Besuch beim König der Löwen

Am 15.04. wurde ich mal wieder ein Jahr älter. Und zu diesem Anlass machten meine Herzdame, die übrigens seit dem 30.12.2013 auch meine Frau ist, und ich einen schönen Nachmittags- und Abendausflug. Zuerst ging’s ein bisschen über den Jungfernstieg und angrenzende Straßen bummeln. Hierbei stießen wir in der Poststraße auf dieses Museumsstück:

Kaputte Telefonzelle mit fehlendem Hörer und Außer-Betrieb-Anzeige
Kaputte Telefonzelle

Die hatte wirklich schon bessere Tage gesehen! Danach waren wir noch auf dem Rathausmarkt.

Nach einem sehr leckeren späten Mittag- oder frühen Abendessen im Block House fuhren wir zu einer Vorstellung des König der Löwen.

Wir fuhren mit dem Taxi durch den Freihafen, weil meine Herzdame kein Schiff fahren kann. Der Taxifahrer bog falsch ab und ließ uns am Bühneneingang hinter dem Theater aussteigen. Der dachte wohl, wir wollten da mitspielen! 😉

Ein freundlicher Mitarbeiter des Theaters rettete uns nach ein paar Minuten und wies uns den richtigen Weg nach vorn zum Haupteingang.

Da wir sehr früh da waren, hatten die Türen zum Zuschauerraum noch gar nicht geöffnet. Wir konnten uns also die Zeit vertreiben, indem wir noch etwas tranken, die Kasse des Merchandising-Anbieters noch etwas auffüllten und die Leute um uns herum beobachteten. 😉

Die Vorstellung selbst war absolut großartig. Die Schauspieler waren sämtlichst in Hochform, die Gags waren witzig und die Musik wie immer ein Garant für viel Gänsehaut! Schon beim Eingangs-Song „Circle Of Life“ (hier natürlich auf deutsch) überkam mich eine Gänsehaut nach der anderen. Und es ging gleich so weiter!

Dies war die insgesamt zweite Vorstellung des „Königs“, die ich besuchte. Die erste liegt schon über 10 Jahre zurück. Daher fällt ein Vergleich schwer. Es war unabhängig davon ein unvergessliches Erlebnis und eine schöne Art, seinen Geburtstag zu verbringen.

Die Idee für den Besuch kam uns übrigens erst Anfang April. Auslöser war der Gesangs-Flashmob des australischen Ensembles im Flugzeug auf dem Weg von Brisbane nach Sydney. Ganz spontan schauten wir nach, ob es für meinen Geburtstag noch zwei zusammenhängende Plätze gab, und wir hatten Glück! Wir ergatterten einen der letzten Zweierblöcke und griffen sofort zu. 🙂

Wer einen Hamburg-Besuch plant und das Musical noch nicht gesehen hat, dem empfehle ich unbedingt einen Besuch dieses großartigen Zeltes im Hamburger Hafen! Wenn man Glück hat, so wie wir, geht es auch recht spontan! 🙂 Ein unvergesslicher Abend voller toller Musik, tänzerischer Darbietungen und großartiger Sänger ist dem Besucher sicher! 🙂

Wie barrierefrei ist die Bundestagswahl 2013 für mich?

Es ist soweit, die Bundestagswahl 2013 steht vor der Tür, und da ich sicherstellen will, dass meine Stimme Gehör findet, gehöre ich nicht zur Partei der Nichtwähler, sondern gehe seit meinem 18. Lebensjahr, seit der Kommunalwahl in Niedersachsen 1991, zu jeder Wahl, zu der ich darf. 😉

Bzw. seit einigen Jahren bin ich konsequenter Briefwähler. Die Gründe dafür sind nicht etwa in der fehlenden Barrierefreiheit des Wahllokales begründet, denn als Fußgänger bin ich darauf nicht unbedingt angewiesen. Vielmehr möchte ich die Wahl in Ruhe und ohne Trubel um mich herum durchführen. Ich weiß zwar in der Regel, welchem Kandidaten und welcher Partei ich meine Stimme geben möchte, aber die Atmosphäre in einem Wahllokal empfand ich immer als störend. Denn obwohl die Wahlhelfer sicher drauf achten, dass mir nicht heimlich jemand zur Wahlkabine folgt und über die Schulter linst, empfinde ich das Gefühl, das potentiell so viele Menschen in meiner Nähe sind, als nicht so angenehm bei so etwas wichtigem wie einer Wahl.

Dazu kommt, dass es erst seit ein paar Jahren Schablonen für die Wahlzettel gibt, die es mir als Blindem ermöglichen, die Wahl auch allein und unabhängig durchführen zu können. Das hieß früher immer, dass ich eine Hilfsperson brauchte, die entweder ein Wahlhelfer war oder eine Person meines Vertrauens, mit der ich zusammen zur Wahl ging. OK, die Hilfsperson brauchte ich bei der Briefwahl auch, aber da die Atmosphäre zu Hause viel intimer ist, war das nie ein Problem.

Am gestrigen Freitag, den 06.09., kamen die Wahlschablonen vom Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg per Post bei mir an. Neben der Bundestagswahl 2013 findet in Hamburg am 22.09. auch ein Volksentscheid zur Initiative Unser Hamburg, unser Netz statt, in dem es um die Rückführung der Strom-, Gas- und Fernwärmenetze in die öffentliche Hand geht. In dem Umschlag befanden sich also zwei Schablonen:

Schablone für den Stimmzettel zur Bundestagswahl 2013

Leere Schablone für den Stimmzettel zum Volksentscheid

Weiterhin befanden sich in dem Umschlag zwei CDs mit Infos zu den Schablonen, Anleitungen zum Einlegen der Stimmzettel und die Aufzählung, welcher Direktkandidat in welchem Wahlkreis auf welcher Position der Wahl für die Direktstimme (links) steht. Man muss also wissen, in welchem Wahlkreis man wohnt, was ja eh immer eine gute Idee ist, wenn man politisch informiert sein will. 😉

Ich hatte bei diesen CDs jedoch das Problem, dass ich kein Hörer der Blindenhörbüchereien bin und mein Abspielgerät für sog. DAISY-CDs, also digitale Hörbücher in einem speziell strukturierten Format, eingemottet ganz tief im Schrank vergraben steht, der Akku entladen ist usw. Auf meine Anregung hin, dass diese Infos auch übers Internet zum Download zur Verfügung gestellt werden sollten, gab es die Rückmeldung, dass dies geprüft würde.

Die Schablone zum Volksentscheid ist recht einfach gehalten: Sie hat eine Beschriftung in Braille und fühlbarem Schwarzdruck, worum es sich handelt, und Beschriftungen für die Felder „ja“ und „nein“ für die Zustimmung oder Ablehnung der Vorlage der Initiative. Oben rechts befindet sich ein kleines Loch, wie es typischerweise von einem Locher erzeugt wird. Genau so eines befindet sich auch auf dem Stimmzettel zur Volksinitiative. Die Löcher sollen beim Einlegen des Stimmzettels in die Schablone genau übereinander liegen, dann sei sichergestellt, dass auch die Felder zum Ankreuzen in den ausgeschnittenen Bereich der Schablone fallen würden. Wie man auf folgendem Bild sieht, stimmt das hier auch.

Schablone mit eingelegtem Stimmzettel zum Volksentscheid

Die Schablone für den Stimmzettel zur Bundestagswahl ist wesentlich größer, länger als DIN-A4. Auch sie hat oben rechts ein Loch zur Orientierung, genau wie der zugehörige Stimmzettel. Es gibt zwei Reihen kreisrund ausgeschnittener Felder, die linke Spalte ist mit „Erststimme“, die rechte mit „Zweitstimme“ überschrieben. Die Felder für die Erststimme sind fortlaufend nummeriert, die Felder für die Zweitstimme haben rechts daneben Kürzel für die jeweilige Partei aufgedruckt. Um zu wissen, welche fortlaufende Nummer in der linken Spalte zu welchem Direktkandidaten gehört, wird auf der zugehörigen Anleitungs-CD vorgelesen.

Schablone mit eingelegtem Stimmzettel für die Bundestagswahl

In der Praxis zeigte sich jedoch nun, dass die Orientierung mit den Löchern oben rechts hier nicht so recht klappen wollte. Hätte ich den Stimmzettel genau passend zu dem Loch eingelegt, wären die Felder und Ausschnitte nicht genau übereinander zum Liegen gekommen. Weiterhin wäre im unteren Bereich das Abdriften noch größer gewesen. Meine Verlobte stellte dies fest, als ich den Stimmzettel fertig eingelegt hatte. Stellte ich hingegen sicher, dass der Stimmzettel viel mehr genau bis in die letzte Ecke der Falz und des oberen Randes geschoben war, stimmten die Felder, aber dann das Loch nicht mehr. Das folgende Foto der Rückseite der Schablone mit eingelegtem Stimmzettel zeigt den Versatz:

Ansicht der Rückseite mit nicht genau übereinstimmenden Orientierungslöchern

Hätte ich mich allein auf die Anleitung und die Löcher zur Orientierung verlassen, hätte dies dazu führen können, dass mein Wählerwille nicht mehr eindeutig erkennbar gewesen wäre, indem Kreuze nämlich zu weit neben, oder ober- bzw. unterhalb eines Feldes hätten landen können. Bei so etwas wichtigem wie der Wahl ist es daher unbedingt notwendig, dass diese Dinge auch sauber funktionieren!

Ein sehr ähnliches Problem hatte ich schon mit der Schablone zur Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft 2011. Abgesehen davon, dass die Wahlzettel an sich absolut grauenhaft waren, weil so viele Felder auf so engem Raum standen, war es mir damals nicht möglich, den Wahlzettel so in die Schablone einzuführen, dass sie wirklich exakt gepasst hätte und ich eine eindeutig erkennbare geheime Wahl hätte durchführen können.

Nachdem die Wahl an sich nun durchgeführt war (aus Gründen der Privatsphäre verzichte ich auf Bilder hiervon), ging es darum, den Umschlag-Reigen zu spielen. Jeder Stimmzettel kommt in einen eigenen Umschlag, diese kommen dann zusammen mit zwei Bögen (einem pro Wahl), auf denen man erklärt, dass man entweder die Wahl selbst oder als Hilfsperson für den eigentlichen Wahlberechtigten durchgeführt hat, in einen großen Umschlag. Der große Umschlag ist eindeutig erkennbar, die bögen und die Felder für die zu leistenden Unterschriften und die kleinen Umschläge sind hingegen nicht eindeutig zuordnbar.

Ohne sehende Hilfe ist eine Wahl also auch heute noch nicht vollständig selbstständig als Blinder durchführbar. OK, wenn ich mit der Schablone in ein Wahllokal marschiert wäre und dort meine Stimmen abgegeben hätte, würde der Umschlag-Reigen natürlich wegfallen. Aber aus den oben genannten Gründen nehme ich lieber in Kauf, hierbei Hilfe zu bekommen und die Wahl so ganz entspannt durchführen zu können.

Ich habe schon gewählt. Und ich möchte an alle meine Leser appellieren, dies auch spätestens am 22.09. in ihrem örtlichen Wahllokal zu tun!

Rückfall in die Steinzeit: Von Drosselung, Netzneutralität und alten EntscheiderInnen

Am gestrigen Montag war es also soweit: Die Telekom bestätigte durchgesickerte Berichte, dass ab 02.05. eine einheitliche Drosselung aller Hochgeschwindigkeits-Anschlüsse bei einem Datenvolumen von 75 GB auf 384 Kbit/s möglich sein soll. Die Telekom will dies zwar nicht sofort umsetzen, beteuert sie. Man rechne damit, diese Drosselung technisch erst ab 2016 umzusetzen.

Eine Drosselung gibt es auch jetzt schon, die Obergrenzen dafür sind allerdings gestaffelt nach Art und Geschwindigkeit des Anschlusses. So wird der bei der Herzdame und mir werkelnde VDSL50-Anschluss ab einem Volumen von 200 GB im Monat gedrosselt. Als Bestandskunde soll man vorerst von diesen Neuerungen nicht betroffen sein.

Wir verbrauchen zu zweit im Monat zur Zeit etwa 120 bis 140 GB. Da ist alles mit drin: In HD gestreamte Filme oder der Download von Kauffilmen bei Apple und anderen Anbietern, iTunes Match und der Download von Kaufmusik von verschiedenen Anbietern, sowie sämtliche sonstige Nutzung.

Pikant an dieser Drosselung ist, dass das eigene IPTV-Angebot T-Home Entertain hiervon ausgenommen sein wird. Hierüber geschaute Angebote werden also nicht mitgezählt, wenn der Datenverbrauch errechnet wird. Dasselbe gilt für Kooperationspartner wie Spotify. [Update]Laut diesem Artikel von Malte Spitz sollen auch andere Anbieter wie Apple gegen eine Gebühr ihre Inhalte anbieten können, ohne dass diese dann gegen das Volumen laufen.[/update]

Dies ist eine ganz klare Abkehr von der Netzneutralität, die in Deutschland ja leider immer noch nicht festgeschrieben ist. Sie ist ein Instrument, eigene Angebote zu bevorzugen und somit den Aktionären und Managern noch mehr Kohle einzuverleiben. Netzneutralität besagt nämlich nichts anderes, als dass dem Netz egal ist, welcher Anbieter konsumiert wird. Das kann man sich also in etwa so vorstellen, als hätten die öffentlich-rechtlichen Radiosender in den 80er Jahren bei Aufkommen der Privatsender dafür gesorgt, dass terrestrischer Empfang nur dann störungsfrei möglich ist, wenn das Radio durch Zahlen der GEZ-Gebühr entstört worden wäre.

Der Schritt der Telekom ist ein Eingriff in den freien und neutralen Zugang zu Informationen aus beliebigen Quellen, es sei denn, man zahlt einen Obolus.

Und die Telekom ist nicht der einzige Anbieter. Laut einer Meldung von netzpolitik.org wird Vodafone ihr bald folgen. Und andere wahrscheinlich auch.

Dass diese Preis- und Tarifpolitik Deutschland in die Internetsteinzeit der 90er Jahre zurückwirft, dürfte jedem klar sein.

Und wieder diktieren „die Märkte“ bzw. die an diesen Märkten tätigen Konzerne, die Abläufe in unserer Gesellschaft und nehmen der Politik das Zepter aus der Hand. In der Zeit stand vor ein paar Tagen ein sehr lesenswerter Artikel über genau dieses Problem: Die dieses Land regierende Generation der Babyboomer, also der zwischen ca. 1946 und 1965 geborenen Bevölkerung, sorgt mit ihren ausschließlich auf Wirtschaftsliberalismus ausgerichteten Handlungsweisen, gepaart mit der Angst vor „diesem bösen bösen Internetz“ für Vorgänge, die ihren Anleger-Gelüsten nutzen, dem Rest der Gesellschaft aber massiv schaden. Dinge, die als Errungenschaften nach der Nazi-Diktatur in Deutschland einzogen wie die Presse- und Meinungsfreiheit werden mit diesen Mitteln quasi ausgehebelt. Die Urheberechtsdebatte, die Angst der Holzmedienverleger vor Internetangeboten und das daraus resultierende Leistungsschutzrecht… All dies sind Vorgänge, die uns Jungen (und mit 40 zähle ich mich gedanklich eindeutig zu diesen) massiv die Gestaltungsmöglichkeiten nehmen, die wir brauchen, um das Land zukunftsfähig zu erhalten, wenn wir denn eines Tages tatsächlich so alt sind, dass wir in der Bevölkerung die entscheidende Mehrheit stellen.

Überspitzt formuliert könnte man fast sagen, alles, was neuer ist als das Faxgerät wird von der dieses Land beherrschenden Generation mit Angst und nicht als Chance betrachtet. Warum sonst muss es eine Facebook-Broschüre prominenter „Netzpolitiker“ geben, die mit eindeutig irreführenden Aussagen zum Datenschutz bei diesem sozialen Netzwerk Ängste abbauen soll?

Das Internet wird von der herrschenden Riege als notwendiges Übel betrachtet, das lediglich dazu dient, die Gewinne der Firmen, an denen sie Anteile haben, zu maximieren, weil es dabei hilft, Stellen wegzurationalisieren. Hätten sie diesen Punkt nicht verstanden, würde es dem Internetstandort Deutschland wohl noch viel schlechter gehen. Sie missbrauchen ihre Machtposition aber dazu, Grundrechte massiv zu beschneiden, indem solche Tarifmodelle wie das der deutschen Telekom eingeführt werden und auch bei anderen Anbietern, die ja von den gleichen Damen und Herren beherrscht werden, großen Anklang finden. Und da sind auch die durchaus richtigen Worte des jungen SPD-Politikers Hansjörg Schmidt nur ein schwacher Trost. Denn auch er wird nicht leugnen können, dass er nicht weiß, ob die momentan im Regierungsprogramm der SPD festgeschriebene Netzneutralität bei einem (allerdings sehr unwahrscheinlichen) Machtwechsel Ende September tatsächlich Bestand haben wird. Denn diejenigen, die dann das Sagen haben, werden auch im Schnitt ca. 25 Jahre älter sein als er und ich.