Ein Rückblick auf die USA-Reise

Hexe und ich sind wieder in Deutschland, der Jetlag hat voll zugeschlagen, und es ist Zeit mal zurückzuschauen auf eine ereignisreiche Woche in den USA.

Nach den ersten zwei Flügen von Hexe gingen die Abenteuer in Kalifornien ja richtig los. Die Bürgersteige am El Camino Real und anderswo in Mountain View sind doch etwas anders gebaut als in Deutschland. Es geht viel mehr auf und ab, Baumwurzeln können schon mal dazu führen, dass man eine Bodenwelle von ca. 50 cm Höhe übersteigen muss. Auch Ampelmasten sehen anders aus, und sie stehen eigentlich immer nicht direkt am Überweg, sondern man muss kleine Umwege laufen. Und eine grüne Fußgängerampel heißt nicht zwangsläufig, dass man als Fußgänger auch einfach unbedarft überqueren darf. Ich weiß nicht, ob die USA auch so etwas wie den grünen Pfeil kennen, es fühlte sich aber so an, und die Autfahrer gehen im Silicon Valley teilweise ganz schön rasant zu Werke! 🙂

Hexe ist aber ein so souveräner und gut ausgebildeter Hund, dass sie das alles mit Bravur meisterte und schnell lernte, wie in Amerika der Hase läuft!

Auch im Büro von Mozilla konnte Hexe ihre Qualitäten richtig zur Geltung bringen. Die Büroräume sind auf zwei Etagen verteilt und eigentlich gar keine echten Räume, sondern eher so halb offene Arbeitsplätze. Die einzigen abgeschlossenen Räume sind Konferenzräume in unterschiedlichen Größen, und selbst die sind rundum verglast, so dass das alles sehr offen wirkt, passend zur Philosophie von Mozilla. Weiterhin gibt es in großen, offenen Bereichen Schreibtische in einer oder mehreren Reihen in der Mitte angeordnet. Es gibt mehrere Küchenbereiche mit großen Kühlschränken und Kaffeemaschinen, und es gibt „Ten Forward“, einen sehr großen, mit Sesseln, Couchen und sogenannten „Booths“ ausgestatteten offenen Bereich im Zentrum des einen Stockwerks. Diese Booths sind Bereiche mit zwei sich gegenüber stehenden Zweisitzenrrn und einem Tischn der Mitte und Trennwänden zu beiden Rückenlehnen.

Mit dem Stock ist es eine echte Herausforderung, diese Bereiche zu navigieren. Es ist auch nicht alles rechtwinklig, und Leitlinien sind auch keine regelmäßigen da. Hier zeigt sich die Stärke eines sogenannten „aktiven Hilfsmittels“, als das ein Blindenführhund gilt: Hexe konnte ohne Probleme den richtigen Weg finden, die Abzweigungen ausmachen und ihnen folgen und eventuell herumliegenden Notebooktaschen ausweichen. Wege zu Konferenzräumen, dem Klo oder „unserem „Booth waren somit überhaupt kein Problem. Und klar, der Weg zum büffet wurde immer gefunden! 🙂

Ich kam mir dieses Mal bei meinem Besuch im Mozilla-Office sehr viel selbständiger vor, musste nicht mehr ständig nach dem Weg fragen oder einen Kollegen um Hilfe bitten. Während dies natürlich eigentlich sehr kommunikationsfördernd war, ist es natürlich irgendwann einfach langweilig, ständig nach dem Weg zur Toilette fragen zu müssen. 😉

Am Mittwochnachmittag war dann die Zeit des großen Ausflugs gekommen. Während die Kollegen eine Segway-Tour machten (siehe unten verlinktes Foto-Set), gingen hexe, Elizabeth 8die Frau meines Managers) und ich an den Strand von Rockaway Beach und umliegende zu einem Spaziergang. Hier lernte ich das erste Mal den Nebel der San Francisco Bay Area kennen. In Mountain View fuhren wir bei strahlendem Sonnenschein und ca. 25° Celsius los, als wir in Pacifica ankamen, war die Sonne oberhalb einer massiven Nebelbank verborgen, und die Temperatur war um mindestens 7° gefallen. Für meinen Hell-Dunkel-Sehrest sah das aus wie ein ziemlich wolkenverhangener Himmel. Der Nebel war so dicht, dass man teilweise die Wassertropfen auf der Haut spüren konnte.

Hier sind die Videos, die während dieses Ausflugs entstanden sind:

  1. Hexe erkundet ihre Umgebung
  2. Blick über Rockaway Beach
  3. Hexe spielt mit einem anderen Hund….gerade nicht mehr
  4. Blick von einer Hügelkuppe auf den Strand südlich von Rockaway
  5. Hexe ist der Pazifik nicht geheuer, sie passt lieber auf mich auf
  6. Blick auf die Serpentinen, die den Hügel hinauf führen, und übers Wasser auf einen kleinen Streifen Sonne

Die Fotos, die eine Kollegin während der Segway-Tour gemacht hat, gibt es in diesem Photo Set auf Flickr. Und ja, ich stehe auf dem Teil und er hält mich nicht fest! War ganz schön abenteuerlich, so den Kontakt zum Boden und somit meiner Umgebung zu verlieren. Ich bin aber froh, dass ich das gemacht habe!

Es folgten noch eineinhalb Tage Arbeit, bevor es dann am Freitagvormittag zurück in Richtung San Francisco ging und somit heimwärts. Der Rückflug war ähnlich erfolgreich und von vielen Flirts zwischen Hexe und dem Kabinenpersonal geprägt. Wir saßen diesmal in einer Boeing 747-400 in der ersten Reihe der Touristenklasse. Es gab natürlich deutlich weniger Platz als in der Business Class vor einer Woche, aber es war OK. Im Gegensatz zum Hinflug saute ich mich diesmal auch wieder standesgemäß ein, so dass man nachher auf meinem T-Shirt spuren dessen erkennen konnte, was es auf dem Flug zu essen gab. 😉

Am Samstagnachmittag um 14:40 Uhr landeten wir pünktlich am Flughafen Hamburg. Die Assistenz hatte mit drei Rollstühlen zu rangieren. Hexe und ich beschlossen daher, nicht auf den Menschen vom DRK zu warten, sondern orientierten uns an einem Mitreisenden, der auch zur Gepäckannahme musste. Im unten verlinkten Fotosatz gibt es ein Bild, auf dem hexe ganz neugierig auf das Förderband guckt, wo denn unser Gepäck bleibt. 😉

Diese Reise war für Hexe und mich sehr gut, was die Teambildung angeht, und ein toller Auftakt zu hoffentlich vielen jahren weiterer solcher Reisen! So gut, wie sie auch bei den Kollegen, dem Hotelpersonal usw. ankam, darf ich sie in Zukunft nicht zu Hause lassen! 😉

Und hier der Fotosatz zur Reise!

9 Gedanken zu „Ein Rückblick auf die USA-Reise“

  1. Schön das alles nochmal so gebündelt zu lesen. Auch die Fotos sind sehr hilfreich bei der Vorstellung, was ihr in den USA so alles „getrieben“ habt. Du auf einem Segway … WOW! Um diese Erfahrung beneide ich dich. Ich finde dieser Dinger nämlich total klasse und würde gerne so ein Teil fahren. Aber sie sind leider (noch) viel zu teuer.

    LG von Maksi

  2. den grünen Pfeil kennen die Amerikaner zwar nicht, aber zumindest die Kalifornier brauchen ihn auch einfach nicht: wie in vielen Bundesstaaten gilt auch hier: an roten Ampeln rechts abbiegen ist erlaubt, die Ampel ist in dem Fall zu behandeln, wie ein Stoppschild: anhalten, sicherstellen, daß man gefahrlos abbiegen kann, weiterfahren. Ist einfach und funktioniert prima. Ich könnte mir auch vorstellen, daß die beliebten 4-way stops in den Wohngebieten eine Herausforderun sind: zwei Straßen kreuzen sich, keine Seite hat Vorfahrt, jeder muß anhalten und wer zuerst kam fährt auch zuerst wieder. Funktioniert in den USA seltsamerweise perfekt und ohne, daß ich jemals einen Drängler bemerkt hätte.

    pj

  3. Wenn ich das so lese, dann weiß ich mal wieder, warum ich mir den täglichen Stress mit den Krankenkassen antue und bei jedem Wetter mit den Hunden durch die Gegend renne. Ihr seid echt mein „Dreamteam“, ich bin stolz auf euch (auch wenn ich nicht mitdurfte nach MV *schluchz*).
    LG Tina

  4. Hi Marco,
    Ich kann Dir sagen, auch als sehender Fußgänger lebst Du in USA gefährlich. Also zumindest wo ich bisher war: Colorado und Florida. Da sind wir schon das eine oder andere Mal gesprungen 🙂
    Aber sag mal: Ich vermisse die angekündigten Fotos von den Robotern und Dir bei Mozilla. Hast Du doch keine gemacht?

    lg Markus

  5. Hallo Markus!

    Nein, das ist dann leider doch nichts geworden mit den Fotos. Anfang der Woche war der Dino noch da, die Roboter aber schon wieder in irgendeiner Mission unterwegs, und Ende der Woche war der Dino auch verschwunden. Ich bleibe da aber dran und werde das auf einer der nächsten Reisen bestimmt hinbekommen!

    Liebe Grüße
    Marco

  6. „Ten Forward“, herrlich! 🙂 Klingt irgendwie nach sehr angenehmer arbeitsatmosphäre mit einigen Nerds an bord oder? Kann man als Informatik-Student irgendwie an ein Praktikum bei Mozilla kommen?

    Und hast du nun wirklich doch selbst auf einem Segway gestanden oder nicht? Diesen Teil hab ich nicht so ganz verstanden, da ich die Fotos ja ebenfalls nicht sehe. Wenn du diesen Punkt nochmal kurz erklären würdest, wäre das super.

    Ansonsten bin ich ja schon fasziniert davon, wie viel dir hexe ermöglicht und erleichtert. Für mich kommt ein Blindenhund derzeit noch nicht in Frage (hauptsächlich feste, beherrschbare Wege auf dem Campus und nur ein Zimmer in einer Studenten-WG). Aber später wird das sicher ein Thema, denn ehrlich gesagt hoffe ich nicht gerade auf einen reinen Bürojob. 😉

  7. @Lauscher Ja, ich habe auf einem Segway gestanden und es vorsichtig vor, zurück und um die Kurve bewegt. Der eine von den Betreuern ist vor mir her gelaufen, die Hände ca. 5 cm von meinem Segway weg, um schnell zugreifen zu können.

    Praktika bei Mozilla gibt es eigentlich nur direkt in den Offices in Mountain View oder Toronto, nicht von zu hause aus, soweit ich weiß.

  8. Hallo Marco, schön von dir zu lesen. Das sind sehr schöne Erfahrungen, die du beschreibst. Habe dich über den Spiegel Artikel gefunden.

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