Bei ARD und ZDF gucken Sie in die erste Röhre

Am 25.06.2012 kündigten ARD und ZDF Kabel Deutschland die Verträge zur Einspeisung von HD-Inhalten ins digitale Kabelnetz. Da es bisher keine Einigung gab, werden seit heute diverse Kürzungen im Umfang der öffentlich-rechtlichen Angebote bei Kabel Deutschland wirksam.

Zum einen wird die Bandbreite für HD-Inhalte auf das Niveau heruntergestrichen, das man von den HD-Inhalten der Privatsender kennt. Dies bedeutet eine deutliche Verschlechterung der Bildqualität. Statt gestochen scharfen Bildmaterials gibt es in Zukunft Matsch in 1080P Auflösung.

Zum zweiten werden die Regionalangebote der dritten Programme zusammengestrichen. Hamburger N3-Zuschauer können somit ab sofort nur noch die regionalen Zeitfenster aus Hamburg gucken, nicht mehr die aus Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen oder Schleswig-Holstein.

Ob von der Bandbreitenkürzung noch weitere Angebote betroffen sind wie z. B. die alternative Tonspur für Hörfilme für Blinde, ist nirgends zu finden. Da es sich aber um eine komplette Tonspur handelt und die Privaten nicht gerade dafür bekannt sind, dass sie diese ausstrahlen, steht zu befürchten, dass es auch hier Einschränkungen geben könnte.

Angesichts dieser Tatsache empfinde ich folgenden Auszug aus der Meldung bei Tagesschau.de als reinen Zynismus:

„Das ist eine freie unternehmerische Entscheidung eines Anbieters, der im Wettbewerb steht“, erklärte Walther Kehr, Sprecher des MDR, der in dieser Frage in der ARD federführend ist. Nach erster Einschätzung seien dadurch „die gesetzlichen Regeln nicht verletzt“. Zudem gebe es zahlreiche andere Anbieter, sodass „genügend Empfangsalternativen für die Zuschauer zur Verfügung stehen“, sagte Kehr.

Schauen wir uns diese „Alternativen“ doch mal genau an:

Das terrestrisch, also über Haus- oder Zimmerantenne, empfangbare digitale Fernsehen DVB-T, das „Überall-Fernsehen“, bekommt lediglich beim ZDF lediglich Hörfilmfassungen auf einer qualitativ deutlich schlechteren Tonspur eingespeist. In sämtlichen ARD-Programmen wird keine Einspeisung der Hörfilmfassung vorgenommen. Dies hat angeblich Kompatibilitätsgründe, wie mir ein Mitarbeiter des NDR im Jahr 2010 per E-Mail schrieb. Sämtliche blinde und sehbehinderte Zuschauer, die die öffentlich-rechtlichen Sender per DVB-T empfangen müssen, haben hier also von vorn herein kein oder ein deutlich schlechteres Angebot als Kunden des Kabelfernsehens.

Satellitenempfang bekommt nach meinen Informationen eine ähnlich gute Einspeisung an Hörfilmangeboten wie das Kabelfernsehen. Allerdings können sich wohl nur Eigenheimbesitzer, und auch hier nur die mit eigenem haus und Grundstück, eine Satellitenschüssel hinstellen. Eigentümergemeinschaften oder Vermieter erlauben in der Regel kein Anbringen einer Satellitenschüssel, wenn dies technisch überhaupt realisiert werden kann. Auch hier ist also eine erhebliche Einschränkung zu verzeichnen.

Schaut man sich ein Internet-TV-Angebot wie T-Home Entertain von der Telekom an, so ist auch hier keine Einspeisung von Hörfilmangeboten zu verzeichnen. Ich war selbst ein Dreivierteljahr Entertain-Kunde, und es gab bei dem von der Telekom zur Verfügung gestellten Media Receiver keine Möglichkeit, eine alternative Tonspur einzustellen. So blieben für mich die Tatort-Hörfilm-Angebote und sämtliche anderen Hörfilme unerreichbar. Eine Anfrage bei der Telekom bestätigte, dass sie das Material weitergeben, das sie von den Anbietern bekommen, und sie können selbst keine weiteren Tonspuren aufschalten.

Kabelfernsehen, außerhalb von Baden-Würtemberg mit einem überwiegenden Marktanteil von Kabel Deutschland zur Verfügung gestellt, ist also die einzige Quelle, die man berechtigterweise als allumfassend für das Hörfilmangebot für Blinde bezeichnen kann.

Und nun stellt sich ein von staatlichen Mitteln getragener Verbund von Sendern hin und sagt: „Ihr seid ja eh gesetzlich verpflichtet, unser Angebot zu übernehmen, also brauchen wir euch dafür nichts zu bezahlen.“ Kabel Deutschland ist jedoch im Gegensatz dazu kein staatliches Unternehmen und muss Kapazitäten für die höheren Qualitäten zur Verfügung stellen. Dass sie sich das bezahlen lassen wollen, kann ihnen keiner vorwerfen.

Und jetzt denken wir nochmal einen Schritt weiter: Im September 2012 erhielt ich von der GEZ ein Mitteilungsschreiben, in dem mir die neue Gebührenstruktur erläutert wurde. Ab 2013 muss jeder Haushalt eine Rundfunkgebühr entrichten. Das Zeichen RF im Schwerbehindertenausweis, das bisher für eine Befreiung von der GEZ-Gebühr stand, bewirkt jetzt lediglich noch eine Minderung des zu zahlenden Betrages. Ich soll also in Zukunft für eine Leistung Geld bezahlen, die sich gerade zum Start des neuen Jahres verschlechtert hat, weil genau der Verbund an Sendern für eine Dienstleistung kein Geld mehr bezahlen will. Dazu kommt, dass sich die Situation an Hörfilmangeboten, Untertiteln oder Übersetzung in die deutsche Gebärdensprache in den letzten Jahren nur marginal verbessert haben.

Das haben dann, nachdem das neue Gesetz schon seit Mitte 2011 in trockenen Tüchern ist, jetzt auch unsere Interessenvertreter, die Behindertenverbände, gemerkt, und rechtzeitig zu Weihnachten 2012, wo das eh keiner beachtet, ging dann also ein Aufpiepsen durch die Gemeinde. Angeblich soll es Verhandlungen und Gespräche gegeben haben und weiter geben, aber wie in Deutschland üblich hinter verschlossenen Türen, ohne jegliche Transparenz und ohne die mögliche Einflussnahme derer, deren Interessen wirklich vertreten werden müssten.

Ich freue mich schon auf die erste Zahlungsaufforderung der GEZ und das Widerspruchsschreiben, das ich denen daraufhin um die Ohren hauen werde!

Der Sport und ich – ein neuer Versuch

Oh ja, der Sport und ich, das ist ein ganz schwieriges Thema! In Sport war ich nie gut. Auf Zeugnissen gab es zum überwiegenden Teil meiner Schulzeit die Note 4, manchmal auch die Note 3, dann aber meistens mit einem imaginären dicken Minuszeichen davor. Im Gegensatz dazu hatte ich in Schwimmen immer bessere Noten. Sport hat mir nie Spaß gemacht. Ich habe nie dieses euphorische oder befriedigende Gefühl empfunden, von dem mir andere Sportler immer vorschwärmen. Ich habe immer das Gefühl gehabt, ich quäle mich zum Ziel,Muskelkater waren mir verhasst, sie schränkten mich in meinem Wohlbefinden ein, und ich empfand sie nie als „gute Erinnerung“ an die erbrachte Leistung. Von anderen, echten, Sportverletzungen fange ich lieber gar nicht erst an. Vielleicht fehlt mir ja die Endorphinausschüttung, die andere beim Sport empfinden und die die Ursache für dieses befriedigende Gefühl ist. Ich hasse es auch zu schwitzen.

Ich weiß aber, dass ich rein von der Vernunft her Sport machen müsste. Ich bin übergewichtig, auch nicht gerade wenig, und in meiner Familie gibt es diverse Fälle von Altersdiabetes. Und auch die Moppeligkeit ist in meiner Familie weit verbreitet. Und obwohl Sportfanatiker es vehement abstreiten, glaube ich, dass es auch eine gewisse genetische Disposition dazu gibt, ob man tendenziell schlank oder nicht ganz so schlank ist.

Nun habe ich aber auch das Gefühl, der Sport, der mir so richtig Spaß macht und mich nachhaltig an Gewicht abnehmen lässt, muss erst noch erfunden werden. Wie ich oben schon schrieb, hat mir Sport nie Spaß gemacht. Am verhasstesten war mir das Lauftraining. Es gibt in meinen Augen keine monotonere und stupidere Art Sport zu machen als kilometerweise vor sich hin zu joggen. Dazu käme, dass, sollte ich laufen wollen, ich wegen der Blindheit einen Laufpartner bräuchte. Ich wäre also immer von jemandem abhängig, und das birgt grundsätzlich einen erheblichen Unsicherheitsfaktor, auf den ich absolut keinen Wert lege.

Auch bin ich niemand, der sich vorstellen kann, sich an irgendwelche „Foltergeräte“ in Fitnessstudios zu klemmen. Es geht mir nicht darum, wie Arnold Schwarzenegger rumzulaufen, sondern darum, Gewicht zu reduzieren.

Schwimmen würde ich gern wieder regelmäßig. Mein Problem ist aber, dass ich bisher in Hamburg noch keine Schwimmhalle gefunden habe, in der ich mich so gut zurechtfand, dass ich mir einen regelmäßigen Besuch allein vorstellen könnte. Dazu kommt, dass ich ja zur Orientierung außerhalb des Beckens einen Stock benutze und den irgendwo lassen muss. Ein Blindenstock übt eine nahezu magische Anziehung auf Halbstarke mit Flausen im Kopf aus, so dass ich nicht die Garantie hätte, dass er hinterher noch dort ist, wo ich ihn abgelegt habe. Es müsste also ein halbwegs übersichtliches Schwimmbad sein, das zumindest zu bestimmten Zeiten nicht zu sehr von Blödsinn machenden Jugendlichen oder anderweitig Halbstarken frequentiert wird, eine abgegrenzte Bahn zum Schwimmen hat und nicht in Timbuktu liegt. 😉

Etwas anderes, das mir während meiner Internatszeit sehr viel Spaß gemacht hat, und das ich auch nach einem Krankenhaus im Jahr 2007 wieder neu aufnahm, war Judo. In dem Verein in Bergedorf, in dem ich bis Ende 2010 recht regelmäßig aktiv war, bin ich bis zum orange-grünen Gürtel gekommen. Das ist der vierthöchste Schülergürtel. Ich bin jetzt zwar zwei Jahre wieder draußen, bedingt durch meinen Umzug von Kirchwerder nach Barmbek und die damit verbundenen Umstellungen. Ich habe aber gerade Kontakt zum nächst gelegenen Judoverein aufgenommen und gehe kommenden Mittwoch zu einem Probetraining. Das wird auf jeden Fall eine regelmäßige Ertüchtigung, wenn die Chemie zwischen mir und der Breitensportgruppe stimmen sollte. Es wird dort mit Sicherheit auch gelaufen, aber zum Glück nur zum Aufwärmen. 😉

Ich werde weiter berichten!