem Gründungsmitglied der Group Of Seven. Das Bild entstand 1928 und zeigt eine Landschaft mit Bergen im prominenten Hintergrund, Wolken, die sich fast wie Klauen auf die Bergkuppen stürzen, und einem wellenbewegten Wasser, das direkt auf den Betrachter, der am Ufer steht, zuzuschwappen scheint. Als kleines Experiment hat die AGO zwei Relief-Reproduktionen des Bildes angefertigt, die die verschiedenen Elemente des Bildes mit verschiedenen Texturen darstellten. Wir wurden nach unserer Meinung gefragt und waren beide der Ansicht, dass ein Hybrid der beiden Reliefs das Optimum für eine taktile Reproduktion dieses Bildes darstellen würde.

Danach fühlten wir uns zwei Skulpturen von nach Kanada eingewanderten europäischen Bildhauerinnen an: Eine Skulptur einer trauernden Frau, die etwas abstrakter gehalten war, mit Namen “Grief“, also “Trauer”, und eine Skulptur eines Reiters, der im Einsatz ums Leben gekommen ist. Der Reiter gehört zu einem Typ sehr angesehener Kavallerie-Einheiten der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts in Nordamerika. Der Reiter, der über die Mähne des Pferdes gebeugt ist, der Schutzschild auf seiner linken Seite, die Konturen des Pferdes, alles sehr klar und wenig abstrakt herausgearbeitet.

Den Abschluss bildete ein Besuch der Galleria Italia mit Werken des Künstlers Giuseppe Penone. Der Baum, der in dieser Galerie ausgestellt ist, wurde so bearbeitet, dass die innersten Bestandteile des Baumes, seine früheste Vergangenheit, fühlbar werden und in der Gegenwart weiterleben können. An verschiedenen Stellen dieser Skulptur fühlt man die unterschiedlichen Lebensstadien dieses Baumes sehr gut.

In dieser Galleria Italia herrscht eine unglaubliche Akustik. Ich konnte mir nicht helfen und musste sie ein bisschen Testen. Einen kleinen Eindruck hiervon vermittelt vielleicht mein AudioBoo. Außerdem machten Tour Guide Jessica bzw. ein Security noch ein paar Fotos:

Die Handschuhe, die wir auf den Bildern tragen, sind zum Schutz der Kunstwerke vor direktem Hautkontakt. Die Handschuhe sind “gefühlsecht”" und nehmen so gut wie nichts von der Wahrnehmung.

Alles in allem war dieser Besuch ein sehr lohnender. Er war sehr vielfältig und gut strukturiert, es gab viel anzufassen und zu lernen. Es ist wünschenswert, wenn solche Touren auch von Museen in Europa viel öfter angeboten werden könnten!

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Erster Tag in Toronto

Ich befinde mich zur Zeit beruflich in Toronto, Ontario, Kanada. Am Samstag, 13.11., sind Hexe und ich über Frankfurt nach Toronto geflogen. Obwohl es diesmal im Flieger ziemlich eng war, haben wir den 8 1/2-stündigen Flug gut überstanden.

Die Einreise nach Kanada ist außerhalb der EU die angenehmste, die ich bisher erlebt habe. Dies ist, nach zwei Einreisen in Vancouver, mein ins gesamt dritter Kanada-Besuch, und jedes mal habe ich das Gefühl, bei Freunden zu Gast zu sein. Es findet eine Passkontrolle statt, man wechselt ein paar Worte mit dem jeweiligen Kontrolleur, aber mehr passiert auch nicht, wenn man nichts zu verzollen hat. Hexe und ich sind einfach so ins Land gelassen worden. Es finden keine erkennungsdienstlichen Maßnahmen wie Fingerabdrücke nehmen oder Fotografieren statt. Alle sind sehr freundlich und total entspannt.

Was gleich auffällt sind die zweisprachigen Ansagen in englisch und französisch. In Kanada sind beide Sprachen Amtssprachen, und obwohl Ontario primär englischsprachig ist, findet man doch überall an öffentlichen Orten zweisprachige Hinweisschilder o. ä. Mir wurde von meinem Kollegen David erzählt, dass in Quebek es Gebäude oder Plätze gibt, die stur nur auf französisch ausgezeichnet sind. Dies machte mich schmunzeln, gibt es doch auch genug Franzosen, die sich schon aus Prinzip weigern, englisch zu sprechen, obwohl sie es können. ;-)

Die Taxifahrt zum Hotel Holiday Inn Bloor Yorkville verlief etwas schleppend. Das lag am dichten Verkehr: An diesem Abend spielte die Eishockey-Mannschaft Torontos gegen die Vancouvers, und die ganze Stadt war voller Fans. Und obwohl Toronto mit 3:5 verlor, gab es den ganzen Abend über überhaupt keinen Stress. Auch im Hotelrestaurant, in dem ich ein Abendessen zu mir nahm, lief der Fernseher, wo das Spiel übertragen wurde. Es herrschte überall eine gute Stimmung.

Das Hotelpersonal war von Anfang an sehr darauf bedacht, uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Der Mitarbeiter, der mich eincheckte, bot sich sofort an, mit mir auf die Suche nach einer Grünfläche für Hexe zu gehen. Er begleitete mich auch zum auf der anderen Straßenseite gelegenen Supermarkt, um ein Hundefutter für sie zu kaufen. Er war selbst mal Hundebesitzer und konnte mir daher beratend zur Seite stehen. Hexe mag das Futter auch, und sie verträgt es ohne Probleme.

Die erste Nacht war ruhig. Ich schlief wie ein Stein, da ich im Flieger nicht geschlafen hatte.

Nach der morgendlichen Gassi-Runde gingen wir zum Frühstück. Wir saßen kaum, da gingen plötzlich die Lichter aus, die Musik verstummte, und man hörte nur noch das hektische Piepsen diverser Warm- oder Kühlhaltevorrichtungen, die anzeigten, dass ihnen der Lebenssaft ausgegangen war. :) Der Stimmung tat dies keinen Abbruch, es wurden ein paar Kerzen aufgestellt, Kaffee gab es noch zur Genüge, und einige der Frühstücksköstlichkeiten konnten auch ohne funktionierenden Toaster o. ä. genossen werden.

Nach 45 Minuten war der Strom wieder da. Ich muss zugeben, dass ich doch sehr drüber schmunzeln musste. Bei meinem allerersten Kanadaaufenthalt in Whistler zum Mozilla Summit 2008 gab es in dem dortigen Hotel auch einen Stromausfall. Der Grund war damals ein Wäschereiwagen, der den Generator des Hotels k.o. gefahren hatte. Damals dauerte es 8 Stunden, bis die Stromversorgung wiederhergestellt war. Das einzige, was funktionierte, war das WLAN, das über das Notstromaggregat lief. Hinzu kam, dass einen Tag vorher ein massiver Erdrutsch die direkte Route nach Vancouver blockiert hatte und bis zu unserem Konferenzende nicht wieder freigegeben werden könne. Aber wir konnten der ganzen Welt von unserer Lage berichten! ;-)

Den restlichen Vormittag verbrachten Hexe und ich gemütlich im Zimmer. Ich twitterte, ging meine Mails durch, und Hexe schlief. Die Kleine war von der Reise immer noch ziemlich platt.

Nachmittags trafen David und ich uns mit Aaron Leventhal, der zufällig auch in Toronto war, und verbrachten den Nachmittag mit Fachsimpeln, uns gegenseitig über unsere Leben auf den neuesten Stand bringend usw.

Den Abend ließen wir gemütlich bei einem Kaffee in der Hotelbar ausklingen.

Heute ist Montag, und es steht mein erster Besuch im Mozilla-Büro in Toronto an. Das Büro ist nur 5 Gehminuten vom Hotel entfernt, und ich bin schon sehr gespannt!

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Der große Castor-Irrtum

Seit einigen Tagen wird über Twitter, Facebook und andere soziale Netzwerke dieser Artikel aus dem Jahr 2003 des Autoren Andreas Meyer verbreitet. Er beschreibt im Detail den Unterschied zwischen dem Zwischenlager und dem Endlager, was der Salzstock ist und was eben auch nicht. Der Salzstock ist nicht, wie fälschlicherweise immer wieder angenommen und teilweise auch gezielt desinformiert wird, der Ort, an dem die Castor-Behälter aus Frankreich stehen.

Ich bin ziemlich entsetzt! Und zwar nicht über die Tatsache an sich, denn die ist mir schon seit über 25 Jahren bekannt. Sondern darüber, dass ich den einzelnen Begrifflichkeiten in der Medienberichterstattung selbst nie genug Aufmerksamkeit geschenkt habe, um diesen Mischmasch so zu bemerken, dass er mich auf die Barrikaden gebracht hätte. Ich verfolge die Berichterstattung seit dem Beginn der Transporte, wie ich bisher dachte, aufmerksam. Aber vielleicht ist es einfach die Tatsache, dass ich schon seit einer Klassenreise im Jahr 1984 ins schöne Wendland weiß, dass diese Atommüllbehälter nicht unterirdisch gelagert werden, sondern in einer großen Halle stehen. Das wurde uns Schulkindern damals nämlich von einem Vertreter der Betreiber des Zwischenlagers erklärt. Damals sprachen wir gar nicht über den Salzstock.

Für mich war also immer klar, und unter anderem darin begründet sich auch für mich einer der wichtigsten Gründe für den Protest: Die Dinger stehen da in der Landschaft, in dieser Halle, und dampfen vor sich hin!

Übrigens hat der Bericht des oben verlinkten Autoren wenig bewirkt: Die Begriffe werden nach wie vor munter durcheinandergeworfen, und von Befürwortern wird diese Begriffsverwirrung gern genutzt, um ein trügerisches Gefühl von Sicherheit zu verbreiten.

Daher mein Aufruf: Merkt auf, seid aufmerksam! Und behaltet immer im Hinterkopf: Die Dinger stehen in der schönen Landschaft, umgeben nur von ein paar Mauern und ein bisschen Stacheldraht!

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Ein Rückblick auf die USA-Reise

Hexe und ich sind wieder in Deutschland, der Jetlag hat voll zugeschlagen, und es ist Zeit mal zurückzuschauen auf eine ereignisreiche Woche in den USA.

Nach den ersten zwei Flügen von Hexe gingen die Abenteuer in Kalifornien ja richtig los. Die Bürgersteige am El Camino Real und anderswo in Mountain View sind doch etwas anders gebaut als in Deutschland. Es geht viel mehr auf und ab, Baumwurzeln können schon mal dazu führen, dass man eine Bodenwelle von ca. 50 cm Höhe übersteigen muss. Auch Ampelmasten sehen anders aus, und sie stehen eigentlich immer nicht direkt am Überweg, sondern man muss kleine Umwege laufen. Und eine grüne Fußgängerampel heißt nicht zwangsläufig, dass man als Fußgänger auch einfach unbedarft überqueren darf. Ich weiß nicht, ob die USA auch so etwas wie den grünen Pfeil kennen, es fühlte sich aber so an, und die Autfahrer gehen im Silicon Valley teilweise ganz schön rasant zu Werke! :-)

Hexe ist aber ein so souveräner und gut ausgebildeter Hund, dass sie das alles mit Bravur meisterte und schnell lernte, wie in Amerika der Hase läuft!

Auch im Büro von Mozilla konnte Hexe ihre Qualitäten richtig zur Geltung bringen. Die Büroräume sind auf zwei Etagen verteilt und eigentlich gar keine echten Räume, sondern eher so halb offene Arbeitsplätze. Die einzigen abgeschlossenen Räume sind Konferenzräume in unterschiedlichen Größen, und selbst die sind rundum verglast, so dass das alles sehr offen wirkt, passend zur Philosophie von Mozilla. Weiterhin gibt es in großen, offenen Bereichen Schreibtische in einer oder mehreren Reihen in der Mitte angeordnet. Es gibt mehrere Küchenbereiche mit großen Kühlschränken und Kaffeemaschinen, und es gibt “Ten Forward”, einen sehr großen, mit Sesseln, Couchen und sogenannten “Booths” ausgestatteten offenen Bereich im Zentrum des einen Stockwerks. Diese Booths sind Bereiche mit zwei sich gegenüber stehenden Zweisitzenrrn und einem Tischn der Mitte und Trennwänden zu beiden Rückenlehnen.

Mit dem Stock ist es eine echte Herausforderung, diese Bereiche zu navigieren. Es ist auch nicht alles rechtwinklig, und Leitlinien sind auch keine regelmäßigen da. Hier zeigt sich die Stärke eines sogenannten “aktiven Hilfsmittels”, als das ein Blindenführhund gilt: Hexe konnte ohne Probleme den richtigen Weg finden, die Abzweigungen ausmachen und ihnen folgen und eventuell herumliegenden Notebooktaschen ausweichen. Wege zu Konferenzräumen, dem Klo oder “unserem “Booth waren somit überhaupt kein Problem. Und klar, der Weg zum büffet wurde immer gefunden! :)

Ich kam mir dieses Mal bei meinem Besuch im Mozilla-Office sehr viel selbständiger vor, musste nicht mehr ständig nach dem Weg fragen oder einen Kollegen um Hilfe bitten. Während dies natürlich eigentlich sehr kommunikationsfördernd war, ist es natürlich irgendwann einfach langweilig, ständig nach dem Weg zur Toilette fragen zu müssen. ;-)

Am Mittwochnachmittag war dann die Zeit des großen Ausflugs gekommen. Während die Kollegen eine Segway-Tour machten (siehe unten verlinktes Foto-Set), gingen hexe, Elizabeth 8die Frau meines Managers) und ich an den Strand von Rockaway Beach und umliegende zu einem Spaziergang. Hier lernte ich das erste Mal den Nebel der San Francisco Bay Area kennen. In Mountain View fuhren wir bei strahlendem Sonnenschein und ca. 25° Celsius los, als wir in Pacifica ankamen, war die Sonne oberhalb einer massiven Nebelbank verborgen, und die Temperatur war um mindestens 7° gefallen. Für meinen Hell-Dunkel-Sehrest sah das aus wie ein ziemlich wolkenverhangener Himmel. Der Nebel war so dicht, dass man teilweise die Wassertropfen auf der Haut spüren konnte.

Hier sind die Videos, die während dieses Ausflugs entstanden sind:

  1. Hexe erkundet ihre Umgebung
  2. Blick über Rockaway Beach
  3. Hexe spielt mit einem anderen Hund….gerade nicht mehr
  4. Blick von einer Hügelkuppe auf den Strand südlich von Rockaway
  5. Hexe ist der Pazifik nicht geheuer, sie passt lieber auf mich auf
  6. Blick auf die Serpentinen, die den Hügel hinauf führen, und übers Wasser auf einen kleinen Streifen Sonne

Die Fotos, die eine Kollegin während der Segway-Tour gemacht hat, gibt es in diesem Photo Set auf Flickr. Und ja, ich stehe auf dem Teil und er hält mich nicht fest! War ganz schön abenteuerlich, so den Kontakt zum Boden und somit meiner Umgebung zu verlieren. Ich bin aber froh, dass ich das gemacht habe!

Es folgten noch eineinhalb Tage Arbeit, bevor es dann am Freitagvormittag zurück in Richtung San Francisco ging und somit heimwärts. Der Rückflug war ähnlich erfolgreich und von vielen Flirts zwischen Hexe und dem Kabinenpersonal geprägt. Wir saßen diesmal in einer Boeing 747-400 in der ersten Reihe der Touristenklasse. Es gab natürlich deutlich weniger Platz als in der Business Class vor einer Woche, aber es war OK. Im Gegensatz zum Hinflug saute ich mich diesmal auch wieder standesgemäß ein, so dass man nachher auf meinem T-Shirt spuren dessen erkennen konnte, was es auf dem Flug zu essen gab. ;-)

Am Samstagnachmittag um 14:40 Uhr landeten wir pünktlich am Flughafen Hamburg. Die Assistenz hatte mit drei Rollstühlen zu rangieren. Hexe und ich beschlossen daher, nicht auf den Menschen vom DRK zu warten, sondern orientierten uns an einem Mitreisenden, der auch zur Gepäckannahme musste. Im unten verlinkten Fotosatz gibt es ein Bild, auf dem hexe ganz neugierig auf das Förderband guckt, wo denn unser Gepäck bleibt. ;-)

Diese Reise war für Hexe und mich sehr gut, was die Teambildung angeht, und ein toller Auftakt zu hoffentlich vielen jahren weiterer solcher Reisen! So gut, wie sie auch bei den Kollegen, dem Hotelpersonal usw. ankam, darf ich sie in Zukunft nicht zu Hause lassen! ;-)

Und hier der Fotosatz zur Reise!

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Hexes erste zwei Flüge

Es ist schon eine Weile her, dass ich hier zuletzt von der Blindenführhundschule aus gebloggt habe. Inzwischen ist einiges passiert: Hexe ist zu mir umgezogen, wir haben die Einarbeit beendet und die Gespannprüfung, sozusagen unseren “Führerschein”, bestanden.

Ich befinde mich zur Zeit in Kalifornien, werde hier bis zum 17. eine Arbeitswoche bei meinem Arbeitgeber Mozilla absolvieren. Am gestrigen 11.09. sind wir hierher geflogen. Falko, mein inzwischen pensionierter alter Blindenführhund, macht Urlaub bei meinen Eltern. Hexe begleitet mich in die USA. Im Gegensatz zu England hat man überhaupt kein Problem, mit Blindenführhund in die USA einzureisen.

Ich war sehr gespannt, wie sich Hexe bei ihrem ersten Flug machen würde. Die erste Etappe führte uns von Hamburg nach München. Schon beim Einchecken bezauberte sie die Frau am Schalter mit ihrem Charme. Sie wurde als “Seeing Eye Dog” eingebucht. Seeing Eye ist die größte und wohl bekannteste Blindenführhundschule der USA. Da weiß im Grunde jeder sofort, worum’s geht.

Die erste Sicherheitskontrolle wurde ebenso mit Bravur gemeistert wie das Einsteigen in den Flieger. Hexe hat die ganze Zeit gearbeitet und ist den Leuten gefolgt, die mich betreut haben. Der Betrieb am Flughafen hat sie überhaupt nicht beeindruckt.

Im Flieger hatten wir dann zwei Plätze nebeneinander, hexe legte sich vor den Fensterplatz, und ich saß auf dem mittleren der drei Sitze. Neben mir saß noch ein anderer Passagier. Lediglich beim Start hob sie einmal den Kopf, um zu gucken, was hier passierte, warum das Flugzeug plötzlich so stark beschleunigte. Danach blieb sie ruhig liegen, bis auf ein, zweimal umdrehen, um die Liegeposition zu verändern.

In München hatten wir dann zum Glück soviel zeit, dass ein letztes Gassi gehen möglich war. Wir mussten dann zwar erneut durch die Sicherheitskontrolle, was nicht nötig gewesen wäre, wenn wir das Gebäude nicht verlassen hätten, aber so what? :-) Der freundliche Herr,, der uns in München betreute, war selbst Hundebesitzer und wusste sofort, wo wir hingehen konnten. Ich hatte das vorher von Hamburg aus durchgeben lassen.

Das Einsteigen in den Airbus A340-600, der uns nach San Francisco fliegen sollte, gestaltete sich ähnlich unproblematisch wie das erste Einsteigen in Hamburg. Hier hatten wir sogar richtig viel Platz: Weil in der Economy Class alles voll war und Hexe keinen Platz gehabt hatte, ergatterten wir den allerletzten Platz in der Business Class. :-) Hexe lag direkt vor meinem Sitz, wir saßen in der ersten Reihe. Wir hatten soviel Platz, dass ich sogar in eine vorprogrammierte halbliegende Sitzposition fahren konnte, und Hexe immer noch genug Platz zum Liegen blieb.

Der Flug verlief extrem ruhig. Nach 11 1/2 Stunden waren wir am Ziel. Währenddessen wurde Hexe von Mitpassagieren und natürlich dem Kabinenpersonal gebührend gehuldigt! ;-) Sie bezirzte alle mit ihrem Charme, ihrem neugierigen, freundlichen Wesen und ihrer Aufmerksamkeit. Sie klaute nichts von irgendwoher, machte keinen Unsinn und war total entspannt. Auf dem Flug bekam sie 2 x 2 Putenwürstchen zu fressen, die sie sich zwischen die Pfoten klemmte und in aller Gemütsruhe und mit sehr viel Genuss verspeiste.

Bei der Ankunft in San Francisco gab es überhaupt keine Probleme: Hexe lief der Betreuerin durch den Flughafen hinterher als würde sie das jeden Tag machen. Beim Immigration Office hatte ich sie angemeldet als einzuführendes Tier, die einzige Formalie der ganzen Reise! Das wurde einfach abgenickt, wir marschierten zur Gepäckaufnahme und dann aus dem Gebäude.

Apropos Gepäck: Dass auf diesem Flug nicht alles geklappt hat, war wohl irgendwie nicht zu vermeiden. Aus Gründen des zu vielen Gewichts wurde mein Rucksack mit einigen anderen Gepäckstücken in Hamburg wieder ausgeladen und kommt erst am heutigen Sonntag nach San Francisco nach. Das ist das erste Mal in 12 Jahren, dass mir das Gepäck bei der Lufthansa nicht direkt nach Ankunft zur Verfügung steht, das ist ein guter Schnitt, würde ich sagen. Schmälert jedenfalls nicht meine gute Laune ob des so toll verlaufenen Fluges.

Und hier im Hotel ging’s dann gleich weiter mit den angenehmen Seiten der Reise: Das Zimmer war vorbereitet mit einem großen Hundekissen und zwei Näpfen, einer für Wasser, einer für Futter. Mein Kollege Carsten alias Tomcat, der ebenfalls diese Woche hier arbeitet und imselben Flieger war, hat mir dann noch netterweise aus dem Supermarkt Hundefutter für Hexe besorgt. Da könnt ihr mal sehen, wie sie ihn um den Finger gewickelt hat! :) Danke Dir dafür nochmals, lieber Carsten!

Tja und heute hat mich der Jetlag mit der schlaflosen Nacht gleich in Nacht 1 heimgesucht. ich bin um 3 Uhr davon wach geworden, dass Hexe im Schlaf gebellt hat. Sie hat viele Eindrücke zu verarbeiten! :-)

Das Abenteuer USA wird hier weiter dokumentiert! :-)

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