Hexes erste zwei Flüge

Es ist schon eine Weile her, dass ich hier zuletzt von der Blindenführhundschule aus gebloggt habe. Inzwischen ist einiges passiert: Hexe ist zu mir umgezogen, wir haben die Einarbeit beendet und die Gespannprüfung, sozusagen unseren „Führerschein“, bestanden.

Ich befinde mich zur Zeit in Kalifornien, werde hier bis zum 17. eine Arbeitswoche bei meinem Arbeitgeber Mozilla absolvieren. Am gestrigen 11.09. sind wir hierher geflogen. Falko, mein inzwischen pensionierter alter Blindenführhund, macht Urlaub bei meinen Eltern. Hexe begleitet mich in die USA. Im Gegensatz zu England hat man überhaupt kein Problem, mit Blindenführhund in die USA einzureisen.

Ich war sehr gespannt, wie sich Hexe bei ihrem ersten Flug machen würde. Die erste Etappe führte uns von Hamburg nach München. Schon beim Einchecken bezauberte sie die Frau am Schalter mit ihrem Charme. Sie wurde als „Seeing Eye Dog“ eingebucht. Seeing Eye ist die größte und wohl bekannteste Blindenführhundschule der USA. Da weiß im Grunde jeder sofort, worum’s geht.

Die erste Sicherheitskontrolle wurde ebenso mit Bravur gemeistert wie das Einsteigen in den Flieger. Hexe hat die ganze Zeit gearbeitet und ist den Leuten gefolgt, die mich betreut haben. Der Betrieb am Flughafen hat sie überhaupt nicht beeindruckt.

Im Flieger hatten wir dann zwei Plätze nebeneinander, hexe legte sich vor den Fensterplatz, und ich saß auf dem mittleren der drei Sitze. Neben mir saß noch ein anderer Passagier. Lediglich beim Start hob sie einmal den Kopf, um zu gucken, was hier passierte, warum das Flugzeug plötzlich so stark beschleunigte. Danach blieb sie ruhig liegen, bis auf ein, zweimal umdrehen, um die Liegeposition zu verändern.

In München hatten wir dann zum Glück soviel zeit, dass ein letztes Gassi gehen möglich war. Wir mussten dann zwar erneut durch die Sicherheitskontrolle, was nicht nötig gewesen wäre, wenn wir das Gebäude nicht verlassen hätten, aber so what? 🙂 Der freundliche Herr,, der uns in München betreute, war selbst Hundebesitzer und wusste sofort, wo wir hingehen konnten. Ich hatte das vorher von Hamburg aus durchgeben lassen.

Das Einsteigen in den Airbus A340-600, der uns nach San Francisco fliegen sollte, gestaltete sich ähnlich unproblematisch wie das erste Einsteigen in Hamburg. Hier hatten wir sogar richtig viel Platz: Weil in der Economy Class alles voll war und Hexe keinen Platz gehabt hatte, ergatterten wir den allerletzten Platz in der Business Class. 🙂 Hexe lag direkt vor meinem Sitz, wir saßen in der ersten Reihe. Wir hatten soviel Platz, dass ich sogar in eine vorprogrammierte halbliegende Sitzposition fahren konnte, und Hexe immer noch genug Platz zum Liegen blieb.

Der Flug verlief extrem ruhig. Nach 11 1/2 Stunden waren wir am Ziel. Währenddessen wurde Hexe von Mitpassagieren und natürlich dem Kabinenpersonal gebührend gehuldigt! 😉 Sie bezirzte alle mit ihrem Charme, ihrem neugierigen, freundlichen Wesen und ihrer Aufmerksamkeit. Sie klaute nichts von irgendwoher, machte keinen Unsinn und war total entspannt. Auf dem Flug bekam sie 2 x 2 Putenwürstchen zu fressen, die sie sich zwischen die Pfoten klemmte und in aller Gemütsruhe und mit sehr viel Genuss verspeiste.

Bei der Ankunft in San Francisco gab es überhaupt keine Probleme: Hexe lief der Betreuerin durch den Flughafen hinterher als würde sie das jeden Tag machen. Beim Immigration Office hatte ich sie angemeldet als einzuführendes Tier, die einzige Formalie der ganzen Reise! Das wurde einfach abgenickt, wir marschierten zur Gepäckaufnahme und dann aus dem Gebäude.

Apropos Gepäck: Dass auf diesem Flug nicht alles geklappt hat, war wohl irgendwie nicht zu vermeiden. Aus Gründen des zu vielen Gewichts wurde mein Rucksack mit einigen anderen Gepäckstücken in Hamburg wieder ausgeladen und kommt erst am heutigen Sonntag nach San Francisco nach. Das ist das erste Mal in 12 Jahren, dass mir das Gepäck bei der Lufthansa nicht direkt nach Ankunft zur Verfügung steht, das ist ein guter Schnitt, würde ich sagen. Schmälert jedenfalls nicht meine gute Laune ob des so toll verlaufenen Fluges.

Und hier im Hotel ging’s dann gleich weiter mit den angenehmen Seiten der Reise: Das Zimmer war vorbereitet mit einem großen Hundekissen und zwei Näpfen, einer für Wasser, einer für Futter. Mein Kollege Carsten alias Tomcat, der ebenfalls diese Woche hier arbeitet und imselben Flieger war, hat mir dann noch netterweise aus dem Supermarkt Hundefutter für Hexe besorgt. Da könnt ihr mal sehen, wie sie ihn um den Finger gewickelt hat! 🙂 Danke Dir dafür nochmals, lieber Carsten!

Tja und heute hat mich der Jetlag mit der schlaflosen Nacht gleich in Nacht 1 heimgesucht. ich bin um 3 Uhr davon wach geworden, dass Hexe im Schlaf gebellt hat. Sie hat viele Eindrücke zu verarbeiten! 🙂

Das Abenteuer USA wird hier weiter dokumentiert! 🙂

Tag 2: Erster Spaziergang, erstes Bürsten

Der weitere Sonntag verlief von ein paar Unterordnungsübungen abgesehen ruhig. Einzige größere Aktion war das erste Bürsten. Und dies verlief sehr gut! Hexe ließ sich anstandslos vollständig bürsten. Von Falko war ich da ganz was anderes gewohnt! Es dauerte damals knapp eine Woche, bis ich ihn einmal am Stück hatte bürsten können.

Falko war, bevor er zur Blindenführhundschule kam, ein Sporthund unter vielen. Er sollte zum Schutzhund ausgebildet werden, zeigte aber keinerlei Interesse, irgendwen zu beißen. Erst Frau Grün wurde seine erste echte Bezugsperson, und ich dann die zweite. Falko litt auch lange nach der Einarbeit an Verlustängsten und konnte schlecht allein bleiben. Sein Vertrauen musste richtig hart erworben werden. Wer uns kennt, weiß, dass da kein Blatt zwischen uns passt.

Hexe ist da etwas offener und geht nach ein paarmal Nachfragen davon aus, dass das so seine Richtigkeit hat. Beim Bürsten, rdas sie von Welpenbeinen an kennt, beim gesamten Aufbau der Bindung herrscht ein anderer „Ton“.

Das hat man auch beim Spaziergang und dem Ersten Gang zum Brötchenholen gemerkt. Das Führen fand heute noch an der Leine statt, noch nicht im Geschirr. Sie traute sich, mich abzudrängen, sie lief sehr souverän einen ihr bekannten Weg. Sie stellte sich schnell auf mich ein, und ich muss mich an eine viel grazilere Führweise gewöhnen. 😉 Auch im Freilauf klappte es schon echt prima. Das Herankommen ging von einem Mal abgesehen ganz prompt.

Update 2 Stunden später waren wir noch einmal spazieren und haben Unterordnungsübungen gemacht. Sehr erfolgreich, aber jetzt ist Hexe etwas geplättet. 🙂

Und noch etwas: Als Hexe mich heute morgen führte, ging Falko bei Frau Grün an der Leine und machte einen sehr entspannten Aeindruck. Von Eifersucht keine Spur! 😀

Einarbeit mit Hexe geht los

Am gestrigen 03.07. war es soweit: Falko und ich brachen zur Blindenführhundschule Grün auf, um die Einarbeit mit Falkos Nachfolgerin Hexe zu beginnen.

Die Zugfahrt selbst verlief sehr ruhig und klimatisiert, was angesichts von Außentemperaturen schon morgens um die 30 Grad Celsius sehr angenehm war.

Am Bahnhof in Mannheim holte uns die Trainerin ab, allerdings ohne Hexe, weil der die Fahrt im heißen Auto nicht zugemutet werden sollte, wenn es nicht unbedingt nötig tat. Und das tat es ja nicht, weil noch kein Training stattfinden sollte.

Bei der Ankunft waren Hexe und Falko sofort aneinander interessiert, und Hexe begrüßte mich auch sehr freudig.

Beim Auspacken waren Falko, Hexe und ich dann das erste Mal allein. Sie war sehr interessiert an dem, was ich tat, und als ich Falkos Geschirr in die Hand nahm, um es irgendwoanders zu plazieren, stupste sie es mehrmals an, so als wollte sie sagen: „Hey, damit kann ich auch was anfangen, zieh es mir doch an!“ Dazu muss erwähnt werden, dass Falko und ich vor zwei Wochen zum Kennenlernen hier waren und Hexe und ich einen Probelauf absolvierten, sie mich also auch schon mit einem Führgeschirr verknüpfen kann.

Die erste Nacht verlief sehr ruhig. Es war ziemlich warm, aber die beiden kuschelten sich im Zimmer gemütlich auf Decke bzw. Hundematratze, und es wurde dann auch durchgeschlafen. Morgens kam Hexe dann ein, zweimal an, um zu gucken, ob ich schon wach war, und gab Köpfchen zur Begrüßung.

Hexe ist ein sehr ausgeglichener Hund mit einem freundlichen Wesen, neugierig, und wenn es angebracht ist, auch schön verspielt (sie ist ja im März erst zwei Jahre alt geworden), aber auch sehr arbeitsfreudig und war beim Probelauf mit dem nötigen Ernst bei der Sache.

Heute werden wir die Beziehung weiter vertiefen. Sie ist sehr interessiert an allem, was ich mache, läuft mir viel hinterher und guckt mir auf die Finger. 🙂

Demnächst mehr an dieser Stelle!