Es kommt immer schlimmer, als man denkt

Es gibt gleich zwei Dinge, die mich in meinen Sorgen um Deutschland und Europa bestätigen bzw. meine Befürchtungen noch um ein vielfaches übertreffen.

Das eine ist ein aktuell im Radio (NDR2-Nachrichten vom 02.08. um 7:30 Uhr) veröffentlichtes Ergebnis einer ARD-Deutschlandtrend-Umfrage. Laut dieser halten 70% der Befragten Angela Merkel und Wolfgang Schäuble für die besten Manager der Euro-Krise. Zusätzlich führen diese beiden Politiker die Liste der beliebtesten Politiker Deutschlands an.

Angesichts dessen, dass u. a. Angela Merkel durch ihr Zögern und Zaudern eine erhebliche Mitschuld am Auswuchs der Eurokrise trägt, und auch Herr Schäuble sich während der ganzen Zeit öfter mal durch erschreckende Unkenntnis der Tatsachen hervortat, verwundert diese Bewertung des gemeinen Wahlvolkes doch sehr!

Und um dieses Gefühl der arglistigen Täuschung des Volkes durch seine gewählten Volksvertreter und der von ihnen eingesetzten Regierung noch zu unterfüttern, gibt es bei Telepolis einen weiteren Artikel zum Thema ESM, der aufzeigt, welche Tragweite dieser wirklich hat.

Die Tatsache, dass die Abgeordneten des deutschen Bundestages mehrheitlich dieses Vertragswerk nicht verstanden oder die Analyse geflissentlich ignoriert haben, bestärkt auch mich in dem Eindruck, dass hier Ermächtigungsgesetze in einer neuen Form erlassen werden sollen. Und ja, ich stehe zu diesem Begriff, denn der Bundestag versucht im übertragenen Sinne nicht viel anderes als es der Reichstag im März 1933 tat.

Und das Wahlvolk, das keine echte Wahl hat, weil die etablierten Parteien alle dem Banken- und Finanzsystem hörig sind, schaut mit Zweidrittelmehrheit zu und bejubelt die versuchte Abschaffung unserer Demokratie.

Deutschland, ich sorge mich um dich!!! Denn ohne ein gültiges Wahlrecht hat dieses Volk nämlich auch keine Möglichkeit, diese Regierung und das sie stützende Parlament abzuwählen. Wie passend, dass das Bundesverfassungsgericht diesen von vornherein zum Scheitern gestaltete Entwurf wieder kippen musste und Deutschland zur Zeit ohne ein Wahlrecht überhaupt da steht!

2 Gedanken zu „Es kommt immer schlimmer, als man denkt“

  1. Diese Bewertung des „gemeinen“ Wahlvolk ist ausnahmsweise sogar sehr vernünftig. Weil derzeit in Deutschland alternativlos. Die von dir des Zögerns und Zauderns bezichtigte A. Merkel ist die einzige ernstzunehmende politisch einflussreiche Persönlichkeit, die sich – noch – nach Kräften wehrt, Geld in unvorstellbarer Menge im Mittelmeer zu versenken. Das ist nicht Zögern und Zaudern, sondern ein heroischer, obgleich vermutlich nicht zu gewinnender Kampf gegen finanz- und geldpolitsche Ignoranz. Je weiter links, desto lauter und hemmungsloser sind die Forderungen nach Eurobonds und Anleihekäufen durch die EZB, also eine direkte Subventionierung jahrzehntelanger geldpolitischer Schluderwirtschaft der sogenannten „Krisenstaten“ durch den deutschen Steuerzahler.
    Ich teile deine Sorgen, aber nicht deine Schuldzuweisung in Richtung A. Merkel und W. Schäuble. Ja, Frau Merkel zögerte zu lange – vermutlich zu lange, auf der Einhaltung der EU-Verträge zu bestehen, diesen Vorwurf muss sie sich gefallen lassen. Ein konsequentes Nein zum Griechenland-Bailout vor 2 Jahren wäre die einzige Möglichkeit gewesen, die Krise nicht bis zum derzeitigen Status eskalieren zu lassen. Aber jede Regierung links der aktuellen wäre gar nicht auf die Idee gekommen, dass man von Vertragspartnern die Einhaltung von Verträgen einfordern könnte.
    „Unter Blinden ist der Einäugige König.“ Selten hat dieser Spruch besser gepasst als auf die derzeitigen Protagonisten der deutschen Politik. Und das „gemeine Wahlvolk“ hat dafür offenbar ein feines Gefühl.

Was denkst Du darüber?