Gedanken zu unnötigem Papierwust im Jahre 2010

Wir schreiben den 28.06.2010. E-Mail ist seit über 10 Jahren fester Bestandteil des Arbeitsleben und auch im privaten Bereich seit Jahren nicht mehr wegzudenken. Twitter, Facebook und andere Social Networks haben die Austauschmöglichkeiten der Menschen weltweit revolutioniert. Man kann heute Bahntickets per Handy lösen und abscannen lassen. Flugtickets werden schon seit geraumer Zeit vorwiegend online verkauft.

Und dann gibt es da so Organisationen wie Verwaltungsorgane, Vereine, Parteien o. ä., die auch im jahr 2010 einen Papierwust produzieren, der jedem umweltbewussten Bürger jedesmal die Tränen in die Augen treibt, wenn sie/er einen Umschlag öffnet, nur um eine Mitteilung vorzufinden, deren Inhalt auch problemlos per E-Mail hätte mitgeteilt werden können. Der Umschlag wandert ins Altpapier, die Mitteilung in der Regel auch, und beides muss recycelt werden.

Genauso ging es mir heute beim Bearbeiten der Einladung zur Jahresdelegiertenversammlung meines lokalen Sportvereins, der Turn- und Sportgemeinschaft Bergedorf. Ich bin als Delegierter der Judosparte mit eingeladen. Der Umschlag enthielt 8, in Worten acht, Din-A4-Blätter mit Infos zur Versammlung. Es musste nichts ausgefüllt werden, es war reiner Informationsgehalt. Und da der Brief acht Bögen Papier enthielt, kann man davon ausgehen, dass er mehr Porto als ein Standardbrief gekostet hat. Wieviele Delegierte da heute Abend aufschlagen werden, weiß ich nicht, ich gehe aber mal von mindestens 50 aus. Die TSG ist eine große Gemeinschaft.

Diese Schreiben wurden natürlich am Computer, also digital erstellt und dann ausgedruckt. Die Bögen enthielten jedoch nichts, was nicht auch per E-Mail hätte übertragen werden können.

Und wenn ich mir jetzt vorstelle, dass ja jedes Gesetzesvorhaben in Bund und Ländern auf Papier gewälzt wird, weil ja z. B. iPads im Bundestag verboten sind und jeder Verein, jeder Ortsverein einer Partei, jede behördliche Mitteilung so an millionen „Betroffene“ verschickt wird, und wenn ich das dann aus Deutschland auf den Rest der Welt projiziere, wird mir schlecht.

Seit Jahrzehnten wird über das papierlose Büro gesprochen. Die Realität ist, dieses gibt es auch im jahr 2010 noch nicht. Stattdessen wird die Umwelt weiter mit Papiermüll belastet.

Von den Vorteilen, die digitale Übermittlung aller relevanten Informationen für Menschen mit verschiedenen Behinderungen mit sich brächten, habe ich ja noch gar nicht mal angefangen zu schreiben. Ich musste diese acht Seiten der Einladung ja erstmal scannen und erkennen lassen. Das hat bestimmt hochgerechnet eine Viertelstunde gebraucht. Und ich muss mit den Ungenauigkeiten und teilweise verrissenen Tabellen leben, die die Zeichenerkennung bei der Layoutanalyse zwangsläufig mit sich bringt. Wil lich ganz sicher gehen, muss ich so einen Erkennvorgang zwei bis dreimal durchführen lassen oder sogar eine sehende Person fragen. Und am Ende werden diese acht seiten im Altpapier landen, denn nach der Delegiertenversammlung sind die Inhalte nicht mehr relevant für den einzelnen Delegierten. Für mich jedenfalls nicht.

2 Gedanken zu „Gedanken zu unnötigem Papierwust im Jahre 2010“

  1. Nun, ich bin selbst auch der Ansicht, das es mittlerweile so ist, das E-Mail zum festen Kommunikationsbestand geführt hat. Jeder bekommt sie, jeder liest sie, und man verschwendet gar kein Papier dabei. Ich bekomme mittlerweile alle telefonrechnungen digital, und kann sie entweder archivieren oder – nur wenn ich es möchte – ausdrucken. Damit hinterlasse ich keinen Papiermüll. Okay, wenn es um bestimmte Formulare geht, die ich auszufüllen habe und es erfordert meine Unterschrift, dann ist es unvermeidlich, es auf Papier bereit zu stellen, die digitale Unterschrift ist da noch nicht ganz so weit. Aber wenn es nur um die Weitergabe von Informationen geht, reicht eine kurze, aussagekräftige Mail, und sie erreicht mich 1. schneller und 2. verschwendet der Absender nicht die Zeit damit, die Briefe zu frankieren, zur Post zu bringen und noch Porto zu zahlen.

    Gruß Stan

  2. Da wird mir ja in großen Teilen aus der Seele gesprochen, gerade was die Papierflut in der politischen Arbeit angeht. Genau dieses Thema habe ich in meiner Heimatstadt schon vor Jahren (1999) und danach immer wieder mit dem zuständigen Dezernenten besprochen. Aber weiter, viel weiter ist man noch immer nicht.

    Ich habe aber jetzt gehört, dass man sich in nun wirklich Zeiten der knappen Kassen verstärkt auf das ja auch kostensparende Thema des eGovernments verlegen wird. Dazu kann ich nur sagen, es wird aber auch Zeit.
    Vermouthstropfen gibt es aber überall. Man darf dabei nicht vergessen, dass beim Versenden von Einladungen, Vorlagen, was auch immer, Teile der Kosten verlagert werden. Auch heute hat noch lange nicht jeder entsprechendes mobiles technisches Equipment, dass es jedem ermöglicht, ohne das Ausdrucken der entsprechenden „Traktate“ auszukommen. Und es ist ja durchaus bekannt, dass Druckertinte teurer ist als Chanel No. 5. Das wäre dann ja privat zu tragen. 🙁
    Dennoch werden inzwischen schon viele Einladungen etc. per Mail versandt. Das freut mich, und das ist auch gut so.

    Zum Thema von Marco, Einladung zur Jahresdelegiertenversammlung, da kann ich mir gut vorstellen, dass die allein schon satzungsrechtlich per Post (d.h. damit auch ausgedruckt) versandt werden muss. Das gilt nach wie vor in sehr vielen Fällen und ist teilweise sogar gesetzlich vorgeschrieben.

    Hinzu kommt noch, dass jedenfalls für viele sehende Mitmenschen ein solcher Ausdruck leichter zu handhaben ist. Auch wenn ich nun wirklich PC-affin bin, wirklich wichtige Texte lese ich ausschließlich in ausgedruckter Form. Ich nehme die Inhalte einfach besser auf, entdecke einfacher Unstimmigkeiten und Fehler. Zudem kann man sich für und während entsprechender Diskussionsrunden Vermerke zu den entsprechenden Themenkreisen machen.

    Hier in Münster werden inzwischen viele Informationen virtuell zugänglich gemacht, ob das statistische Berichte sind oder auch andere Informationen. Aber dennoch, was darüber hinaus an purer Information, teuer gestaltet und gedruckt, versandt wird, das geht nicht wirklich auf ene Kuhhaut. Und auch hier haben wir ein Problem, das einfache Versenden per Email (ohne aufwendiges gestalten und drucken) gefährdet Arbeitsplätze. Ich weiß, ich weiß, es dreht sich immer alles im Kreis, es sind immer wieder die zwei Seiten ein und derstelben Medaille.

    Auch die Email an sich hat das schon geschafft, Schreibbüros in Unternehmen, Sekretärinnen (Tipsen) der klassischen Art sind schon heute kaum noch auffindbar. Auch das ist ein Problem unseres Arbeitsmarktes – aber in diesem Zusammenhang auch ein anderer Themenkomplex.

    Da fällt mir gerade was aus dem Alltag ein. Ich habe vor kurzem einen neuen Personalausweis beantragt. Dass dieser abgeholt werden kann, teilte mir die Stadt per Mail mit. Ups, abholen muss ich ihn noch …

    Unter dem Strich erhoffe ich mir auch eine häufigere Nutzung der aktuellen Kommunikationsmöglichkeiten, und das bei allem aber … und auf der anderen Seite …

Was denkst Du darüber?