Diskriminierung aus den eigenen Reihen ist die schlimmste

Auf Twitter entspann sich heute eine der ekelhaftesten Diskussionen, die ich in diesem Medium jemals erlebt habe. Ennomane war zu Gast bei ZIBB und berichtete über den Erhalt eines Cochlea-Implantats. Er verlor im jugendlichen Alter sein Hörvermögen und hat durch das CI einen Teil davon jetzt, ca. 20 Jahre später, zurückerlangt.

Als Reaktion darauf warf EinAugenschmaus ihm vor, er hätte sich in diesem Beitrag als gehörlos bezeichnet, obwohl er das laut (ihrer) Definition gar nicht sei, weil er nicht von Geburt an gehörlos sei. „Spätertaubt“ oder „schwerhörig“ wären angemessen gewesen, „gehörlos“ jedoch auf gar keinen Fall.

Das war nicht das erste Mal, dass ich solche oder ähnlich geartete Aussagen von EinAugenschmaus lesen musste. Diese scheinbare Einteilung in Gehörlose erster und zweiter Klasse erschreckt mich zutiefst.

Würde ich diese Aussage auf das Thema Blindheit übertragen, hieße das, dass ich, der ich geburtsblind bin, ein „besserer“ Blinder wäre als mein bester Freund, der im Alter von 18 Jahren sein Augenlicht verlor. Dabei bin ich es, der eine Hell-Dunkel-Wahrnehmung hat, der Freund hingegen gar kein Lichtempfinden mehr hat, da er zwei Glasaugen trägt. Darf er sich, oder darf ich mich dann nicht als „blind“ bezeichnen? Der Effekt ist der gleiche: Wir können beide keine Farben sehen, keine Gegenstände, kein Auto fahren, keine Straßen- oder Hausnummernschilder lesen usw.

Der Freund musste die Brailleschrift nach seiner Erblindung erlernen, ich erlernte sie in der Grundschule. Diese Schrift ist eine eigene Schriftsprache, die aber auch von Sehenden erlernt werden kann. Genauso kann Gebärdensprache von im Laufe des Lebens ertaubten Menschen und Hörenden gleichermaßen erlernt werden. Selbst ich beherrsche einige wenige rudimentäre Gebärden, z. B. meinen Namen. Ist der eine dann gehörloser als der andere, nur weil der andere zufällig einen Teil seines Lebens hören konnte?

Genauso könnte man fragen, ob nur Männer, die sich regelmäßig in einen Fummel schmeißen, Anzugträger oder Lederkerle als einzige das „Recht“ haben, sich als schwul zu bezeichnen. Ist nur derjenige „richtig“ schwul, der auf BDSM-Praktiken steht? Ist nur die Frau „richtig“ lesbisch, die in ihrem Leben noch nie eine Erfahrung mit einem Mann gemacht hat oder – Gott bewahre – gar Mutter eines oder mehrerer Kinder ist?

Ist nur derjenige ein echter Rollstuhlfahrer, der einen Querschnitt hat, derjenige, der aufgrund einer Spastik im Rollstuhl sitzt, sich aber notfalls ein paar Meter auf den Beinen oder dem Hintern ohne Rollstuhl fortbewegen kann, aber nicht?

Mir würden sicherlich noch zig Beispiele mehr einfallen. Ich stoppe aber hier. ich denke, die Absurdität dieser anscheinenden Einteilung dürfte jedem klar geworden sein.

Solange eine „Community“, eine „Randgruppe“ Mitglieder hat, die eine solche diskriminierende Einteilung vornehmen, braucht sie keine Diskriminierung von außen, denn die schlimmste aller Diskriminierungen kommt von innen. Der weitläufige Spruch „Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr“ passt hier ziemlich gut.

Und es erschreckt mich. Es erschreckt mich zu sehen, wie durchaus nicht wenig prominente Mitglieder einer „Community“ ihrer eigenen Sache so schaden können. Denn wer soll die Anliegen einer solchen „Community“ ernst nehmen, wenn innerhalb derselben Mitgliedern so ins Knie geschossen wird?

Das Cochlea-Implantat ist in der Gruppe der Gehörlosen nicht unumstritten. Die einen meinen, wenn es eine Chance gibt, in der Umwelt, die nun mal von Hörenden dominiert wird, besser zurecht zu kommen, sollte man sie nutzen. Die anderen besingen die apokalyptische Vision des Untergangs der eigenen, besonderen Kultur. Es gibt sogar gehörlose Eltern, die ihrem ebenfalls gehörlosen Kind ein CI verweigern mit der Begründung, das würde das Kind mit der Kultur der Hörenden „vergiften“.

Das wäre ungefähr so, als würde ich mir, der ich mit einem Blindenführhund unterwegs bin, anmaßen zu sagen, wer stattdessen einen weißen Stock als Mobilitätshilfe verwendet, wäre ein „schlechterer Blinder“. Ich fluche zwar ab und an wie ein Rohrspatz, wenn ich mal mit Stock unterwegs sein muss, weil sich dies für mich tatsächlich wie eine eingeschränkte Mobilität anfühlt. Das ist aber mein rein persönliches Empfinden und bedeutet nicht, dass ich die Orientierung per Stock per se als zweitklassig einstufen würde.

Diese ganze Geschichte hinterlässt bei mir einen sehr bitteren Nachgeschmack. ich sitze fassungslos vorm Rechner und denke mir, ich bin im falschen Film!

Ich wünsche mir, dass die Communities geschlossen für ihre Sache einstehen, anstatt sich intern gegenseitig wegen eventuell unterschiedlicher Lebensentwürfe im einen oder anderen Punkt zu behakeln. Denn die großen Ziele, seien es Untertitel oder Gebärdensprach-Erweiterungen für Gehörlose, Audiodeskription oder „kein Shared Space in Städten“ für Blinde, oder die vollständige Gleichstellung mit der Ehe von Schwulen und Lesben, kommen allen Mitgliedern der Gemeinschaft zugute, egal ob sie von Geburt an gehörlos sind oder es im lauf ihres Lebens wurden, mit Blindenführhund oder Stock unterwegs sind, schon als Teenager ihr Coming Out hatten oder erst mit 40 oder 50, nachdem schon eine heterosexuelle Ehe geführt wurde, aus der Kinder stammen.

Die Akzeptanz, Integration und Inklusion fängt in den eigenen „vier Wänden“ an und nicht beim Politiker an der nächsten Ecke!

77 Gedanken zu „Diskriminierung aus den eigenen Reihen ist die schlimmste“

  1. Die Kritik ist berechtigt, auch wenn ich nicht glaube, dass sich ein außenstehender für die Diskussionen innerhalb der Behindertencommunity interessiert oder überhaupt was davon mitbekommt. Das Resümmee finde ich hingegen nicht sinnvoll. Wir sind durchaus unterschidelicher Ansicht, was die Notwendigkeit von Audiodeskriptionen angeht. Ich finde AD total überflüssig, ebenso wie Abkürzungs- oder Fremdwörterkennzeichnung in HTML. Ich kenne auch keinen Blinden, der das privat für sinnvoll hält, die Blindenvereine bestehen aber darauf, dass es so was geben muss. Hier würde ein wenig mehr Diskussion nicht schaden. Dieses krampfhafte „Wir müssen zusammen halten“ hat uns oft mehr geschadet als genutzt. Gruss Thmas Schmit

  2. Ich glaube, es geht hier nicht um „bessere“ oder „schlechtere“ Gehörlose. Sondern die Diskussion geht darum, dass ertaubte Menschen als Beleg genommen werden, wie gut das CI beim Spracherwerb nutzt, obwohl die Leute bereits früher sprechen konnten. Das wäre ungefähr so, wie wenn man späterblindete Blindenstocknutzer dafür hernehmen würde, um zu beweisen, dass die sich besser die Welt vorstellen können als geburtsblinde Führhundehalter. Oder so.

    1. Jein… Die Schlußfolgerungen im Bericht mögen fehlerhaft gewesen sein (was ja letzten Endes nicht in Ennomanes Einflußbereich lag), aber Jules in Großbuchstaben geäußerte Forderung, die Medien mögen gefälligst jegliche Berichterstattung über CI unterlassen, weil es der Barrierefreiheit schade (https://twitter.com/#!/EinAugenschmaus/status/203131690456072194) , ist einfach nur absurd und durchaus so einzuordnen, wie Marco es oben beschreibt. Das ist wie mit einem Eimer voller gefangener Krebse. Die Exemplare, die am Rand hochklettern, werden von den anderen wieder reingezogen…

      Jule steht kein Urteil und schon gar keine Forderung zu, wer über was berichten darf. Das CI kann vielen Betroffenen nach eigener Aussage mehr Lebensqualität verschaffen. Das hat sie zu akzeptieren. Punkt.

      1. Die Krebse sind aber eher die, die am medizinischen Bild von Behinderung festhalten. Klar, kann jeder berichten, was er will, aber bitte korrekt. Bislang findet zum CI in den Medien fast ausschließlich Hochjubeln statt.
        Die Lebensqualität von Menschen hängt übrigens nicht davon ab, ob man wenig oder viel hört, behindert ist oder nicht, gut oder schlecht sieht. Das glauben nicht behinderte Menschen oft. Genau das ist der medizinische Blick, den ich furchtbar finde und der zur Diskriminierung führt.

        1. Ach Christiane, du kennst meine Biografie nicht. Ich bin bei blinden Eltern aufgewachsen und bis zu meinem 13 Lebensjahr bestand fast der gesamte Freundes- und Bekanntenkreis meiner Eltern aus Behinderten. Viele davon auch mehrfach. Ein bißchen Ahnung darfst du mir schon zutrauen…

          Gerade habe ich Jules Blogeintrag gelesen und kann nur mit dem Kopf schütteln. Alleine dieser Abschnitt hier: „Meiner Meinung nach bekommt das Cochlear Implantat sowieso viel zu viel Aufmerksamkeit in den Medien und wird als Wunderheilmittel gefeiert, was ich gefährlich finde. Ein Cochlear Implantat hilft nämlich immer nur genau einem Gehörlosen und der Erfolg damit ist nicht garantiert. (…)“

          Übertragen wir das mal auf Nierentransplantationen, Beinprothesen etc., dann wird klar, was für ein ausgemachter Schwachsinn Jules Argumentation ist. Es ist nichts Verwerfliches daran, wenn Hilfsmittel „nur“ einzelnen nutzen, und der Einzelne ist auch nicht verpflichtet zum vermeintlichen Gemeinwohl auf diesen Nutzen zu verzichten.

          Jule verrennt sich da in was und beißt mehr und mehr um sich. Sie sucht nicht den Dialog, sondern will ihn dominieren. Sie sieht das alles absolutistisch und bringt die Leute – selbst Betroffene – immer mehr gegen sich auf, betrachtet sich dabei aber auch noch as Märtyrerin für Inklusion und Barrierefreiheit. Wenn sie nicht langsam mal wieder aufhört, das Zornröschen zu spielen, wird sie bald überhaupt nicht mehr für voll genommen.

      2. Und nein, ich habe nicht in ausschließlich in Großbuchstaben gefordert, dass es keine Aufmerksamkeit in den Medien geben soll. Ich betonte nur „KEINE“ und weitere Sachen schrieb ich in normalem Ton in dem erwähnten Tweet.

        Ich habe aber auch begründet, weshalb ich der Meinung bin, dass es gar keine Aufmerksamkeit für das Cochlear Implantat geben sollte oder eben Barrierefreiheit auch äquivalente Aufmerksamkeit erhalten sollte. Das ist aber bisher nicht der Fall.

        Ich finde, dass durch die überwiegende Hochjubelung der Medien der Druck auf Gehörlose steigt. Aber auch auf Träger eines Cochlear Implantats. Es gibt nämlich auch auch welche, die damit nicht der erwünschten Bombenerfolg haben.

        Und wenn dann in den Medien das so hochgejubelt wird und der Erfolg ausbleibt, dann heißt es oft, das ja wohl andere den Erfolg damit haben und man etwas falsch damit machen müsse oder man habe einfach zu wenig trainiert.

        Das ist das unschöne an der Berichterstattung. Man sollte realistisch bleiben. Den Druck da rausnehmen.

        Das wird aber nicht passieren, solange die Gesellschaft von Menschen mit Behinderungen fordert, dass sie sich an diese anpassen anstatt die Gesellschaft an ihnen. Natürlich müssen beiden Seiten aufeinander zugehen. Es ist ein Geben und Nehmen. Und die Gesellschaft ist nun mal in der größten Bringschuld, wenn man um die fehlende Barrierefreiheit weiß.

        1. „Und wenn dann in den Medien das so hochgejubelt wird und der Erfolg ausbleibt, dann heißt es oft, das ja wohl andere den Erfolg damit haben und man etwas falsch damit machen müsse oder man habe einfach zu wenig trainiert. “

          Das ist deine Interpretation der angeblichen Interpretationen. Auch wieder sehr vage und keine akzeptable Grundlage für eine Vorschrift, über was Medien berichten sollen und worüber nicht. Zum Glück steht aber eh nicht zu befürchten, daß sie sich ausgerechnet nach deinen Wünschen richten werden.

          Konstruktiv wäre übrigens, die Leute – falls das von dir Befürchtete tatsächlich eintreten sollte – über ihren Irrtum bzgl. des garantierten Erfolges aufzuklären. Nicht aber, stattdessen den Informationsfluß zu unterbinden. Was für eine komplett abstruse Idee!

          Übrigens werden Wörter in Großbuchstaben im Web mit ANBRÜLLEN gleichgesetzt.

          1. Leider hast du mit deinen Worten preisgegeben, dass du keine Ahnung hast von der Materie beim Cochlear Implantat und vom sozialen Druck dazu und dir offenbar trotz widerholten Hinweisen auf mein Blog keine Mühe gemacht genau zu lesen, worum es mir geht.

            Und selbstverständlich weiß ich, dass GROSSBUCHSTABEN anbrüllen sind – ich habe aber nicht dem ganzen Satz durchgehend gebrüllt, da hast du wohl überhört. 😉

  3. Ich habe die Diskussion erst gesehen, als Jules bescheuerte Empfehlung, über die Implantate gefälligst gar nicht mehr zu berichten, mit angehängten Unmutsbekundungen weiterverbreitet wurde. Sowas Egozentrisches habe ich seitens einer selbsternannten Behindertenvertreterin schon lange nicht mehr gelesen.

    Da gibt es ein Hilfsmittel, das einzelnen Betroffenen ein Stück Lebensqualität zurückgibt, und dann meint dieses Mädel ernsthaft, jede Information darüber müsse unterdrückt werden, weil es nicht _allen_ helfen kann? Sie sieht sogar eine Bedrohung darin? Und in denen, die es benutzen? Sie betrachtet sie quasi als Verräter an der Behindertengruppe? Da fällt einem doch echt der Kitt aus der Brille.

    Dieses rechthaberische, militante Gekeife ist ein Schlag ins Gesicht aller, die sich tatsächlich um ein echtes Miteinander und Inklusion bemühen. Sie schmeißt mit dem Hintern um, was sie mit den Händen aufzubauen versucht. Vielleicht merkt sie’s ja irgendwann auch selber mal.

  4. Nun, @EinAugenschmaus hat sich ja schon mehrfach lautstark zu Wort gemeldet. Und auch dieses Mal verstehe ich es nicht. Denn davon, wie man jemanden bezeichnet, kann er kein Wenig besser hören oder sehen.

    Das mit dem Cochlea-Implantat verstehe ich übrigens auch nicht. Aber das ist eine andere Geschichte.

  5. Schade, dass hier offenbar nicht begriffen wird, worum es bei der Thematik des Cochlear Implantats geht.

    Da geht’s um viel mehr als nur das Vorhandenseins des Cochlear Implantats, sondern AUCH darum, wie es in den Medien rüberkommt. Es findet nämlich bisher fast ausschließlich Hochjubeln statt.

    Und man muss die Dinge realistisch sehen und auch realistisch über sie berichten. Man kann einfach keinen Spätertaubten als Beleg dafür nehmen, wie gut das Cochlear Implantat beim Spracherwerb nutzt.

    Aber das steht alles hier in meinem Blogeintrag, es ist ein langer Blogeintrag, vielleicht zu lang. Aber wer das nicht liest, hat keine Ahnung von der Materie und hat daher auch kein Recht mich zu kritisieren.

    http://meinaugenschmaus.blogspot.de/2012/05/das-muss-mal-zum-cochlear-implantat.html

    Und das ist keine Diskriminierung, sondern eine Feststellung, wenn ich hier anführe, dass Blinde viel mehr akzeptierter sind durch die große Lobby, die sie haben und es viel einfacher ist zu begreifen, was Blinde Menschen brauchen, egal ob sie nun von Geburt an blind sind oder erst im Laufe des Lebens erblindet sind. Die Hilfsmittel, auf die zugegriffen wird, sind nicht so umstritten und man sieht da erst recht keinen Zwang zur Reparatur darin, weil sie eben nicht so tiefer gehen wie bei uns Gehörlosen und Schwerhörigen. Gerade, weil wir keine sehr große Lobby in den Medien haben, ist es wichtig, dass Tatsachen korrekt dargestellt werden. Darum ging’s mir heute die ganze auf Twitter.

    1. Retina-Implantate sind dir aber ein Begriff?

      Wenn das, was du in deinem letzten Satz hier behauptest, deine Intention war, dann hast du mit deinen Tweetformulierungen aber einen super Griff ins Klo geschafft. Selbst Leute, die seit Jahren ehrerbietig an deinen Lippen hängen, haben sich heute öffentlich gefragt, welcher Teufel dich denn bloß geritten hat.

      1. Retina-Implantate sind mir ein Begriff, ich bezweifele aber, dass der soziale Druck auf Blinde jemals so hoch sein wird so wie es bei Gehörlosen der Fall ist.

        1. Wobei dann noch die Frage wäre, ob nicht nur deine Zweifel, sondern evtl. auch der von dir wahrgenommene Druck rein subjektiv ist.

          Objektiv kann und muß immer noch jeder Betroffene selber am besten entscheiden, was er macht oder nicht.

          Die Forderung, in den Medien Informationen zu unterschlagen, ist ganz sicher immer der falsche Weg und stellt in sich auch schon wieder eine Bevormundung dar.

          1. Nein, der Druck auf uns Gehörlosen wegen des Cochlear Implanatats ist nicht rein subjektiv. Das können dir viele andere Gehörlose bestätigen. Aber auch Gebärdensprachdolmetscher, Sozialpädagogen oder Ärzte. Der Druck ist da und er lässt sich nicht wegleugnen oder irgendwie kaschieren.

            Hast du den gesamten Blogeintrag gelesen? Ich fürchte nicht. Denn da steht ebenfalls: „Und das so wichtige Thema Barrierefreiheit kommt in den Medien leider kaum vor und ich kann das offen bemängeln. Ich würde mir einfach wünschen, dass das Thema Barrierefreiheit und Inklusion genausoviel Sendezeit im Fernsehen bekommt wie das Cochlear Implantat. Und solange das Cochlear Implantat immer noch gefeiert wird, wünsche ich mir einfach eine realistische Darstellung dessen. Nicht mehr und nicht weniger.“

            Aber manchmal lebt man ja in so einer Filterbubble und pickt sich eben nur das heraus, was man sehen will.

            Ich muss das nicht verstehen und die Kritik an meiner Person lässt mich darum ziemlich kalt. :-)

          2. Doch, ich habe ihn komplett gelesen, aber du widersprichst dir selbst hier, dort und auf Twitter von vorne bis hinten. Angeblich willst du nie gesagt haben, daß CI keine Aufmerksamkeit in den Medien bekommen soll. Angeblich kommt es dir ganz plötzlich wieder nur auf korrekte Darstellung der Fakten an. Die Tweets sprachen aber eine ganz andere Sprache. Das kann ich nicht mehr ernst nehmen.

            Im Blogeintrag versuchst du dich mit gewunderen Sätzen voller Wortklaubereien aus deinen vorherigen militanten und unsachlichen Tweets wieder rauszuwinden. Wohl nachdem du gemerkt hast, daß dir dein unsachliches Gemoser auf Twitter selbst bei sonst wohlwollenden Followern um die Ohren geflogen ist wie eine Kloschüssel, in die jemand eine Sprengladung gesteckt hat. Das wieder rauszureißen, ist dir auch im Blog nicht gelungen, bedaure.

      2. Mein Blogeintrag widerspricht sich in keinster Weise mit meinen Tweets – er geht einfach nur sehr viel weiter und erklärt ausführlicher, worum es mir geht.

        Ich habe auf Twitter auch schon den Begriff von Spätertauben aufgeführt und alles weitere. Keinerlei Kollision.

        Und es ist übrigens richtig amüsant, wie du bildgewaltige Formulierungen verwendest, um hier und da so kleine Beleidigungen einzubauen. Schön, dass ich bei dir soviele Emotionen freisetze.

        Aber wenn man halt keine Ahnung hat, dann wird mal beleidigend. Ich kann das ganz und gar verstehen, dass dir nichts anderes übrigbleibt.

        1. Es wird immer unglaublicher. Bevormundung ist, den Medien vorzuschreiben, worüber sie wie berichten. Geh mal in dich.

          1. Was bei mir Emotionen freisetzt, ist der massive Schaden, den du der Gruppe zufügst, die du dir zu vertreten einbildest. Ich kenne solche Leute, speziell eine inzwischen verstorbene Dame, die damals Vorsitzende der Bezirksgruppe Dortmund war, auch aus dem Blindenverband. Die war genauso drauf wie du. Immer gegen alles, alle erstmal kleinmachen, nur ja nichts gut finden, sticheln und um sich beißen, wenn sie Gegenwind bekam – und hielt sich selbst für eine großartige Aktivistin. Irgendwann hatten die sich so einen Ruf von Aggression, Unsachlichkeit und Kompromisslosigkeit erworben, daß selbst die Stadt Dortmund am Ende um einen anderen Gesprächspartner gebeten hat und den Dialog mit dieser Frau verweigerte. Was die Gute natürlich – Überraschung – als Behindertenfeindlichkeit auslegte. *gähn*

            Du hast absolut keine Ahnung, was du mit deiner Art auf die Dauer alles kaputtmachst. Du isolierst dich und die Sache, die du dir auf die Fahne geschrieben hast, von denen, die du erreichen willst. Ob du das nun glauben willst oder nicht. Wenn selbst Leute wie Sina T. schon den Kopf schütteln, solltest du dir mal Gedanken machen.

    2. „Wer das nicht liest, hat keine Ahnung von der Materie“, Hybris, Jule sei dein Name. Und heißt es umgekehrt, dass der, der es liest, Ahnung von der Materie hat? Na dann …

  6. Ich glaube, dass Marco insbesondere auf die Diskriminierung innerhalb von Minderheiten abgehoben hat und keinerlei Diskusstion unterbinden wollte. Es ging ihm einzig darum, dass sich innerhalb einer Minderheit nicht gegenseitig ausgegrenzt werden sollte. Diese Ausgrenzung führt zu einer Zersplitterung der jeweiligen Gruppe und wichtige Ziele können nicht erreicht werden, weil letztlich wie beim gescheiterten Turmbau zu Babel mit den unterschiedlichsten Zungen gesprochen wird.

    Fazit kann aus meiner Sicht nur sein, dass man sich innerhalb der jeweiligen Gruppe sachlich aber durchaus kontrovers mit einzelnen Themen auseinandersetzt und somit eine gemeinsame Linie festlegt. Nur so können dann wichtige Ziele erreicht werden.

    1. Nicht nur das ist ein Problem. Ein weiteres Problem liegt darin, daß man es Außenstehenden so gut wie unmöglich macht, sich mit der Problematik zu befassen. Wenn ein bisher von der Thematik „Unbeleckter“ für jeden Dialog mit einem Behindertenvertreter erst ein Studium der Fachbegriffe und Definitionen absolvieren muß (und das für jede Behinderungsart!), wenn jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird, wenn jedes Mißverständnis, jede Imperfektion als böser Wille ausgelegt wird (Stichwort: „Bezeichnend für die Gesellschaft“)… wie weit gedeiht dann wohl die „Inklusion“? Wenn man sowieso von vornherein als der Böse und der Dumme dasteht, nur weil man nicht haargenau alle Begriffe, Definitionen und Unterteilungen kennt, oder mal einen Fehler macht, dann schaltet man doch irgendwann in den LMAA-Modus und/oder sucht sich einen anderen Gesprächspartner.

      Julia hat insofern Glück und ist prominent geworden, weil sie sich gut artikulieren kann (= Wow-Effekt in den Medien. Eine Gehörlose, die so gut spricht und schreibt!), in jeden Kampf einsteigt (auch in die, die gar keine sind) und noch dazu hübsch ist. Das macht sich in den Medien gut und weckt natürlich erstmal erste Aufmerksamkeit. Aber wenn’s an die Detailarbeit geht, an den permanenten Kontakt mit Nichtbehinderten, an die erweiterte Aufklärung – ganz ehrlich: Da wären Leute wie Martin, Marco, Jens oder Du wesentlich effizienter im Öffentlichkeitsdialog. Von Euch würde ich gerne mehr lesen und Euch auch gerne öfter in den Medien sehen.

      1. Hallo Leute,

        ich klinke mich mal hier ein.
        Ich denke, was viele Nicht-Gehörlose wissen, ist wie das CI funktioniert, was es damit auf sich hat und welche Rolle das menschliche Gehirn darin spielt.

        Der Unterscheid zwischen gehörlos und spätertaubt und schwerhörig.

        Gebürdige Gehörlose (komplett taube Menschen) haben nie gelernt zu hören. Sprich das Gehirn hat nie gelernt Schallwellen umzusetzen. Bekommen diese Menschen ein Coclea Implantat, müssen sie erst einmal hören lernen.

        Spät Ertaubte oder Schwerhörige, haben gelernt zu hören. Bekommen diese Menschen ein CI, können sie meist schon von Beginn an besser damit hören, als z. B. (gebürdige) Gehörlose.

        Ja, es wird in der „Gehörlosenwelt/Gehörgeschädigten-Welt“ ein Unterschied gemacht, zwischen Gehörlosen (von Geburt an taub), den Spätertaubten und den Schwerhörigen.

        Und bevor die Diskussion hier weiter geht, besucht Ihr, die ihr hören könnt doch mal folgende Webseite. Dort könnt Ihr hören, wie man mit einem CI im besten Fall hören kann.
        http://bit.ly/KxyGPA

        Vielleicht verstehen viele dann, was Julia meint.
        Denn mit dem CI kann man z.B. die menschliche Sprache NICHT verstehen. Deswegen sind Gehörlose auf die Gebärdensprache angewiesen. Jedoch wird diese notwendige Verständigungsmöglichkeit aufgrund des CI in den Hintergrund gedrängt. Nach dem Motto: „Hier habt ihr ein tolles Implantat, was wollt ihr Gebärden?“, um es mal übertrieben auszudrücken.

        Nicht jeder Mensch mit einer Behinderung weiß automatisch Bescheid über andere Behinderungen, die es gibt. Da hilft nur, sich mit der jeweiligen Materie zu beschäftigen bevor man urteilt und somit verurteilt.

        So long und viele Grüße

        Martina

        Ach übrigens: ich bin hörend und lerne die deutsche Gebärdensprache von einer gehörlosen Dozentin. 😉

        1. @Martina: Das ist mir schon klar, daß man den Einsatz eines CI nicht pauschal befürworten oder verurteilen kann und es auf die Vorgeschichte des jeweiligen Betroffenen ankommt. Nur finde ich eben, daß die Aufklärung über solche Feinheiten (bei allen Behinderungsarten) anders stattfinden muß als mit Holzhammer („Am besten gar nicht darüber berichten“) und Moralkeule („Da könnt ihr mal sehen, wes Geistes Kind die Gesellschaft ist!“). Damit macht man jeden guten Willen gründlich kaputt. Darauf kam es mir an. Aber vielen Dank nochmal für die anschauliche Erläuterung. :-)

  7. Wenn es eine Möglichkeit gäbe, dass ich etwas mehr körperliche Handlungsfreiheit hätte, würde ich sie sofort annehmen. Das hat natürlich überhaupt nichts mit der Sache zu tun, für mehr Barrierefreiheit oder Assistenz zu kämpfen. Natürlich ist die Gefahr groß, dass, wenn eine Behandlungsmethode erfolgreich ist, weniger für Barrierefreiheit getan wird. Und beim Körperbehinderten ist diese Gefahr sicherlich noch geringer als bei Gehörlosen/Schwerhörigen, da es so viele unterschiedliche Behinderungsarten gibt. Das wäre dann schon fatal, denn diejenigen, die kein CI bekommen können oder aus anderem Grund auf akustische Barrierefreiheit angewiesen sind, fallen dann hinten runter. Trotzdem freue ich mich für jeden, der dadurch wieder oder erstmals besser hören kann. Dass die Medien dann über solche Erfolgsgeschichten berichten, finde ich nur menschlich.

  8. Oha, da hat Julia ja was losgetreten.
    Ich selber habe auch eine Behinderung, ich habe bedingt durch Sauerstoffmangel bei der Geburt seit Geburt ein cerebrales Krampfleiden, allgemein als Epilepsie bekannt. Ich bin seit kurz nach der Geburt auf ein Medikament eingestellt, ich bin seit 1990 anfallsfrei *aufHolzklopf*, darf nur keinen Alkohol trinken und nicht rauchen.
    Um bei Marco seinen Vergleichen zu bleiben: ich habe das von Geburt an, wie ist das mit Leuten, die erst im Nachhinein Epileptiker werden, sind diese beiden Gruppen (von-Geburt-an und später) differenziert zu betrachten?
    Nein, beide Gruppen sind eine Gruppe, nämlich die der Epileptiker.

    Um auf das CI noch mal zu kommen: eine gute Freundin von mir, von Geburt an schwerhörig und mit einem „normalen Hörgerät“ ausgestattet hat vor 2 Jahren sich bei dem „schlechteren“ Ohr ein CI einsetzen lassen, hatte sich vorher ausgiebig mit der Thematik beschäftigt, auch, dass sie nach der OP, sofern die misslingt, auf dem Ohr komplett taub sein könnte. Wir haben dadrüber geredet, ich habe ihr meine Meinung dazu gesagt und sie hat mit vielen anderen darüber geredet. Im Endeffekt hat sie die OP machen lassen und es nicht bereut, da es bei ihr geklappt hat.
    Ja, ein CI hat ein Risiko bei der OP, aber das sollte jede betroffene Person für sich selber abwägen, ob sie das Risiko eingehen möchte oder ob sie das nicht möchte.

    Inklusion ist wichtig, aber dass sich eine Person überall dazwischen schmeißt und alles mögliche permanent kritisiert, muss nicht sein. Manchmal ist es besser, nichts zu sagen/schreiben.
    Ja, ich selber bin bezüglich dem Hörvermögen nicht betroffen, aber ich finde, trotzdem kann ich zu dieser Thematik was sagen.

    Ich wünsche eine gute Nacht

  9. Julia,
    darf ich Dich hieran erinnern. https://plus.google.com/u/0/105147235498941045340/posts/gS1MVjMYD2n
    Ich weiss (!), dass Enno und Du das gleiche Ziel habt. Und ich verstehe Dich. Tatsächlich gibt es Menschen, für sich die gesunde Körperteile als zu amputierende (!) Fremdkörper anfühlen, und daher kann ein Implantat oder Transplantat (das Nierenbeispiel) nicht die allgemeingültige Lösung sein. Menschen sind keine Maschinen und können nicht repariert werden.
    Enno sagte auf der re:publica: Man muss den Menschen sehen. Und ich weiss, dass er genau diese Unterschiede zwischen den Individuen meinte.
    Der eine Gehörlose kann mit dem CI nicht verstehen.
    Der nächste nutzt es nur, wenn er mit Hörenden kommunizieren muss, weil es mit seiner Art der Tonaufbereitung unerträglich ist.
    Beim übernächsten funktioniert es (wie bei Enno) zu 99%.
    Gebärdensprache ist im Alltag wichtig für die, bei denen das CI nicht zu 99% funktioniert, und selbst diese Glücklichen haben ein Problem, wenn sie einen Unfall haben und das CI nicht (mehr) arbeitet.
    Aber die Lagerbildung, das Ablehnen innerhalb einer Gruppe, schadet Eurem gemeinsamen Ziel: Der Inklusion. Enno fällt, wenn man das CI nicht bemerkt, kaum, und Alexander gar nicht als gehörlos auf und sie können großartig die Vorurteile (denk mal an den Schachverbandstypen neulich) widerlegen. Und zeigen, dass bei Euch einzig die Kommunikation betroffen und dadurch anders ist. Du bist großartig darin, für DGS als Sprache, Untertitelung und DGS-Dolmetscher zu argumentieren.
    Das sind unterschiedliche Fronten im selben Kampf: Abbau von Vorurteilen und Hindernissen, also Inklusion.
    Ich bewundere Deinen Enthusiasmis und Deine Energie, Konfliktbereitschaft und Konsequenz. In Deinem Alter (das klingt furchtbar, ich weiss, ist aber so) war ich genauso und hab mich auch mit vielen Menschen in die Haare bekommen (da hatte ich auch noch welche ,-) ).
    Enno (und Alexander) sind aber die falschen Ziele.

  10. Es gäbe über dieses Thema viel zu sagen. Zunächst einmal möchte auch ich aus Jules Blog zitieren: „Ich würde mir einfach wünschen, dass das Thema Barrierefreiheit und Inklusion genausoviel Sendezeit im Fernsehen bekommt wie das Cochlear Implantat. Und solange das Cochlear Implantat immer noch gefeiert wird, wünsche ich mir einfach eine realistische Darstellung dessen. Nicht mehr und nicht weniger.“ Ich finde es gut und richtig, dass sie uns darübe aufklärt, dass die Tatsache, dass ein Spätertaubter mit CI im Fernsehen gut sprechen kann nicht bedeutet, dass das CI beim Spracherwerb in jedem Falle hilfreich ist. Ich stimme auch voll zu, dass sich Barrierefreiheit und CI ergänzen müssen, dass CI eben nicht bedeutet, dass es keine Barrierefreiheit braucht, eigentlich im Gegenteil. Ein CI kann für bestimmte, individuelle Personen ein Teil ihrer persönlichen Barrierefreiheit sein. Auch ich kritisiere, dass im Fernsehbeitrag nicht die korrekten Bezeichnungen genutzt wurden, und dass der Eindruck erweckt wurde, dass ein CI dazu führt, dass ein Gehörloser normal spricht und normal hört. In dieser Hinsicht ist der Blogbeitrag von @einAugenschmaus, auf den sich die Debatte bezieht, Gold wert und höchst informativ.

    Allerdings bin ich, und da stimme ich Ute und anderen hier im Blog zu, selbstverständlich gegen die Aussage, die Medien dürften oder sollten nicht mehr über das CI berichten. Erstens kann man das den Medien ohnehin nicht vorschreiben, zweitens ist das CI aber auch eins von mehreren Hilfsmitteln, die zu einer Verbesserung in bestimmten Fällen führen können. Meiner Ansicht nach muss die Gehörlosenlobby aufhören, gegen das CI in jedem Falle zu kämpfen, sondern ihm seinen tatsächlich möglichen Platz zuweisen: Als Hilfsmittel für Einzelfälle, dessen Erfolg nicht garantiert werden kann.

    Das CI aber abzulehnen, weil es möglicherweise gehörlosen Kindern den Zugang zur Welt der Hörenden ermöglicht, wie Marco es von Teilen der Gehörlosenkultur beschrieben hat und wie wir es auch schon mal in einer Twitterdebatte vor anderthalb Jahren debattiert haben, finde ich unmenschlich. CI, Gebärdensprache und Barrierefreiheit sind für mich drei Seiten ein und derselben Medaille.

    Eins noch: Ich finde nicht, dass @EinAugenschmaus in ihrem dieser Debatte zugrundeliegenden Eintrag die Menschen mit Hörbehinderung in mehrere Klassen eingeteilt hat, auch wenn es sich vielleicht so anhört. In diesem Beitrag hat sie lediglich eine unterschiedliche Bezeichnung benutzt, um klar zu machen, dass die Einen Sprache noch auf natürliche Weise erlernten, die Anderen aber nicht, und um zu erklären, dass das CI auf beide natürlich unterschiedliche Wirkungen hat.

    Hier noch mal der Link zum Nachlesen zu meinem Bericht übe die Twitterdebatte vor anderthalb Jahren, die sich auch teilweise mit diesen Themen befasste.
    http://blog.jens-bertrams.de/2010/10/sind-wir-behindert-oder-werden-wir-behindert/

    1. @Jens Danke für deinen Kommentar.

      Das Problem ist, dass das Cochlear Implantat in der Gehörlosenwelt wohl nie ganz akzeptiert werden kann, weil seitens der Ärzte und auch von Behörden auch extrem viel Druck ausgeübt wird. Ich kenne verschiedene Fälle aus ganz Deutschland, wo man gehörlosen und hörenden (!) Eltern damit gedroht hat, dem Kind das Sorgerecht zu entziehen, wenn sie ihr gehörloses Kind nicht implantieren lassen.

      Und solange es solche Artikel gibt wie die von Müller & Zaracko gibt, die in ihrem PDF ganz unverholen davon sprechen, dass der Staat in die Erziehung gehörloser Eltern eingreifen solle, wenn diese ihr Kind NICHT mit einem CI versorgen lassen wollen, da das Kind als Träger eigener Grundrechte Anspruch auf den Schutz des Staates hat, wird sich nichts an der Stellung des Cochlear Implantats ändern.

      Das PDF gibt es übrigens HIER: http://www.schattauer.de/en/magazine/subject-areas/journals-a-z/nervenheilkunde/contents/archive/issue/1057/manuscript/12865.html

    2. „Meiner Ansicht nach muss die Gehörlosenlobby aufhören, gegen das CI in jedem Falle zu kämpfen, sondern ihm seinen tatsächlich möglichen Platz zuweisen: Als Hilfsmittel für Einzelfälle, dessen Erfolg nicht garantiert werden kann.“

      Da bin ich ganz deiner Meinung. Auch wenn es nur Einzelnen nutzt, haben diese ein Recht darauf, umfassend informiert zu werden. Und natürlich auch korrekt informiert zu werden – unter Hinweis auf alle Chancen und Risiken, ganz klar. Insofern gehe ich da durchaus konform.

      Nur muss man aufpassen, daß man Jule nicht mit „der Gehörlosenlobby“ verwechselt, auch wenn die Gefahr leider groß ist, daß genau das nach außen passiert. Ich kann mir aber nicht vorstellen, daß ihr extremistischer Standpunkt auf die ganze Gruppe übertragbar ist. Dafür gibt’s alleine schon auf Twitter zu viele ebenfalls Betroffene, die die Sache viel differenzierter angehen. Ich denke, auf lange Sicht ist das Problem gar keins. Da gibt es eine neue bzw. weiterentwickelte Technologie, und nun wird natürlich von allen Seiten herumprobiert, was machbar ist und was nicht. Da gibt’s mal Euphorie, mal Zweifel, mal Fortschirtt und mal Rückschläge. Und eben auch mal Irrtümer oder Mißverständnisse. Auch Nichtbehinderte sind halt nur Menschen, wie wir ja in einer anderen Diskussion schon mal festgestellt haben. *g* Bei den sich inzwischen entwickelnden Retina-Implantaten oder der Gentechnik zur Wiederherstellung der Netzhautfunktionen wird es ähnlich verlaufen wie bei den Cochlea-Implantaten. Noch hat sie fast keiner, noch weiß keiner so ganz genau, was in 20 Jahren mal machbar sein wird. Solange das Recht auf Information in keine Richtung behindert wird, sehe ich da aber eigentlich keine große Gefahr für Individuen oder das Vorantreiben von Barrierefreiheit.

  11. Ich war übrigens die besagte gehörlose Teilnehmerin in der besagten Debatte in @jens’s Blog. Und ich bin heute nach wie vor entsetzt über die Äußerungen von Ute in ihrem Blog, welche sie damals geäußert hat.

  12. Marco, gut gebräunte Menschen werden auch nicht als Mitglieder der Black Community aufgenommen.

    Es gibt verschiedenen Vergleiche, die sich nicht unbedingt der Realität entsprechen. Die Taubheit mag eine Behinderung sein. Jedoch grenzen sich gebärdensprachkulturell taube Menschen überwiegend von anderen Behindertengruppen ab und nehmen z.B. nicht an paralympischen Spielen teil, sondern an der eigenständigen Olympiade namens Deaflympics. Eigene Misswahl auf nationaler und internationaler Ebene wird seit Jahrzehnten organisiert. Der Komplex der gesamten tauben Menschen soll nicht in einen gleichen Topf, in dem verschiedende Behindertengruppen gut durchgemischt werden, geworfen werden.

    Taube Menschen werden ganz einfach nach eigener Identifikationsform definiert, nicht danach, wann sie die Taubheit erworben haben. Es gibt den großen Tiefgraben zwischen gebärdenden und lautsprachlichen Hörbehinderten. Es gibt getrennten Verbänden. Anders als beim Deutschen Gehörlosen-Bund e.V. gehört die Förderung von Massnahmen der Prävention eigener Behinderung zu Zielen vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband e.V.

    Man hat natürlich schwer, die Ablehnung gegenüber dem Cochlea Implantat zu verstehen, wenn man auf die auditive Orientierung total angewiesen ist. Die Zerstörung der Gebärdensprachen und der Taubengemeinschaften durch medizinische Massnahmen wie das CI ist kein lustiges Zukunftsbild, sondern eine schreckliche Realität in manchen Ländern wie Dänemark.

    Übrigens ist die Brailleschrift anders als bei der Deutschen Gebärdensprache gar keine eigenständige Sprache, sondern nur eine Form von der Verschriftlichung der Deutschen Sprache.

  13. Ich frage mich, warum es so wichtig ist, gehörlose Menschen von anderen Menschen mit Behinderung abzugrenzen. Steckt da ein Anspruch dahinter, etwas Besseres zu sein? Ich hoffe doch nicht.

    Wir sind uns doch alle einig, hoffe ich, dass man das CI nicht als allein seeligmachende Wundermaschine preisen kann. Wir sind uns doch hoffentlich auch einig darüber, dass jemand, der die Lautsprache auf natürlichem Wege erlernt hat, vllt einfacher mit dem CI umgehen kann als jemand, der die Lautsprache nicht erlernt hat. Aber ich glaube auch: Wenn es eine Möglichkeit gibt, einem nicht hörenden Menschen die Lautsprache näher zu bringen, dann sollte man sie nutzen, ohne ihn in seinen Rechten einzuschränken oder ihm Hilfsmittel zu entziehen. Denn es muss doch erstrebenswert sein, auch mit hörenden Menschen in seiner Umgebung kommunizieren zu können, wie wenn man eine Fremdsprache in der Schule lerrnt. Jemandem eine solche Möglichkeit bewusst vorzuenthalten, wie es offenbar manche Eltern mit ihren Kindern bewusst tun, finde ich falsch. CI ist ein mögliches Hilfsmittel für die Verständigung mit Hörenden. Soll man es doch als ein mögliches Mittel nutzen, wie ich ein Buch nutze, um englisch zu lernen. Entweder es klappt und ich lerne die Sprache, oder nicht. Aber ich fände es nicht klasse, wenn meine Eltern mir aus nationalistischen Gründen englisch verbieten würden, um das mal als Vergleich zu nehmen.

    1. Man kann die Lautsprache auch ohne das Cochlear Implantat lernen, das ist die Realität.

      Zum Erlernen der Lautsprache braucht man es eben nicht, das Cochlear Implantat KANN dabei helfen. Genau wie ein Hörgerät.

      Und es ist nullkommanichts falsch daran, wenn manche Eltern sich gegen ein Cochlear Implantat für ihr Kind entscheiden oder ein Gehörloser sich selbst dagegen. ABER: ES wird als falsch angesehen, wenn man sich dagegen entscheidet.

      Und genau diese Sicht ist falsch und damit sehr entlarvend für die Gesellschaft.

      1. Das ist doch Tinnef. Klar gibt es immer ein paar Dumme, die annehmen, im CI läge die garantierte Lösung für alle Probleme. Die muß man halt erstmal aufklären. Daraus nun aber gleich den impliziten Vorwurf zu konstruieren, sie hätten was gegen Behinderte und wollten daher(!) Behinderung um jeden Preis aus der Welt schaffen, ist genauso verkehrt. „Entlarvend für die Gesellschaft“ – mein Gott! Hör doch bitte endlich auf, immer gleich die niedrigsten Motive zu unterstellen! Die Allermeisten (auch wenn sie vielleicht nicht ausreichend Ahnung haben) wollen den Kindern nur eine Chance geben!

        Umgekehrt könnte man, wenn man genauso böswillig wäre, auch sagen: Bei dir hört es sich für Außenstehende so an, als wolltest du mit aller Macht _verhindern_, daß Kinder ein CI bekommen. Aus lauter Angst, daß es dann nicht mehr genug Behinderte gibt, um die Forderungen der „Übriggebliebenen“ durchzusetzen. Also haben gefälligst alle solidarisch behindert zu bleiben.

        (Jaja, jetzt kommst du gleich wieder mit deinem Blogeintrag – aber nicht alle, die auf Twitter deinen gestrigen Ausbruch gelesen haben, werden sich dafür überhaupt noch interessiert haben. Und jaja, jetzt kommst du gleich mit „ist mir doch egal“ – sollte es aber nicht. Sowas spricht sich rum.)

        Da ist doch ein Vorwurf so kontraproduktiv wie der andere! Erklär doch bitte erstmal genauer deine Hypothese, CIs würden die Barrierefreiheit verhindern? Bei freiem(!) Informationsfluß ist die doch gar nicht haltbar.

  14. Es ist absurd zu unterscheiden, wann jemand zu einer gruppe der behinderung gehört. nur weil mein sohn von geburt an eine spastik hat, ist er nicht mehr behinderter als jemand der es vllt durch einen unfall wird. trotzdem finde ich in bezug auf medizinische dinge, dass die sachen auch kritisch gesehen werden und es realistisch dargestelllt werden. gerade beim beispiel kinder. eltern sind vorallem am anfang sehr unsicher und auch überfordert , wenn das kind ein handicap hat und da ist eine kritische auseinandersetzung mit einer medizinsichen hilfe immer von vorteil.

    letztendlich sitzen wir doch alle in einem boot , oder? egal ob jemand nicht laufen kann oder nicht sehen oder nicht hören. die gesellschaft von außen macht es uns nicht einfacher, und glänzt nicht gerade mit toleranz. da sollten wir doch mit gutem beispiel voran gehen . und das gilt für beide seiten !!!

  15. Das immer gebetsmühlenartig vorgebrachte Argument „das Implantat wird in den Medien als Wundermittel dargestellt“ ist der Diskussion nicht gerade zuträglich: Wer vor der Wahl steht, sich ein solches Implantat einsetzen zu lassen, der wird das sicherlich nicht nur deshalb tun, weil es im Fernsehen gesagt wurde.

    Da wird ein Arzt sicherlich die Vor- und Nachteile mit einem besprechen. Auch die Möglichkeit, dass durch die Operation mehr Schaden als Nutzen entstehen kann.

    Eigentlich kann man das Ganze kurz zusammenfassen:
    Sie hat Angst, dass Leute – die durch das Implantat wieder hören können – plötzlich andere Menschen werden und nicht mehr der elitären* Minderheit der Behinderten angehören.

    * Sarkasmus

    1. Korrektur: „Der elitären Minderheit der Gehörlosen“ müßte es heißen. Als nächstes kommt ja wieder de Ethnie-Geschichte. Oder der nette Spruch, an der Behinderung sei ja nur die Gesellschaft schuld, die nicht genug hilft.

      Ich benutze da ja gerne den Einsame-Insel-Vergleich: Ein Gehörloser und ein Hörender werden jeweils auf einer ganz eigenen, von Menschen unbewohnten Insel ausgesetzt. Wer von beiden hört den Ast knacken, wenn der Tiger sich anschleicht? Und wer kann der Gesellschaft die Schuld geben, wenn er gefressen wird? ^^

      1. Übrigens: Der beschriebene Einsame-Insel-Vergleich hinkt sehr. Die Mehrheit der Gehörlosen merkt es SOFORT, wenn sich jemand von hinten anschleicht, weil der Sehradius nach hinten sehr viel größer ist als bei einem normalhörenden Menschen.

        Aber wenn man eben keine Ahnung hat wie du, dann zieht man halt solche Märchen hinzu, die der Wirklichkeit eben nicht standhalten.

        Das ist der Grund, warum Gehörlose den Führerschein machen dürfen.

        1. Wer hat denn von „hinten“ gesprochen? ^^

          Und dann hätten wir da noch die Limits der Physik, Teilbereich Optik. Eieiei… Aber schön, jemandem begegnet zu sein, der die Ahnung für sich alleine gepachtet hat und sie nun in leicht verdaulichen und vorher abgesegneten Häppchen an die Allgemeinheit austeilt. Wenn wir bösen, ignoranten Hörenden dich nicht hätten… Ich bin dir ja so dankbar! ^^

        2. Ach so! Und ich dachte, dafür reicht eine Kombination aus Rückspiegel und der Fähigkeit, den Kopf zu drehen!

  16. Offenbar liest keiner von euch mein Blogeintrag gründlich und ohne Vorurteile durch.

    Ich habe selbst ein Cochlear Implantat – ich kenne also beide Seiten. Und ich bin weder dagegen, noch dafür. Ich bin dafür, dass eine Entscheidung für oder gegen das Cochlear Implantat aufgrund totaler Wahlfreiheit getroffen werden kann.

    Das ist aber heute nicht der Fall. Es ist genau das Gegenteil der Fall und genau deswegen ist das Cochlear Implantat so umstritten unter Gehörlosen.

    Die Materie ist eben sehr kompliziert und hat ziemlich viele Ebene durch die man von außen gar nicht begreift, weil der Tunnelblick darauf liegt: „Aber wenn man Gehörlosigkeit dadurch „heilen“ kann, dann sollten die Gehörlosen das doch als Chance begreifen.“

    ES ist übrigens interessant, dass wenn ich mal aufgrund eines Notfalls oder zu einem Facharzt überwiesen werde, dass ich dann zu 80% gefragt werde, ob ich denn schon ein Cochlear Implantat habe, weil doch die Erfolgsaussichten damit so toll seien.
    Das ist keine gründliche neutrale Aufklärung seitens der Ärzte und damit sind wir Gehörlosen eben auch nicht einverstanden, dass es diesen totalen Stellenwert hat.

    Hörgeräte übrigens werden von der Krankenkasse nicht vollfinanziert wie das Cochlear Implantat, weil es im Hilfsmittelkatalog unter „Hilfsmittel“ läuft und nicht unter Prothese, obwohl beide zur Unterstützung des Hörens gedacht sind.

  17. Achja, ich habe im Blogeintrag auch geschrieben, dass es egal ist, ob jemand gehörlos, spätertaubt, schwerhörig oder CI-Träger ist….

    Aber man muss sich den Blogeintrag halt durchlesen WOLLEN und sich nicht das herauspicken, was man sehen will.

  18. Ich kann zwar die Argumente Julias bzgl. des aufgebauten Drucks und der „Normalvorstellung“ etc verstehen – habe jetzt aber nicht verstanden, in wie weit das den mMn harschen Ton gegen ennomane rechtfertigt. Gut, Julia fühlt sich missverstanden und hat den Eindruck, dass die „Falschen“ für eine Sache argumentieren, die sie sehr ablehnend betrachtet.

    Nur schafft sie durch ihr Gerede von den „Falschen“ bzw. „Spätertaubten“ bzw. „Schwerhörigen“ klare Exklusionsmechanismen, mit denen sie diese als mindere Gehörlose marginalisiert. Natürlich haben aber auch diese jedes Recht der Welt, sich zu dieser Frage zu äußern und sich der Gehörlosen-Community zugehörig zu fühlen.

    Um es provokativ zu formulieren: Jemanden, der von gesellschaftlicher Marginalisierung, von Ausschluss- und Unterdrückungsmechanismen spricht, steht es nicht sonderlich gut zu Gesicht, auf ähnliche Weise zu diskriminieren. Und nichts anderes wurde mMn getan, als ennomane sinngemäß zu verstehen gegeben wurde: „halt die Klappe, du bist keiner von uns, du darfst dich nicht so bezeichnen“.

  19. Und ich habe schon so einiges erreicht und ich bin mir sicher, dass ich noch mehr erreichen werde, da bin ich zuversichtlich und optimistisch.

    :-)

  20. Für mich ist hier die Diskussion beendet, da ich keine Lust habe, mir den Mund fusselig zu reden.

    Und zweitens: Ich bin ganz sicher NICHT die radikale Gehörlose, was man hier hier unterstellt. Auch bezeichne ich mich nicht als gehörlos von der kulturellen Identität. Biologisch gesehen bin ich gehörlos und das gehört halt wie meine blauen Augen zu mir, aber mehr auch nicht. Ich identfiziere mich nicht darüber, was ich biologisch gesehen bin.

    Ich sehe mich so, wie ich bin.

    Und es ist keine Auslegungssache, wenn ich hier feststellen muss, dass hier Ute eine behindertenfeindliche Meinung vertritt. Kann man oft genug auf ihrem Blog nachlesen.

    Ich beachte die Präsentierung mit dem Cochlear Implantat in den Medien eben kritisch und das kann mir keiner verbieten.

    Und es kann mir auch keiner verbieten, dass ich es kritisch sehe, wenn Enno Park in einem Bericht als gehörlos dargestellt wird, aber in Wahrheit ein Spätertaubter ist, was man im Hinblick mit der Versorgung des Cochlear Implantats wirklich mehr betonen muss als so nebenbei, damit ein realistisches Bild entsteht.

    @bengie hier hat schon ein sehr gute Erklärung abgegeben, wie das eigentlich funktioniert.

  21. Hallo Marco, ich bin von klein auf schwerhörig und kann Jules Kritik an die Berichterstattung nachvollziehen. Es sei dir versichert, dass unter den Hörbehinderten die Einteilung in die verschiedenen Hörgrade keinesfalls mit einer wie auch immer gearteten Wertigkeit des Menschen gekoppelt wird. Das schreibe ich, weil du hier mehrmals den Gedanken eingeworfen hast, Hörbehinderte würden in „bessere“ und „schlechtere“ Hörbehinderte klassifizieren.

    Soweit ich blinde Menschen kennengelernt habe – und ich habe durch meine Mitarbeit in der Behindertenselbsthilfe auf bundesweiter Ebene viele von ihnen kennengelernt – unterscheiden Blinde zwischen „Geburtsblinden“ und „Spätblinden“. Niemals habe ich unter Blinden mitbekommen, dass man von der einen Gruppe gesprochen hätte, sie sei besser oder schlechter als die andere. Nicht anders meinen es Hörbehinderte, wenn sie unterschiedliche Begriffe verwenden.

    Allerdings bestehen sie im Gegensatz zu Blinden auf die Unterscheidungen. Es gibt erhebliche Unterschiede im Umgang unter Hörbehinderten, weil der Hörstatus die Ausprägung der Kommunikationsformen stark beeinflusst. Viele, obwohl zur gleichen Behindertengruppe zugehörig, können sich nicht verständigen, siehe Gebärdensprache versus Lautsprache.

    Das geht so weit, dass es im zwischenmenschlichen Bereich vorkommen kann, dass die einen mit den anderen nicht nur nicht miteinander können, sondern auch nicht wollen.

    Auch hier geht es nicht darum, hervorzuheben, man sei die „besseren“ Hörbehinderten, sondern hier drückt sich aus, dass sich die Alltagskulturen und Identitäten Schwerhöriger, Gehörloser, Spätertaubter und CI-Träger stark unterscheiden können und mehr als babylonische Sprachverwirrung herrscht. Drastisch ausgedrückt: Die Kulturen sind in Teilen inkompatibel. Ich mache die Erfahrung, in verschiedenen Welten zu sein, wenn ich mit Gehörlosen und später mit Schwerhörigen zusammen bin.

    Bei blinden Menschen mache ich diese Erfahrung nicht, ob geburtsblind oder spätblind, %5 sehend oder „nur“ nachtblind. Da gibt es die gemeinsame Sprache und gemeinsame Erfahrungen von Hürden aufgrund der Sehbeeinträchtigung. Da bestehen die Unterschiede zum Beispiel im Erfassen von Schrift, jedoch nicht im Umgang untereinander.

    Worum es Jule geht und ich ihr zustimmen kann, ist, dass die Begriffe korrekt verwendet werden.

    Ich kann auch ihre Vehemenz verstehen. Was Blinde mit ihrer Besonderheit im Sehen nicht erfahren, ist der Druck, der auf Hörbehinderte ausgeübt wird, ob familiär, gesellschaftlich oder wo auch immer. Diesen wird in entscheidenden Situationen vermittelt, bitte gleicher den Normalhörenden zu sein statt dass ihnen die Hörbehinderung zugestanden wird.

    Sind dir Fälle bekannt, wo Ärzte Eltern eines blinden Kindes mitteilen, dass das Jugendamt ihnen das Sorgerecht für ihr Kind entziehen könnte, falls sie einer Retina-Implantation nicht zustimmen würden? Einige Eltern gehörloser Kinder machten jedoch diese Erfahrung, weil es das CI gibt. Das sind unschöne Erfahrungen, die leider Gräben auftun und zu Empfindlichkeiten führen, die Außenstehende nicht immer nachvollziehen können.

    Ich kenne auch den Fall einer ehemaligen Mitschülerin, die das implantierte CI nicht mehr anzog, weil sie sich nicht mehr der Erwartung ihres Umfelds, wie eine Normalhörende zu kommunizieren, aussetzen wollte. Das ist so, wenn von einem Retina-Implantierten erwartet wird, er müsse jetzt Auto fahren können, weil er doch jetzt sehen könne.

    Oder das jahrhundertelange Verbot der Gebärdensprache mit dem Zwang zur Lautsprache in der Schule – bitter. Ich habe es erlebt, auf meiner Schule, bis hin, dass an dieser Schule, die sich als Sonderschule für Hörbehinderte sieht, Gehörlose von vorneherein nicht in die gymnasiale Oberstufe und somit zum Abitur aufgenommen wurden, allein aufgrund ihres Hörstatus. Die Lehrer können keine Gebärdensprache.

    Und bis heute kann man Gehörlosenpädagogik studieren, ohne eine einzige Gebärde lernen zu müssen. Eine Art Blista, wo Blinde Brailleschrift lernen, für Gehörlose, also wo Gehörlose im Unterricht Gebärdensprache wie das Fach „Deutsch“ lernen und vertiefen – ein Wunschdenken, oder rar gesät. Ich rede nicht von einem Entwicklungsland, sondern von Deutschland. Sehr bitter. So unfassbar absurd. Und Realität, Behindertengleichstellungsgesetz hin und UN-Konvention her.

    Blindheit wird eher akzeptiert als Hörbehinderung. Hörbehinderte sind stärkerem gesellschaftlichen Druck, anders zu sein, ausgesetzt als Blinde. Doch starker Druck von außen regt zu Widerstand an. Das schreibe ich in der Hoffnung, Verständnis geschaffen zu haben für die Vehemenz, mit der Hörbehinderte auf Unterscheidungen, die einem sich erstmal nicht erschließen, pochen. Ich war dahingehend nicht anders, ging in die Behindertenselbsthilfe und wirkte bei Initiativen und Gesetzesentwicklungen mit. Mittlerweile habe ich wie VolkerK auch keine Haare mehr auf dem Kopf und gehe mit meinen Energien anders um :-)

    Ich bin mit vielen Gehörlosen, Schwerhörigen, Ertaubten und CI-Trägern in Kontakt und komme nie auf die Idee, die einen seien besser als die anderen. Wir haben neben Unterschiede auch gemeinsame Ziele, unter anderem, die Teilhabe von Hörbehinderten in der Gesellschaft zu verbessern.

    1. Hallo Martin Stehle und alle,
      zum Themenbereich „dürfen Eltern ihren Kindern die Versorgung mit einem CI verweigern“, weil sie z. B. befürchten, die Kinder würden „der (Sub-)Kultur“ ihrer gehörlosen Eltern entfremdet, möchte ich anmerken: Kinder sind nicht Eigentum der Eltern und sie sind kein „Instrument“, um Lebensentwürfe und Einstellungen der Eltern „fortzuschreiben“. Kinder sind eigene Persönlichkeiten mit allen Persönlichkeits- und menschenrechten. Und ich finde es nicht nur zulässig, sondern zur Wahrung der Kindesrechte sogar notwendig , daß in Konfliktfällen der Staat die elterlichen Entscheidungen zumindest überprüft und , sollte sich herausstellen, daß durch diese Entscheidungen das Kindeswohl gefärhdet wird, auch gegen den Willen der Eltern etwas durchsetzt. Ich kann mir weder Sehgeschädigte noch Mobilitätseingeschränkte Eltern vorstellen, die ihrem Kind den Zugang zum Sehen oder zu eigenständiger Mobilität mit der Begründung, sie würden dadurch der „elterlichen Kultur“ entfremdet verweigern würden. Hier ist das Wohl des Kindes, nicht die Ideologie der Eltern das maß der dinge .

      Gruß andi

      1. Hallo Andi, zum Kindeswohl: Im Allgemeinen stimme ich deiner Aussage zu. Im Konkreten gab es Erfahrungen, die die allgemeine Aussage hinterfragen, siehe [1] und [2].

        Wenn du schreibst, dass Kinder nicht Eigentum der Eltern seien, entgegne ich dir, dass Kinder auch nicht Eigentum des Staates sind. Außerdem ist das Kindeswohl und nicht die Ideologie des Staates das Maß der Dinge.

        Doch wer hat die Wahrheit dafür gepachtet, was für das Kind gut ist? Die Eltern können falsch liegen, auch der Staat kann Mist bauen. Da hilft nur Einzelfallbetrachtung.

        [1] Jugendamt vermutet Kindeswohlgefährdung bei Verweigerung eines CI bei einem Kind gehörloser Eltern http://www.taubenschlag.de/meldung/5799

        [2] Jugendamt entzieht Mutter das Sorgerecht wegen Schwerhörigkeit http://www.taubenschlag.de/meldung/2036

        1. Was mit Sorgerecht betrifft und wer (Eltern oder Ärzte) entscheidet, kann man klar beantworten: die Eltern! Erst wenn Eltern grob fahrlässig handeln und das Sorgerecht entbunden wird, dann bestimmten ggf. die Ärzte.

          Es gibt Fälle, wo das Innenohr verknöchert (z.B. bei Meningitis). Wenn man dann schnell genug operiert, dann hat das Kind eine Chance, mit dem CI zu hören. Operiert man nicht schnell genug, dann bleibt das Kind dauerhaft gehörlos, da man kein CI in eine komplett verknöcherte Schnecke einführen kann. Das wäre in Augen ein Grund, warum die Ärzte operieren wollen, obwohl es die Eltern nicht wollen. Allerdings ist mir kein Fall bekannt, wo dann die Ärzte das Jugendamt eingeschaltet haben und „mit Gewalt operiert“ haben. Eine CI-OP ist freiwillig und KEINER kann zu einer nicht-lebenserhaltenden OP gezwungen werden!

    2. Hui, da hab ich ja noch mal Glück gehabt das ich blind bin und nicht taub. Übrigens bin ich der bessere Blinde, weil mein Stock nicht auf den Rasen kackt. Nur mal so dahingetrollt.

  22. @Julia: Wenn du für Wahlfreiheit bist, dann ist aber die Aussage, die Medien sollten nicht mehr über das CI informieren, völliger Humbug. Das passt nicht zusammen, das schränkt nämlich die Wahlfreiheit ein. Sie müssten dann korrekt informieren, aber nicht gar nicht mehr.

    Aber dass du Ute hier als behindertenfeindlich beschreibst, ist hoffentlich nur deiner Wut geschuldet. Denk da doch lieber noch mal drüber nach. Ute mag eine andere Meinung haben, aber das ist auch alles. Ich kenne viele viele Menschen mit Behinderungen, die Ute gern gegen jeden Vorwurf dieser Art verteidigen würden, und ich gehöre mit Freuden ebenfalls dazu. Du disqualifizierst dich hier über alle Maßen und machst deine Aufklärungsarbeit deines Blogeintrages mit solchen heftigen, überzogenen Äußerungen zunichte.

  23. Also ich gebe zu, ich habe den Beitrag weder gesehen noch gehört. Was mich bewegt hier trotzdem zu schreiben ist, dass ich Marco hundertprozentig Recht geben muss.

    Ich habe eine autistische Tochter und einen autistischen Ehemann. Alleine letzteres kann nach Meinung einiger Leute doch gar nicht sein. Außerdem bin ich vor zwei Jahren selbst unheilbar erkrankt. Da lernt man schon eine Menge behinderte Menschen kennen.

    Anfangs war ich begeistert von der Community. Man war unter „seinesgleichen“ und konnte sich über die Erkrankung / Behinderung wesentlich qualifizierter austauschen. Bis dann die ersten Kontroversen auftauchten. Da musste ich mir ganz schnell bewusst machen, dass JEDE Menschengruppe – egal ob behindert oder nicht behindert – die volle Bandbreite von „Typen“ aus der Gesellschaft beinhaltet. Zwar sind einige Verhaltensweise typisch für bestimmte Behinderungen, aber eben nicht alle. Behinderung – egal welche – mag eine Erklärung für einiges sein, was anderen als „seltsam“, „unnormal“ oder „komisch“ vor kommt. Es ist aber keine Entschuldigung für Rücksichtslosigkeit, Gemeinheit etc., es sei denn sie lässt sich z.B. in einer psychischen Störung begründen.

  24. Starker Toback kann ich nur sagen.

    Es geht nicht an, daß aus den eigenen Reihen heraus ausgegrenzt wird, sonst werden wir alle wieder zu den Einzel“kämpfern“, die wir waren, als Menschen mit Behinderungen noch versteckt wurden, weil ihre Behinderung als Makel angesehen wurde.

    Worum geht es aber? Wir möchten intergriert werden, man soll uns in unseren Fähigkeiten wahrnehmen und nicht in unseren Mängeln – so nehme ich mich auch selbst wahr: meine Fähigkeiten nutze ich, meine Mängel substituiere ich. Ich kann zwar kurze Strecken laufen, sitze aber gewöhnlich im Rollstuhl; daher habe ich alltäglich mit ungewollter und meist auch unangebrachter „Hilfe“ zu tun. Ich bemühe mich dann, wenn Zeit ist, aufzuklären.

    Was nimmt meine Umwelt wahr? „Oh, ein Rollstuhlfahrer, der braucht sicher Hilfe.“ Nein, braucht er nicht, er kommt ganz gut allein klar – auch auf der Rolltreppe (wenn der Aufzug kaputt ist). Wenn wir von der (nichtbehinderten) Umwelt verlangen, daß sie jede einzelne wissenschaftliche Unterteilung von Behinderungen und deren Spitzfindigkeiten, die ja Legion sind lernt, ehe wir einen Dialog akzeptieren, werden wir wohl nie zur Integration kommen. Bei allem Verständnis kann ich mich nicht in die Lage eines Blinden hineinversetzen, auch wenn ich mir für einige Zeit die Augen verbinde. Ich kann aber jederzeit akzeptieren, daß ich jemanden vor mir habe, dem ein wichtiger Sinn fehlt. Durch Nachfragen kann ich auch feststellen, ob und welche Hilfe gewünscht ist.

    Ebenso bin ich für Gehörlose, Spätertaubte, usw. ein Aussenstehender, diese Feinheiten spielen für mich auch keine Rolle, lediglich meine Kreativität ist angesprochen, wenn ich es mit einem Menschen zu tun habe, der eine derartige Behinderung hat; wenn er schwer, kaum oder garnichts hört, müssen wir andere Wege der Kommunikation finden.

    Wenn nun „die“ Gehörlosen der Meinung sind, daß Cochlea Implantate schädlich für ihr politisches Anliegen der Intergration sind, dann müssen auch „die“ Gehörlosen dafür sorgen, daß sich da etwas ändert. Weder kann das eine Einzelne, wegen der Schwere der Aufgabe, noch kann sie es deshalb, weil sie nicht ohne Auftrag für „die“ Gehörlosen sprechen kann.

    Ich jedenfalls würde es mir energisch verbitten, wenn jemand ohne meinen Auftrag in meinem Namen die Geschäftsführung für meine Belange übernehmen würde. Jede Behinderung ist nämlich nicht nur in ihrer Form einzigartig, sondern sie ist auch in Historie und Selbstwahrnehmung des „Behinderten“ einzigartig. Darum kann man weder die notwendigen Hilfen, noch persönliches Betroffensein über einen Kamm scheren. Ich fühle mich zum Beispiel unter Einsatz meiner Hilfsmittel alles andere als behindert – behindert werde ich aber oft von meiner Umwelt.

    Ich bin lange Zeit gegen den Rollstuhl angelaufen, doch als er definitiv auf mich zurollte, dachte ich es sei an der Zeit, mich einem Rollstuhlfahrerverein anzuschließen. Leider habe ich da genau das erlebt, was auch hier gerade beklagt wird: Diskriminierung aus den eigenen Reihen. Auch in diesem Verein ging es nur darum, wer der „bessere“ Rollstuhlfahrer ist. Auf sachliche Beiträge wurde mit persönlicher Gekränktheit reagiert, statt mit Offenheit. Es herrschte dort Hauen und Stechen zwischen den Mitgliedern. Darum wurde ich gar nicht erst Mitglied.

    Es ist schade, wenn Engagement und Kraft in Eifersüchteleien und Bevormundungen verschwendet werden, statt im Einsatz für das Wohl und die Integration aller. Für die Intergration können aber nur alle zusammen arbeiten.

    Doch kann nur jeder Einzelne entscheiden, welche Hilfe er braucht und welche er bereit ist, anzunehmen.

  25. Ich sehe es wie Ralf, der folgendes schrieb:

    Ich glaube, dass Marco insbesondere auf die Diskriminierung innerhalb von Minderheiten abgehoben hat und keinerlei Diskusstion unterbinden wollte. Es ging ihm einzig darum, dass sich innerhalb einer Minderheit nicht gegenseitig ausgegrenzt werden sollte. Diese Ausgrenzung führt zu einer Zersplitterung der jeweiligen Gruppe und wichtige Ziele können nicht erreicht werden, weil letztlich wie beim gescheiterten Turmbau zu Babel mit den unterschiedlichsten Zungen gesprochen wird.

    Fazit kann aus meiner Sicht nur sein, dass man sich innerhalb der jeweiligen Gruppe sachlich aber durchaus kontrovers mit einzelnen Themen auseinandersetzt und somit eine gemeinsame Linie festlegt. Nur so können dann wichtige Ziele erreicht werden.

    Wir sollten versuchen gemeinsam an Barrierefreiheit zu arbeiten, statt uns gegeneinander ausspielen zu lassen.

  26. Guten Abend,
    marco, Dir Dank für diesen Beitrag. Ich teile Deine Ansicht, daß solche pauschale Ausgrenzung von menschen , die eine bestimmte Entscheidung für ihre Art ihr Leben zu leben getroffen haben, nicht hinnehmbar ist. Dabei spielt keine Rolle, ob es um Behinderung, medizin oder sonstwas geht. Angegriffen wird die Entscheidungsfreiheit jedes Einzelnen, allein für sich etwas als gut oder schlecht, passend oder unpassend, angemessen oder nicht einzstufen. Das darf ihm kein anderer zum Nachteil auslegen oder ihn deshalb die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft absprechen.
    Für die anderen Mitlesenden der Fairniß halber : ich bin der von marco zitierte Freund, späterblindet mit 18. Gäbe es heute die Möglichkeit, wieder zu sehen, würde ich sie in Anspruch nehmen, wenn die Risiken des Eingriffs den potentiellen Nutzenb _für mich_ wert wären. Das wäre meine Entscheidung , und die wäre für mich richtig. Ich würde sie aber nie einem anderen in gleicher Weise „abverlangen“ oder „versagen“ – ich würde mit meinen Erfahrungen versuchen, Entscheidungshilfen zu geben wenn das gwünscht würde – nicht mehr und nicht weniger.
    Gruß
    Andi

  27. @Martin Stehle: „inkompatible Kulturen“ klingt ganz schön traurig und ich halte es für nicht möglich. Inkompatibel sind Menschen, Kulturen nie.

  28. Hallo Marco,

    vorab bitte ich um Entschuldigung da ich mit Spracheingabe schreibe sind meine Texte mitunter nicht leicht zu lesen.

    Ich sehe deine Kritik als berechtigt an hätte mich aber gefreut du hättest sie Differenziert. Selbiges gilt auch für die Kommentare von Julia. Aber lasst mich kurz vorstellen ich bin Martin 42 Jahre und Spastiker. Spastiker kennen eine Unterscheidung in Spät oder Geburtsspastiker nicht die Krankheit wird an Symptomen festgemacht. Auch Blind zu sein kann unterschiedliche Symptome mit sich bringen, Lichtempfindlichkeit, Sehnenscheidenentzündungen, Pilzerkrankungen und auch ein Verlust des Augeninnendrucks um nur ein Paar zu nennen. Die Tauben Menschen gibt es ebenfalls bestimmte Symptome wie Mangelnde Sensorische Fähigkeit der Extremitäten, frühezeitiger Haarausfall etc. Je nach der Grunderkrankung die Vorliegt aus der heraus man nun Blind ist, Gehörlos ist oder auch Spastiker ist lebt man in einer Ganz anderen Welt.
    Hier ein Beispiel zweier Blinder Freunde, komme ich in die Wohnung des einen ist zu jeder Tages und Nachtzeit die Fensterrollos geschlossen, Licht wird erst angemacht wenn er seine Brille aufgesetzt hat. Eine Freundin von uns setzt sich Abends gerne an unseren Löschteich im Dorf weil man dort so schön den Sonnenuntergang sehen kann. Das ist es worum es in diesem Thema gehen sollte!

    Um Menschen und ihr Individueller Umgang mit Ihrer Krankheit. Nehmen wir hier das Beispiel meiner Frau sie ist Tetraspastikerin und Stumm da der für die Sprache zuständige Muskelapparat bei ihr von der Spastik betroffen ist. Sie spricht heute mit einem Technischen Hilfsmittel. Vor 10 Jahren mit 30 bekamen wir die Diagnose Schwerhörigkeit diese entwickelte sich derart schnell das abzusehen war das es auf Taubheit hinauslaufen würde. Somit stand bei uns auch die Frage wie umgehen damit auch im Raum. Geberdensprache ist für mich zwar Lesbar aber ich werde sie aufgrund meiner Spastik nie Sprechen können. Hörgeräte sind für uns beide nicht zu handhaben (Batteriewechsel) es wurde also auch die Möglichkeit eines CI besprochen. Da meine Frau Ihre Spastik aber aufgrund eines Hirnschadens hat wurde selbiges als zu Riskant verworfen. Mehr oder weniger unser Glück wir kamen vor 2 Jahren in eine Medizinische Studie die mit dem Athol Gen experimentiert mit welchem die Flimmerhärchen in der Schnecke wieder nachwachsen. Mittlerweile hört meine Frau nun wieder genauso gut wie damals als wir zusammen durch die Felder Tobten.

    Bei dieser ganzen Odyse die für Spastiker etwas normales ist die suche nach der Individuellen OP oder dem Individuellen Hilfsmittel, hatten wir auch Einblick in die Herzen vieler Tauber Menschen die sich weis wunder was Einbilden auf Ihre Kompetenz in bezug auf Taubheit und Behinderung. Wir waren ähnlich wie du oft angewidert ob dieser Spießbürgerlichen Art mit der eigenen Krankheit umzugehen. Etwas öfter einfach mal Herzlich lachen über die Ungeschicktheit die andere im Umgang mit einem haben hilft viel schneller als das anfeinden. Wenn mir zum 5-6ten mal die Kreide aus den Händen fällt warum sollen meine Schüler nicht Lachen? Ich muss ja auch meistens selber lachen.

    Das gilt vor allem auch für Julia mit einem Lächeln und Ironie Gewinnt man mehr Herzen als mit Wortklauberei, genau das ist es was du hier betrieben hast du Redest von Gebärdensprache die allen Tauben Menschen Helfen würde in dem du uns die wir sie nie Sprechen können ausschließt, Ich habe dir ja schon auf deiner Seite gesagt das dein Captcha für mich nicht zu bedienen ist also eine unüberwindliche Barriere darstellt. Also sollten alle bei der Diskussion um CI etwas mehr Demut zeigen und auch etwas Mehr Humor.

    Eines möchte ich noch jedem Chronisch Kranken wie uns Blinden, Tauben, Spastikern und auch den gesunden ins Stammbuch schreiben Humanismus muss man nicht Fordern sondern vorleben.

    Liebe Grüße

    Martin

    1. Hallo Martin und alle Anderen!
      Ich verfolge die Diskussion schon eine ganze Weile mit. Ich bin seit vielen Jahren in der Autisten-Selbsthilfe tätig und kenne von dort leider auch Menschen, die „autistischer“ sein wollen als andere. Seit 1 1/2 Jahren befasse ich mich auch mit anderen behinderten Menschen. Es war für mich eine große Bereicherung, auch diese Personengruppen kennen zu lernen. Aber auch dort erfuhr ich von ähnlichen Verhaltensweisen. Mir scheint, das gibt es bei allen Behinderungen.

      Ich selbst bin 2010 an Sarkoidose erkrankt. Wo ich vorher nur von Erzählungen von diversen Einschränkungen wusste, habe ich dadurch so einige selbst erfahren. Ich sehe es genau so wie Martin. Mit Humor mit der eigenen Erkrankung / Behinderung umzugehen ist sehr wichtig. Zum einen für einen selbst, damit man nicht immer verbitterter und depressiver wird (was leider schnell passieren kann), zum anderen damit die Gesunden die Scheu verlieren und sich dann auch informieren lassen. Es ist für Gesunde viel schwerer, mit einem „leidenden“ Menschen umzugehen, als mit einem, der zu seiner Krankheit steht und sie offensichtlich angenommen hat. Und wer die Aufklärung in Humor und Ironie verpackt, erreicht auch viel mehr als mit erhobenem Zeigefinger, denn – egal ob die Aussagen richtig sind oder nicht – kaum einer lässt sich gerne maßregeln, bevormunden oder schulmeisterlich belehren.

      Letztendlich ging es ursprünglich ja um CI oder nicht. Ich kenne sowohl Menschen mit CI als auch Schwerhörige (etc.) ohne. JEDER hat seine ganz eigene persönliche Begründung, warum er ein CI trägt oder nicht. Das ist es doch, was berücksichtigt werden sollte. Menschen sind keine Maschinen. Was dem einen hilft, kann für den anderen ein Problem sein. Das sollte kein Patient und kein Arzt und kein Therapeut vergessen.

  29. Hallo Petra,

    mir ging es ja darum auf die Doppelmoral hinzuweisen mit der Julia versucht ihre eigenen Meinung zu Verkaufen und als für alle Gültig zu erklären. Zum einen bemängelt sie ja das es sich Ennomane nicht um einen Gehörlosen handelt andrerseits sagt sie in Ihrem Pressecodex welchen ja Medien befolgen sollen

    „Verwendet doch besser den Begriff „gehörlos“ oder „taub.“ Damit kann man sich besser identfizieren und empörte Leserbriefe an die Redaktion bleiben auch aus. ;-)“

    Wenn das keine Doppelmoral ist ich weis es nicht. Auch der ständige verweis auf die Gebärdensprache schließt 75% der Taubstummen aus weil sie Spastiker sind und somit nicht die Gebärdensprache erlernen können. Zu fordern die Barrieren für einen selber sollen sinken und die Barrieren aller anderer blenden wir aus hilft nicht. Nehmen wir den Capcha auf der Seite von Augenschmaus er ist Zwar Barrierefrei für Blinde nicht aber für Spastiker mit Spracheingabe. Halbwissen über Behinderungen wie es von Ihr immer wieder Präsentiert wird hilft Niemandem, besonders nicht den Taubstummen wenn sie wie bei Ihr als

    „Der Anteil der Gehörlosen unter den Gehörlosen, die wirklich nicht lautsprachlich kommunizieren können, ist verschwindend klein. Dennoch sind diese Gehörlose ohne lautsprachliche Kommunikationsfähigkeit nicht stumm – sie haben immer noch die Gebärdensprache.“

    Auch noch Fehlinformationen der Welt präsentiert werden. Die Gebärdensprache hilft Menschen mit Spastiken nicht, es braucht hier Alternativen wie beispielsweise das CI.

    Liebe Grüße

    Martin

    Zitat Quelle: http://meinaugenschmaus.blogspot.de/2009/05/ein-wichtiger-hinweis-fur-die.html

    1. Hi Martin, ich bewege mich unter Gehörlosen und kann deinen Hinweis, 75% der Gehörlosen seien Spastiker, nicht bestätigen. Sollte das wirklich so sein, würde es keine Gebärdensprache mangels Einsatzmöglichkeit geben, bzw. nur bei 25% der Gehörlosen. Ich kann das nicht bestätigen. Unter Gehörlosen bin ich bisher sehr selten (1 oder 2 Mal) einem Spastiker begegnet. Meintest du es andersrum: 75% der Spastiker seien gehörlos?

      Ich mag den Begriff „taubstumm“ und „Taubstumme“ nicht, da diese Menschen eine Sprache haben, die Gebärdensprache. Julias Forderung unterstütze ich daher. „Taubstumm“ ist ein Begriff, den ich mir nicht in einem Presseartikel wünsche, auch gar nicht wünsche, genauso wenig wie „ans Rollstuhl gefesselt“.

      Bitte verwende doch in Zukunft den Begriff „gehörlos“, „Gehörlose“ oder „taub“, „Taube“.

      Als Hörbehinderter lerne ich dazu, wie dass Captchas bei Spracheingabe eine Hürde sind.

    2. Hallo Martin,

      Julia ist leider – wie viele in anderen „Behindertenbereichen“ auch – nur auf ihre eigene Situation fixiert. Sie glaubt daran, dass ihre Beiträge zur Aufklärung gut und richtig sind. Und wenn jemand kommt und ihr sagt, dass sie es NICHT richtig macht, dann fühlt sie sich dadurch persönlich angegriffen, weil sie doch denkt, dass sie alles richtig macht. So kann dann leider keine sachliche Diskussion entstehen.

      Du siehst die Thematik aus einem anderen Blickwinkel. Allerdings hängt das wiederum mit Deiner persönlichen Situation zusammen. Das ist nichts Schlechtes, ganz im Gegenteil. Es macht deutlich, wie groß die Unterschiede von Personen sein können, die nicht oder nur eingeschränkt hören können.

      Heutzutage kann sich praktisch jeder hinsetzen und ein Buch schreiben. Autobiographien oder Erfahrungsberichte von Behinderten werden immer öfter gedruckt. Und jeder kann einen Blog eröffnen und dort schreiben wozu er lustig ist (solange er sich nicht strafbar macht natürlich). Die Frage ist allerdings, wen das alles interessiert.

      „Die Medien“ mögen durchaus das eine oder andere lesen, aber ein vernünftiger Journalist recherchiert in mehreren verschiedenen Quellen und nicht nur in einer. Und meistens werden für Publikationen die Informationen von großen Behindertenverbänden heran gezogen und die Meinung z. B. einer „Julia“ geht vollkommen unter. Wenn diese großen Behindertenverbände (die es ja für fast alle chronischen Erkrankungen und Behinderungen gibt) nun eine andere Meinung vertreten als man selbst bzw. selbst eine ganz andere Wortwahl benutzen als einem selbst lieb wäre, dann sollte man doch besser dort ansetzen. Wenn es um Gehörlose geht, dann wäre wohl der Deutsche Gehörlosen-Bund der erste Ansprechpartner. Warum also nicht dort Mitglied werden und dort Verbesserungsvorschläge machen, wie in Zukunft durch stärkere Öffentlichkeitsarbeit das Bewusstsein für eine einheitliche Ausdrucksweise gefestigt werden kann? (Nein, ich bin kein Mitglied und versuche andere zu werben!)

      Es ist definitiv nicht in Ordnung, andere zu diskriminieren. Und welche zu diskriminieren, die „nicht ganz so behindert“ wie man selbst sind, dass ist noch schäbiger. Behindert sein ist doch keine Auszeichnung! Wenn wir uns aber über diejenigen noch besonders aufregen, die diskriminieren, dann bieten wir denen auch noch eine Plattform, das auszuweiten. Jemanden auf einen Fehler hin weisen ist OK. Aber dann muss doch auch Schluss sein. Sonst dreht sich das „Diskriminierungs-Rad“ nämlich um. Und auf einmal diskriminiert man selbst nämlich die Person, die vorher andere diskriminiert hatte. Ist man selbst dann so viel besser?

  30. Hallo Martin,

    „Hi Martin, ich bewege mich unter Gehörlosen und kann deinen Hinweis, 75% der Gehörlosen seien Spastiker, nicht bestätigen.“

    Ich sagte nicht der Gehörlosen sondern der Taubstummen, das ist eine Speziell zu betrachtende Gruppe unter den Gehörlosen. Differenzierung ist wichtig. Spastiker die Taubstumm sind haben keine Gebärdensprache. Diese ständig auszublenden um die eigenen Interessen zu Befördern ist unterdrückung von Minderheiten. So einfach ist das. Das nicht jeder Gehörlose Taubstumm ist darzustellen ist richtig aber die Taubstummen auszublenden ist Falsch! Egal wie klein Ihrer Gruppe dir erscheint.

    Also nochmal ganz Deutlich es Gibt Taubstumme Menschen die keine Gebärdensprache nutzen können, und deren Spastik auch keine Technischen Hilfsmittel kennt! Also Augen auf in einer Diskussion wer nur veralgemeinert in dem er einen Begriff verwendet der andere Ausgrenzt betreibt bewusstes erstellen von Barrieren und Behinderungen. Die Diskussion erfordert einen Differenzierten Blick auf alle Menschen mit Hörbehinderung nicht den ausschluß einzelner Gruppen.

    Martin

    1. Hi Martin, danke für die Antwort, darauf fällt mir einiges ein und werde ich mit zwei Beiträgen antworten.

      Ich gebe dir recht, dass die Gruppe der Menschen mit Taubheit und Spastik nicht außen vor bleiben und ausgeschlossen sein darf. Dass du deine und ihre Schwierigkeiten hier dargestellt hast, ehrt dich und war für mich interessant und ist Antrieb zu neuen Gedanken und – ich hoffe – Lösungen.

      Auch dass dir die Unterscheidung wichtig ist, verstehe ich voll und ganz, habe ich doch selbst hier in einem Beitrag auf Unterschiede zwischen Hörbehinderten hingewiesen.

      Dennoch: Bitte verwende nicht für Menschen mit Taubheit und Spastik den Begriff „taubstumm“. Ich, Julia und die Hörbehindertenverbände wollen diesen Begriff aus dem Journalismus raus haben, damit er nicht fälschlicherweise für Gehörlose verwendet wird. Dass er für eine bestimmte Gruppe – die von dir beschriebene – verwendet werden soll, erschwert diese Bemühungen.

      Ich halte es auch nicht für hilfreich, dem Begriff einfach eine andere Bedeutung zu geben, indem er auf diese Gruppe angewandt wird. Lieber ist mir ein für sie neuer Begriff, der von dem unglücklichen „taubstumm“ ablenkt. „Taubblind“ ist bekannt. Ich erfinde hiermit – wenn es noch keiner vor mir getan hat – den Begriff „taubspastisch“ und „Taubspastiker“. Er holpert noch, doch ich halte ihn für korrekt.

      Damit hast du weiterhin die Unterscheidung, die du wünschst und ich, wir können weiterhin uns gegen die Verwendung von „taubstumm“ einsetzen.

    2. Hi Martin, hier kommt die zweite Antwort zu deinem Hinweis:

      Vorsicht, jetzt stehst auch du kurz vor der Differenzierungsfalle, in die Marco im Eingangsartikel Julia reingetappt gesehen haben wollte.

      Julia verwies in ihrem Blogbeitrag darauf, dass Ennomane in einem TV-Beitrag als gehörlos bezeichnet wurde, entegnete daraufhin, er sei es aber nicht, schließlich gebe es unterschiedliche Begriffe für verschiedene Formen von Hörbehinderung.

      Leider interpretierte Marco darin eine Bewertung in „Gehörlose erster und zweiter Klasse“.

      Ich denke, Julia meinte mit ihrem Blog-Beitrag auf unterschiedliche Begriffe nicht auch noch, Menschen werten zu wollen. Eine von dir gesehene „Doppelmoral“ sehe ich darin nicht, sondern einen Beitrag zur Richtigstellung.

      Ich denke, auch du, Martin, hast nicht die Absicht, Menschen werten zu wollen, wenn du zwischen Gehörlose und Taubspastiker unterschieden sehen willst. Ich könnte hier ja deine Doppelmoral-Keule auf dich zurückschwingen, aber erstens diskutiere ich so nicht und zweitens nehme ich an, dass du keine Wertung, sondern eine Berücksichtigung auf eine bestimmte Gruppe von Menschen herstellen und zu einer sachlichen Differenzierung beitragen wolltest. Ich denke, auch Julia wollte das mit ihrem Blog-Beitrag.

  31. Ich möcht mal von der Debatte abstrahieren. In Julias Aussage sehe ich v.a. einen fundamentalen Medienfehler bzw. eine Fehlbewertung der Medienwelt.

    Julias Logik ist ja: Wenn die Medien das Cochlear-Implantat nicht mehr „hochjubeln“, nimmt der Druck auf Betroffene ab. Die Menschen, die vor einer CI-Entscheidung stehen können besser entscheiden. Darum nicht berichten.

    Das ist völlig verquer. Analoge Beispiele für Sachen die ggf. in den MEdien gehypt werden:
    Die Bild-Zeitung hebt besonders Automarke xy in den Himmel. Beeinflusst das meine Kaufentscheidung? Kann sein.
    Die Medien haben die letzten Jahre die Riester-Rente bejubelt. Hindert das meine kritische Auseinandersetzung mit Riester-renten, wenn ich vor dem Abschluss einer solchen Versicherung stehe?
    Nein, es verlangt in erster Linie von Betroffenen und ihrem Umfeld eine kritische Auseinandersetzung mit Medien. „Nichtberichten“ ist keine Lösung. Und die Annahme, es gäbe eine „neutrale“ Medienberichterstattung – naiv.

    1. „Lustig“ ist, dass Julia Probst einerseits den Medien vorhalten will, worüber sie wie zu berichten haben und ihnen quasi vorwirft, dass Medien mit an der Verherrlichung von Cochlear Implantate schuld sind.

      Andererseits ist sie sich selbst nicht zu schade, eben diese Medien zu nutzen, um sich ins Licht zu setzen und die mediale Aufmerksamkeit für sich zu gewinnen.

      Ein Schelm, wer Böses denkt …

  32. Die Julia Probst ist eine Sprücheklopferin welche sogar Leute aus den eigenen Reihen diskriminiert, Kompetenz hat die Frau in keiner Weise und deshalb gehört sowas auch NICHT in den deutschen Bundestag! Das wäre absurd, da könnte man auch gleich die Mainzelmännchen dort auflaufen lassen ^^

    1. Endlich mal jemand, der das ausspricht, was ich auch denke! SOWAS im deutschen Bundestag, das kann nicht wahr sein.

      So richtig verstehe ich die Piraten nicht, warum sie das so zugelassen haben. Haben sie Angst, einer behinderten Quotenfrau zu widersprechen? Meinen sie, dann diskriminieren sie? Oder viel kalkulierter: Erhoffen sie sich mit einer Frau aus einer Randgruppe mehr Aufmerksamkeit und damit auch mehr Stimmen für die Bundestagswahl.

      So oder so: Die Piraten sind damit – um die Worte von Julia Probst für unseren Bundespräsidenten Gauck selbst zu nehmen – unwählbar geworden.

      Schrullig finde ich, dass Julia Probst noch immer hierzulande verweilt. Hatte sie am 19.Februar nicht “angedroht”, sie wandere im Sommer aus, wenn Gauck als B-Präsident gewählt wird? Warum ist se noch immer da und tut sie uns nicht diesen Gefallen?

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