Der große Castor-Irrtum

Seit einigen Tagen wird über Twitter, Facebook und andere soziale Netzwerke dieser Artikel aus dem Jahr 2003 des Autoren Andreas Meyer verbreitet. Er beschreibt im Detail den Unterschied zwischen dem Zwischenlager und dem Endlager, was der Salzstock ist und was eben auch nicht. Der Salzstock ist nicht, wie fälschlicherweise immer wieder angenommen und teilweise auch gezielt desinformiert wird, der Ort, an dem die Castor-Behälter aus Frankreich stehen.

Ich bin ziemlich entsetzt! Und zwar nicht über die Tatsache an sich, denn die ist mir schon seit über 25 Jahren bekannt. Sondern darüber, dass ich den einzelnen Begrifflichkeiten in der Medienberichterstattung selbst nie genug Aufmerksamkeit geschenkt habe, um diesen Mischmasch so zu bemerken, dass er mich auf die Barrikaden gebracht hätte. Ich verfolge die Berichterstattung seit dem Beginn der Transporte, wie ich bisher dachte, aufmerksam. Aber vielleicht ist es einfach die Tatsache, dass ich schon seit einer Klassenreise im Jahr 1984 ins schöne Wendland weiß, dass diese Atommüllbehälter nicht unterirdisch gelagert werden, sondern in einer großen Halle stehen. Das wurde uns Schulkindern damals nämlich von einem Vertreter der Betreiber des Zwischenlagers erklärt. Damals sprachen wir gar nicht über den Salzstock.

Für mich war also immer klar, und unter anderem darin begründet sich auch für mich einer der wichtigsten Gründe für den Protest: Die Dinger stehen da in der Landschaft, in dieser Halle, und dampfen vor sich hin!

Übrigens hat der Bericht des oben verlinkten Autoren wenig bewirkt: Die Begriffe werden nach wie vor munter durcheinandergeworfen, und von Befürwortern wird diese Begriffsverwirrung gern genutzt, um ein trügerisches Gefühl von Sicherheit zu verbreiten.

Daher mein Aufruf: Merkt auf, seid aufmerksam! Und behaltet immer im Hinterkopf: Die Dinger stehen in der schönen Landschaft, umgeben nur von ein paar Mauern und ein bisschen Stacheldraht!

Gedanken zu unnötigem Papierwust im Jahre 2010

Wir schreiben den 28.06.2010. E-Mail ist seit über 10 Jahren fester Bestandteil des Arbeitsleben und auch im privaten Bereich seit Jahren nicht mehr wegzudenken. Twitter, Facebook und andere Social Networks haben die Austauschmöglichkeiten der Menschen weltweit revolutioniert. Man kann heute Bahntickets per Handy lösen und abscannen lassen. Flugtickets werden schon seit geraumer Zeit vorwiegend online verkauft.

Und dann gibt es da so Organisationen wie Verwaltungsorgane, Vereine, Parteien o. ä., die auch im jahr 2010 einen Papierwust produzieren, der jedem umweltbewussten Bürger jedesmal die Tränen in die Augen treibt, wenn sie/er einen Umschlag öffnet, nur um eine Mitteilung vorzufinden, deren Inhalt auch problemlos per E-Mail hätte mitgeteilt werden können. Der Umschlag wandert ins Altpapier, die Mitteilung in der Regel auch, und beides muss recycelt werden.

Genauso ging es mir heute beim Bearbeiten der Einladung zur Jahresdelegiertenversammlung meines lokalen Sportvereins, der Turn- und Sportgemeinschaft Bergedorf. Ich bin als Delegierter der Judosparte mit eingeladen. Der Umschlag enthielt 8, in Worten acht, Din-A4-Blätter mit Infos zur Versammlung. Es musste nichts ausgefüllt werden, es war reiner Informationsgehalt. Und da der Brief acht Bögen Papier enthielt, kann man davon ausgehen, dass er mehr Porto als ein Standardbrief gekostet hat. Wieviele Delegierte da heute Abend aufschlagen werden, weiß ich nicht, ich gehe aber mal von mindestens 50 aus. Die TSG ist eine große Gemeinschaft.

Diese Schreiben wurden natürlich am Computer, also digital erstellt und dann ausgedruckt. Die Bögen enthielten jedoch nichts, was nicht auch per E-Mail hätte übertragen werden können.

Und wenn ich mir jetzt vorstelle, dass ja jedes Gesetzesvorhaben in Bund und Ländern auf Papier gewälzt wird, weil ja z. B. iPads im Bundestag verboten sind und jeder Verein, jeder Ortsverein einer Partei, jede behördliche Mitteilung so an millionen „Betroffene“ verschickt wird, und wenn ich das dann aus Deutschland auf den Rest der Welt projiziere, wird mir schlecht.

Seit Jahrzehnten wird über das papierlose Büro gesprochen. Die Realität ist, dieses gibt es auch im jahr 2010 noch nicht. Stattdessen wird die Umwelt weiter mit Papiermüll belastet.

Von den Vorteilen, die digitale Übermittlung aller relevanten Informationen für Menschen mit verschiedenen Behinderungen mit sich brächten, habe ich ja noch gar nicht mal angefangen zu schreiben. Ich musste diese acht Seiten der Einladung ja erstmal scannen und erkennen lassen. Das hat bestimmt hochgerechnet eine Viertelstunde gebraucht. Und ich muss mit den Ungenauigkeiten und teilweise verrissenen Tabellen leben, die die Zeichenerkennung bei der Layoutanalyse zwangsläufig mit sich bringt. Wil lich ganz sicher gehen, muss ich so einen Erkennvorgang zwei bis dreimal durchführen lassen oder sogar eine sehende Person fragen. Und am Ende werden diese acht seiten im Altpapier landen, denn nach der Delegiertenversammlung sind die Inhalte nicht mehr relevant für den einzelnen Delegierten. Für mich jedenfalls nicht.