Dritter Toronto-Besuch

Nach dem November letzten Jahres und dem Juli diesen Jahres sind Hexe und ich seit Samstag das dritte Mal in Toronto in Kanada. Und es fühlt sich inzwischen fast so an wie ein Nach-hause-Kommen. Wir sind jetzt das zweite Mal im Hilton Garden Inn Downtown Toronto. Das neue Büro von Mozilla Kanada liegt in der nächsten Querstraße, der Adelaide Street, ist also wirklich in einer Minute Fußweg zu erreichen.

Als wir ankamen, zeigte sich gleich wieder die Stärke eines Blindenführhundes in bekannter und neuer Umgebung. Hexe erkannte sofort die Umgebung wieder, fand ohne Zögern den Eingang zum Hotel, die Rezeption und die Fahrstühle. Da wir ein anderes Zimmer bewohnen, musste sie natürlich kurz lernen, welche Tür jetzt die richtige ist, das war aber beim zweiten Mal auch schon kein Thema mehr.

Und auch den weg zum Gassi-Park zwei Straßen weiter fand sie auf Anhieb. Sie machte schon am Hotelausgang den richtigen Richtungswechsel, fand die Ampel, die über die King Street führt, und bog auch richtig auf die Wellington Street ab.

Im Park war sie natürlich wieder von den hier viel größeren Eichhörnchen fasziniert, die frech überall herumstreunten und dann auf die Bäume flüchteten, nur um sie und auch andere Hunde von dort oben herausfordernd anzustarren. Die sind hier fast so frech wie in deutschen Großstädten die Tauben!

Auch heute morgen beim Frühstück gab es eine Wiedererkennung der Umgebung, und auch mehrere Mitarbeiter erinnerten sich an uns. Der Kellner wusste sogar noch, wie ich meinen Kaffee am liebsten trinke!

Heute Abend werde ich in dem gleichen italienischen Restaurant essen, in dem wir auch vor einem Jahr schon waren, und ich freue mich sehr drauf!

Dieser dritte Toronto-Besuch fühlt sich wirklich schon fast an wie ein zweites Zuhause. Man kennt die Umgebung mittlerweile, ich komme mit der Mentalität gut klar, und Hexe macht durch ihr sehr souveränes Verhalten und ihre Leichtigkeit beim Führen auch eine ganze Menge aus. Auch sie fühlt sich sehr wohl hier.

Erster Tag in Toronto

Ich befinde mich zur Zeit beruflich in Toronto, Ontario, Kanada. Am Samstag, 13.11., sind Hexe und ich über Frankfurt nach Toronto geflogen. Obwohl es diesmal im Flieger ziemlich eng war, haben wir den 8 1/2-stündigen Flug gut überstanden.

Die Einreise nach Kanada ist außerhalb der EU die angenehmste, die ich bisher erlebt habe. Dies ist, nach zwei Einreisen in Vancouver, mein ins gesamt dritter Kanada-Besuch, und jedes mal habe ich das Gefühl, bei Freunden zu Gast zu sein. Es findet eine Passkontrolle statt, man wechselt ein paar Worte mit dem jeweiligen Kontrolleur, aber mehr passiert auch nicht, wenn man nichts zu verzollen hat. Hexe und ich sind einfach so ins Land gelassen worden. Es finden keine erkennungsdienstlichen Maßnahmen wie Fingerabdrücke nehmen oder Fotografieren statt. Alle sind sehr freundlich und total entspannt.

Was gleich auffällt sind die zweisprachigen Ansagen in englisch und französisch. In Kanada sind beide Sprachen Amtssprachen, und obwohl Ontario primär englischsprachig ist, findet man doch überall an öffentlichen Orten zweisprachige Hinweisschilder o. ä. Mir wurde von meinem Kollegen David erzählt, dass in Quebek es Gebäude oder Plätze gibt, die stur nur auf französisch ausgezeichnet sind. Dies machte mich schmunzeln, gibt es doch auch genug Franzosen, die sich schon aus Prinzip weigern, englisch zu sprechen, obwohl sie es können. 😉

Die Taxifahrt zum Hotel Holiday Inn Bloor Yorkville verlief etwas schleppend. Das lag am dichten Verkehr: An diesem Abend spielte die Eishockey-Mannschaft Torontos gegen die Vancouvers, und die ganze Stadt war voller Fans. Und obwohl Toronto mit 3:5 verlor, gab es den ganzen Abend über überhaupt keinen Stress. Auch im Hotelrestaurant, in dem ich ein Abendessen zu mir nahm, lief der Fernseher, wo das Spiel übertragen wurde. Es herrschte überall eine gute Stimmung.

Das Hotelpersonal war von Anfang an sehr darauf bedacht, uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Der Mitarbeiter, der mich eincheckte, bot sich sofort an, mit mir auf die Suche nach einer Grünfläche für Hexe zu gehen. Er begleitete mich auch zum auf der anderen Straßenseite gelegenen Supermarkt, um ein Hundefutter für sie zu kaufen. Er war selbst mal Hundebesitzer und konnte mir daher beratend zur Seite stehen. Hexe mag das Futter auch, und sie verträgt es ohne Probleme.

Die erste Nacht war ruhig. Ich schlief wie ein Stein, da ich im Flieger nicht geschlafen hatte.

Nach der morgendlichen Gassi-Runde gingen wir zum Frühstück. Wir saßen kaum, da gingen plötzlich die Lichter aus, die Musik verstummte, und man hörte nur noch das hektische Piepsen diverser Warm- oder Kühlhaltevorrichtungen, die anzeigten, dass ihnen der Lebenssaft ausgegangen war. 🙂 Der Stimmung tat dies keinen Abbruch, es wurden ein paar Kerzen aufgestellt, Kaffee gab es noch zur Genüge, und einige der Frühstücksköstlichkeiten konnten auch ohne funktionierenden Toaster o. ä. genossen werden.

Nach 45 Minuten war der Strom wieder da. Ich muss zugeben, dass ich doch sehr drüber schmunzeln musste. Bei meinem allerersten Kanadaaufenthalt in Whistler zum Mozilla Summit 2008 gab es in dem dortigen Hotel auch einen Stromausfall. Der Grund war damals ein Wäschereiwagen, der den Generator des Hotels k.o. gefahren hatte. Damals dauerte es 8 Stunden, bis die Stromversorgung wiederhergestellt war. Das einzige, was funktionierte, war das WLAN, das über das Notstromaggregat lief. Hinzu kam, dass einen Tag vorher ein massiver Erdrutsch die direkte Route nach Vancouver blockiert hatte und bis zu unserem Konferenzende nicht wieder freigegeben werden könne. Aber wir konnten der ganzen Welt von unserer Lage berichten! 😉

Den restlichen Vormittag verbrachten Hexe und ich gemütlich im Zimmer. Ich twitterte, ging meine Mails durch, und Hexe schlief. Die Kleine war von der Reise immer noch ziemlich platt.

Nachmittags trafen David und ich uns mit Aaron Leventhal, der zufällig auch in Toronto war, und verbrachten den Nachmittag mit Fachsimpeln, uns gegenseitig über unsere Leben auf den neuesten Stand bringend usw.

Den Abend ließen wir gemütlich bei einem Kaffee in der Hotelbar ausklingen.

Heute ist Montag, und es steht mein erster Besuch im Mozilla-Büro in Toronto an. Das Büro ist nur 5 Gehminuten vom Hotel entfernt, und ich bin schon sehr gespannt!

Ein Rückblick auf die USA-Reise

Hexe und ich sind wieder in Deutschland, der Jetlag hat voll zugeschlagen, und es ist Zeit mal zurückzuschauen auf eine ereignisreiche Woche in den USA.

Nach den ersten zwei Flügen von Hexe gingen die Abenteuer in Kalifornien ja richtig los. Die Bürgersteige am El Camino Real und anderswo in Mountain View sind doch etwas anders gebaut als in Deutschland. Es geht viel mehr auf und ab, Baumwurzeln können schon mal dazu führen, dass man eine Bodenwelle von ca. 50 cm Höhe übersteigen muss. Auch Ampelmasten sehen anders aus, und sie stehen eigentlich immer nicht direkt am Überweg, sondern man muss kleine Umwege laufen. Und eine grüne Fußgängerampel heißt nicht zwangsläufig, dass man als Fußgänger auch einfach unbedarft überqueren darf. Ich weiß nicht, ob die USA auch so etwas wie den grünen Pfeil kennen, es fühlte sich aber so an, und die Autfahrer gehen im Silicon Valley teilweise ganz schön rasant zu Werke! 🙂

Hexe ist aber ein so souveräner und gut ausgebildeter Hund, dass sie das alles mit Bravur meisterte und schnell lernte, wie in Amerika der Hase läuft!

Auch im Büro von Mozilla konnte Hexe ihre Qualitäten richtig zur Geltung bringen. Die Büroräume sind auf zwei Etagen verteilt und eigentlich gar keine echten Räume, sondern eher so halb offene Arbeitsplätze. Die einzigen abgeschlossenen Räume sind Konferenzräume in unterschiedlichen Größen, und selbst die sind rundum verglast, so dass das alles sehr offen wirkt, passend zur Philosophie von Mozilla. Weiterhin gibt es in großen, offenen Bereichen Schreibtische in einer oder mehreren Reihen in der Mitte angeordnet. Es gibt mehrere Küchenbereiche mit großen Kühlschränken und Kaffeemaschinen, und es gibt „Ten Forward“, einen sehr großen, mit Sesseln, Couchen und sogenannten „Booths“ ausgestatteten offenen Bereich im Zentrum des einen Stockwerks. Diese Booths sind Bereiche mit zwei sich gegenüber stehenden Zweisitzenrrn und einem Tischn der Mitte und Trennwänden zu beiden Rückenlehnen.

Mit dem Stock ist es eine echte Herausforderung, diese Bereiche zu navigieren. Es ist auch nicht alles rechtwinklig, und Leitlinien sind auch keine regelmäßigen da. Hier zeigt sich die Stärke eines sogenannten „aktiven Hilfsmittels“, als das ein Blindenführhund gilt: Hexe konnte ohne Probleme den richtigen Weg finden, die Abzweigungen ausmachen und ihnen folgen und eventuell herumliegenden Notebooktaschen ausweichen. Wege zu Konferenzräumen, dem Klo oder „unserem „Booth waren somit überhaupt kein Problem. Und klar, der Weg zum büffet wurde immer gefunden! 🙂

Ich kam mir dieses Mal bei meinem Besuch im Mozilla-Office sehr viel selbständiger vor, musste nicht mehr ständig nach dem Weg fragen oder einen Kollegen um Hilfe bitten. Während dies natürlich eigentlich sehr kommunikationsfördernd war, ist es natürlich irgendwann einfach langweilig, ständig nach dem Weg zur Toilette fragen zu müssen. 😉

Am Mittwochnachmittag war dann die Zeit des großen Ausflugs gekommen. Während die Kollegen eine Segway-Tour machten (siehe unten verlinktes Foto-Set), gingen hexe, Elizabeth 8die Frau meines Managers) und ich an den Strand von Rockaway Beach und umliegende zu einem Spaziergang. Hier lernte ich das erste Mal den Nebel der San Francisco Bay Area kennen. In Mountain View fuhren wir bei strahlendem Sonnenschein und ca. 25° Celsius los, als wir in Pacifica ankamen, war die Sonne oberhalb einer massiven Nebelbank verborgen, und die Temperatur war um mindestens 7° gefallen. Für meinen Hell-Dunkel-Sehrest sah das aus wie ein ziemlich wolkenverhangener Himmel. Der Nebel war so dicht, dass man teilweise die Wassertropfen auf der Haut spüren konnte.

Hier sind die Videos, die während dieses Ausflugs entstanden sind:

  1. Hexe erkundet ihre Umgebung
  2. Blick über Rockaway Beach
  3. Hexe spielt mit einem anderen Hund….gerade nicht mehr
  4. Blick von einer Hügelkuppe auf den Strand südlich von Rockaway
  5. Hexe ist der Pazifik nicht geheuer, sie passt lieber auf mich auf
  6. Blick auf die Serpentinen, die den Hügel hinauf führen, und übers Wasser auf einen kleinen Streifen Sonne

Die Fotos, die eine Kollegin während der Segway-Tour gemacht hat, gibt es in diesem Photo Set auf Flickr. Und ja, ich stehe auf dem Teil und er hält mich nicht fest! War ganz schön abenteuerlich, so den Kontakt zum Boden und somit meiner Umgebung zu verlieren. Ich bin aber froh, dass ich das gemacht habe!

Es folgten noch eineinhalb Tage Arbeit, bevor es dann am Freitagvormittag zurück in Richtung San Francisco ging und somit heimwärts. Der Rückflug war ähnlich erfolgreich und von vielen Flirts zwischen Hexe und dem Kabinenpersonal geprägt. Wir saßen diesmal in einer Boeing 747-400 in der ersten Reihe der Touristenklasse. Es gab natürlich deutlich weniger Platz als in der Business Class vor einer Woche, aber es war OK. Im Gegensatz zum Hinflug saute ich mich diesmal auch wieder standesgemäß ein, so dass man nachher auf meinem T-Shirt spuren dessen erkennen konnte, was es auf dem Flug zu essen gab. 😉

Am Samstagnachmittag um 14:40 Uhr landeten wir pünktlich am Flughafen Hamburg. Die Assistenz hatte mit drei Rollstühlen zu rangieren. Hexe und ich beschlossen daher, nicht auf den Menschen vom DRK zu warten, sondern orientierten uns an einem Mitreisenden, der auch zur Gepäckannahme musste. Im unten verlinkten Fotosatz gibt es ein Bild, auf dem hexe ganz neugierig auf das Förderband guckt, wo denn unser Gepäck bleibt. 😉

Diese Reise war für Hexe und mich sehr gut, was die Teambildung angeht, und ein toller Auftakt zu hoffentlich vielen jahren weiterer solcher Reisen! So gut, wie sie auch bei den Kollegen, dem Hotelpersonal usw. ankam, darf ich sie in Zukunft nicht zu Hause lassen! 😉

Und hier der Fotosatz zur Reise!